11FREUNDE-Saisonrückblick 2007/08

Von den Alten lernen...

Die Saison hinterließ 11Freunde-Redakteur Tim Jürgens vor allem eine Erkenntnis: Es gibt kaum noch Bundesligaspieler, die älter sind als er selbst. Samstag dann die bange Frage: War Olli Kahn gar der letzte? Nein, ein anderer spielt immer weiter. 11FREUNDE-Saisonrückblick 2007/08imago images
Spieler der Saison

Michael Tarnat. Weil er Hannover sterbenslangweilig findet und insgeheim von einem Weißbier als Fußballrentner auf einer Bank im Englischen Garten in München träumt. Doch der Teamgeist, der unter Trainer Hecking bei 96 Einzug gehalten hat, befeuert ihn derartig, dass er immer weiter, immer weiter spielt. Jetzt sogar noch eine Saison dranhängt und damit beweist, dass das Fleisch gar nicht so schwach sein kann, wenn der Geist es will. Er ist aber auch deshalb mein Spieler der Saison, weil er einer der letzten, aktiven Bundesliga-Spieler ist, die älter sind als ich. Von den Alten lernen, heißt siegen lernen.

[ad]

Trainer der Saison

Bojan Prasnikar. Sympathische Melange aus Franz Beckenbauer, Dragoslav Stepanovic und Jim Knopf. Schaffte das Unmögliche, indem er Energie Cottbus nach dem Rauswurf des Volkstribuns Petrik Sander auf Linie brachte und trotz vieler Abgänge nach der vergangenen Saison den Klassenerhalt schon am 33. Spieltag sicherte.

Flop der Saison

Zenit St. Petersburg gegen Bayern München 4:0. Nach Jahrzehnten gelang es den Münchnern, auch wegen des anhaltend enttäuschenden Abschneidens der deutschen Teams im Europacup, dass ich mit ihnen und ihren mutigen Investitionen am Saisonbeginn in Ansätzen sympathisierte und sie in mir die Hoffnung weckten, sie wären dazu in der Lage den UEFA-Cup zu gewinnen – und die Bundesliga sei doch besser als ihr Ruf. Leider wurde diese wage Hoffnung im Verlaufe dieses Spiels im Keim erstickt.

Überraschung der Saison

Der 1. FC Köln. Mehr denn je ein von Intrigen und Klüngel durchtränkter Klub mit einem Coach dessen Ambivalenz gegenüber seinem Amt, seinem Umfeld und seiner Aufgabe dem Betrachter aus jedem von Daums Augenaufschlägen entgegen springt. Und am Ende steigt ausgerechnet dieser Verein wieder in die Bundesliga auf.

Tollstes Spiel der Saison

Die 120 Minuten von Getafe. Ein Fußballspiel, das mich auch in der Wiederholung in den frühen Morgenstunden noch dazu veranlasste, bei voller Körperspannung und Konzentration vor dem TV-Gerät zu verharren.

Tollstes Tor der Saison

Die Geschichte wiederholt sich. Bielefelds Keeper Fernandez köpft sich am 33. Spieltag den Ball in bester Pannen-Olli-Manier die Pille in die eigenen Maschen und damit hält er das Rennen um den Klassenerhalt bis zum letzten Spieltag offen.

Ich hätte beinahe den Spaß am Fußball verloren, als...

wir beim Hallen-Masters in Berlin teilnahmen. Das 11 Freunde-Team hat eine Wild-Card für die Teilnahme erhalten. Nach zehn Sekunden des ersten Spiels ziehe ich mir eine Bänderdehnung im linken Knöchel zu und verbringe den Rest des Tages auf der Reservebank. Mein Team verliert jedes Spiel. Eines sogar mit 1:15. Bis nachts liege ich wach und wäge ab, ob es besser wäre, meine aktive Laufbahn zu beenden.

2007/2008 habe ich den Star der Zukunft gesehen, nämlich...

Marko Marin von Borussia Mönchengladbach. Er kann eine Karriere machen wie Jörg Böhme oder Thomas Hässler. Waldmeister oder Weltmeister, Genie und Wahnsinn. Es hängt von ihm ab.

Ich werde Oli Kahn vermissen, weil...

er einer der letzten aktiven Bundesligaspieler war, die älter als ich sind.

Ich werde Oli Kahn nicht vermissen, weil...

sein Dogma vom unbedingten Willen nur allzu gut in diese Leistungsgesellschaft, in der Castingshows die Menschen zu willigen Befehlsempfängern herabwürdigen, hinein passt. Es darf nicht sein, dass nur der Angepasste weiter kommt. Große Fußballer müssen die Gesetze von Disziplin und Anpassung außer Kraft setzen. Wie Lawrence von Arabien sagt: "Die Kunst ist, sich nichts anmerken zu lassen." Auch Beckenbauer, Pele, Zidane und Maradona waren kranke Ehrgeizlinge, aber niemand würde auf die Idee kommen, sie so zu charakterisieren. Kahn schon.