16 Spiele, 174 Gegentore – Der erfolgloseste Klub der Saison

Es machte sogar Spaß

So ging das Team vom Spandauer Damm in Charlottenburg mit einem festen Grundsatz in das Abenteuer: Verlieren ist okay, aufgeben nicht. Auch als es eine hohe Niederlage nach der nächsten setzte, ließ sich die Truppe nicht entmutigen. Während andere Mannschaften in ähnlichen Situationen oft bei hohem Rückstand um Spielabbruch wegen sportlicher Unterlegenheit bitten oder irgendwann keine elf Spieler mehr zusammenkriegen, zog Club Italia jede noch so bittere Partie über 90 Minuten durch. Und die Mannschaft hielt zusammen.

Es machte sogar Spaß, wie Stammtorwart Alexander Werner erzählt. »Wir haben einen super Zusammenhalt im Team, das war schon irgendwie auch eine tolle Sache.« Und auch nach der höchsten Niederlage, dem 0:21 gegen TuS Makkabi (neuer Rekord in der Berlin-Liga), habe es gute Stimmung in der Kabine und Lob vom Gegner gegeben, sagt der Keeper in einer fröhlichen Art, die so gar nicht danach klingt, als hätte er die meiste Zeit damit verbracht, den Ball aus dem eigenen Netz zu fischen.

»Habe ein super Spiel gemacht«

»Ich sehe das so: Wenn ich 20 Bälle aufs Tor bekomme und davon zehn halte, habe ich doch ein super Spiel gemacht«, sagt Werner. Ein bisschen komisch sei er sich aber schon vorgekommen, nach zweistelligen Niederlagen noch als bester Spieler seiner Mannschaft in der Fußball-Woche gestanden zu haben.

Trainiert wurde kaum, wie eine Freizeittruppe habe man sich einfach an den Wochenenden zum Spiel verabredet, erzählt Werner weiter. Um dann auf Gegner zu treffen, die teilweise bis zu fünf Übungseinheiten pro Woche absolvieren. Für Trainer Özgenc eine Geduldsprobe. »Ich mache hier alles: Animateur, Psychologe, Clown«, erzählt der Coach. Für das letzte Spiel am heutigen Sonntag gegen den 1.FC Wilmersdorf (14 Uhr) hat er sogar nochmal eine besondere Überraschung für seine Spieler vorbereitet, um sich für diese in jeder Hinsicht außergewöhnliche Saison zu bedanken. »Wir haben uns für den Verein aufgeopfert, das ist für mich wertvoller als jeder Aufstieg«, sagt Özgenc. Allerdings gibt es momentan nicht mal einen Vorstand bei Club Italia, die Zukunft ist unklar. Der Trainer hätte durchaus Lust auf das nächste Abenteuer in der Landesliga, doch jetzt braucht er erst mal Urlaub. »Ich bin völlig fertig mit den Nerven«, sagt er, »das war echt ein verrücktes halbes Jahr.«