11FREUNDE-Saisonrückblick

0815 statt 007

Jan C. Rode vom Fanzine »Notbremse« teilt nicht nur die Initialen mit Rene C. Jäggi, sondern weiß auch ziemlich gut über die Bundesliga Bescheid. Aus Gründen der Fairness beschränkt er seinen Saisonrückblick auf Hannover 96. 11FREUNDE-SaisonrückblickImago Spieler der Saison:

Ganz klar: Sergio Pinto. Wer zweimal nach exakt gleichen Ausrastern vom Rasen fliegt, ist einfach ein ganz Großer der Fußball-Zunft. Privat ist der Deutsch-Portugiese jedoch äußerst schüchtern. Des Nächtens erblickte ich ihn in einer hannoverschen Diskothek, und als ich mich noch fragte, wer diese Person sei, die mir doch so bekannt vorkam, war er schon wieder verschwunden. Dennoch ist Pinto einer der freundlicheren Fußballprofis: Am nächsten Abend, beim Länderspiel Deutschland-Zypern, nickte er mir auf dem Pissoir freundlich zu. Immerhin hatte er mich erkannt. Ein Anfang, der in der kommenden Saison gerne fortgesetzt werden darf. Eine Mannschaft wie 96 braucht einfach jemanden wie Pinto: kratzen, spucken, beißen, treten, meckern, genial aufspielen, die Massen aufwiegeln und theatralisch sein.

[ad]

Trainer der Saison

Der ewige Eddy Kowalczuk. Während Hecking und Bremser Profis, Talente und Testspieler im Training verheizen (!), baut der emsige Konditions- und Fitnesstrainer sie mit individueller Betreuung wieder auf. Zwar stehen nach Eddys Coaching am Ende der Rekonvaleszenz-Zeit meist keine neuen Sprint-Rekorde im Oktav-Heftchen der Spieler, dennoch trägt der gebürtige Pole einen gehörigen Anteil am guten Fitnesszustand der Roten (so und nur so konnte Rostock in der Hinrunde binnen fünf Minuten mit drei Toren zerstört werden).

Flop der Saison

Die Kollegen eines Boulevardmagazins brachten es treffend auf den Punkt: »Auto wie 007, spielen wie 0815«. Gemeint war Benny Lauth, der gegen Ende der Saison mit einem Aston Martin am Niedersachsenstadion aufkreuzte und es in seinen 21 Einsätzen auf exakt einen Assist brachte. Richtig aufblühen tut der Münchener nur, wenn es um nichts geht, etwa in Testkicks gegen Real Madrid oder niedersächsische Dorfvereine.

Überraschung der Saison

Christian Schulz. Kaum ein Spieler zuvor hat sich derart schnell innerhalb der Mannschaft eingelebt und ihr sogleich neue Impulse geben können. Die Dribbel-Demütigung durch Franck Ribery zu Beginn der Saison hatte Schulz (damals noch im Trikot des SV Werder) erstaunlich schnell überwunden. Auf der linken Abwehrposition zeigt er solide Leistungen, noch besser ist er hingegen in der zentralen Defensivposition im Mittelfeld aufgehoben. In seiner ersten Saison bei den Roten pulverisierte er mit vier Treffern gleich seinen Torrekord.

Tollstes Spiel der Saison

Das 4:3 gegen Werder Bremen, von mir live im Cinecitta Nürnberg verfolgt. Während der Club gegen den Abstieg kämpfte und die versammelten Franken kaum Emotionen zeigten, konnte ich im Süden der Republik die Vorurteile vom emotionslosen Norddeutschen eindrucksvoll widerlegen, nur kaum unterbrochen durch skeptische Blicke meiner Begleitung. Der Spaß wurde umso größer, als sich einige Opportunisten auf die Seite der Fischköppe schlugen und den Ausgleich zum 3:3 entsprechend feierten. Mein Abgang nach dem heroischen Siegtreffer glich Verdis Triumphmarsch aus Aida.

Tollstes Tor der Saison

Hankes Treffer zum 3:1 gegen Bremen. An der Mittellinie lauernd wartet er auf einen langen Freistoß-Pass Husztis aus der eigenen Hälfte. Beim Sprint über knapp 50 Meter übertölpelte er zunächst den ehemaligen 96er Per Mertesacker und den unsympathischen Tim Wiese per Beinschuss. In den TV-Bildern ist zu sehen, wie Hanke neben dem Ball aufs verlassene Tor der Gäste zujoggt, nur, um sich von der dahinterliegenden Fankurve inbrünstig feiern zu lassen.

Ich hätte beinahe die Lust am Fußball verloren als ...

... ich mich beim Sommerturnier des Fanzines »Notbremse« großspurig als Coach im Stile eines Jose Mourinho anpries, es aufgrund von Terminschwierigkeiten aber dennoch nicht schaffte, dem Turniergeschehen beizuwohnen (das Schützenfest in Hannover dauerte länger als erwartet).

2007/2008 habe ich den Star der Zukunft gesehen, nämlich ...

... Sal Zizzo. Sein Antritt ist phänomenal und das schnell gelöschte Profil bei MySpace versprach Eskapaden in der Kategorie eines Jan Simaks. Wenn noch die Gockelhaftigkeit von Cristiano Ronaldo hinzukommt, stehen der Boulevard-Presse und den weiblichen Fans in Niedersachsens Landeshauptstadt rosige bzw. abwechslungsreiche Zeiten bevor. Lasset die Spiele beginnen!

Ich werde Olli Kahn nicht vermissen, weil ...

... er seine intellektuellen Fähigkeiten nicht ausreizte, sondern stattdessen immerfort um die Themen »Du musst«, »Man kann«, Motivation, Nationalelf und Bayern mäanderte. Wie langweilig.