11FREUNDE-Saisonrückblick

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11FREUNDE-Mann Thorsten Schaar macht es sich gern mit einem Ärzteroman in der Kaffee-Küche gemütlich. Doch selbst ihm war die tränenreiche Umarmung zwischen Kahn und Merk zu viel des Guten. Angewidert blickt er zurück. 11FREUNDE-Saisonrückblickimago images
Spieler der Saison

Franck Ribery, auch wenn Diego insgesamt konstanter spielte und dessen Motorik beim Balltreten nach wie vor an Eleganz nicht zu überbieten ist. Wenn man sich schon andauernd über den FC Bayern ärgert, weil er den von Heinz Wiskow (kicker-Sportmagazin) stets akribisch berechneten UEFA-Koeffizienten in ungeahnte Tiefen spielt, braucht man eine Identifikationsfigur. Früher war das Scholl, jetzt ist das eben Ribery. Ob der französische Pepe Nietnagel am 29. Juni im Ernst-Happel-Stadion wohl auch mit der EM-Trophäe ausbüchst?

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Trainer der Saison


Bojan Prasnicar, weil er den modernen Aleksandar Ristic verkörpert: Trainerfuchs mit einem genauem Plan u-n-d keinesfalls nur auf die Defensive bedacht. Die Bundesliga braucht die Taktik-Transfusionen ausländischer Trainer dringend. Schade, dass der 55-Jährige, der einst den slowenischen Meister NK Maribor in die Gruppenphase der Champions League führte, viel zu spät von einem deutschen Klub entdeckt wurde, ähnlich wie vor ein paar Jahren Hans Meyer. Es stellt sich wieder einmal die Frage: Warum findet in der Bundesliga kein Trainer-Scouting statt? Eigentlich müsste doch jeder ambitionierte Erstligaverein seit Jahren eine dicke Mappe über Zvonimir Soldo (40 Jahre, Kroatien), Michael Laudrup (43 Jahre, Dänemark) und Michal Bílek (43 Jahre, Tschechien) angelegt haben. Es ist erschütternd, dass in dieser Hinsicht sogar Peter Neururer mit seinem legendären Datenbankrechner besser aufgestellt ist! Letztendlich läuft es im hiesigem Management weiterhin so: Man verpflichtet nach monatelanger, verzweifelter Suche einen 52-jährigen holländischen Übungsleiter, der gerade einmal einen nationalen Pokaltitel auf dem Briefkopf stehen hat und bewirft ihn mit all dem Geld, das die neuen TV-Verträge irgendwann einbringen werden.

Flop der Saison

1. FC Nürnberg. Wahrscheinlich ist in der Bundesliga-Geschichte noch nie eine so starke Mannschaft abgestiegen wie die »Clubberer« (Günther Koch) mit überdurchschnittlich veranlagten Spielern wie Pinola, Mintal, Misimovic, Vittek, Wolf, Saenko, Charisteas oder Kluge – außer dem 1. FC Nürnberg: in der Saison 1968/69.

Überraschung der Saison

VfL Wolfsburg. Im 11 Freunde-Bundesliga-Sonderheft 2007/08 wähnte die geballte Kompetenz des Berliner Familienmagazins die »Autostädter« auf Platz 17 der Schlusstabelle. Eine Prognose, die sich nicht ganz bewahrheitete. Man könnte jetzt behaupten, dass Kollege Köster kurz über den Flur gerufen hatte (»Was meint Ihr, wo landet der VfL?«), aus der Praktikanten-Ecke die gelangweilte Antwort »Vorletzter« erhielt und diese Einschätzung sogleich in das wertvolle Dokument übertrug. Doch würde das einem irgendjemand glauben, selbst wenn es tatsächlich die ganze Wahrheit ist? In der nächsten Spielzeit wird der VfL übrigens wieder die »Überraschung der Saison«, weil er als »erster Bayern-Jäger“« am Ende den 2. Platz erreicht, knapp vor der TSG Hoffenheim.

Tollstes Spiel der Saison

Werder Bremen – FC Schalke 04 5:1

Tollstes Tor der Saison

Mario Gomez beim 3:1 gegen den FC Bayern am 13. Spieltag, erzielt wahlweise mit der »Hüfte« (kicker-Sportmagazin) oder dem »Skrotum« (Dirk Gieselmann).

Ich hätte beinahe den Spaß am Fußball verloren, als...

…ich Markus Merk und Ottmar Hitzfeld am 34. Spieltag in der Allianz-Arena heulen sah und das weinerliche Spektakel ausgerechnet von Premiere-Studiogast Christoph Daum kommentiert wurde. Ein weiterer Tiefpunkt der Fußballfernsehgeschichte war sicherlich der anschließende Trikottausch von Markus Merk und Oliver Kahn. Wäre der Slogan »Powered by emotion« noch nicht vergeben, hätte ihn sich Michael Börnicke wohl längst angesteckt. Früher glänzte Premiere mit kompetenten Kommentatoren; seit dieser Saison heißen die Experten Matthias Sammer, Stefan Effenberg und Lothar Matthäus. Gleichzeitig erreicht einen alle zwei Tage (gefühlt) ein Telefonanruf aus dem Premiere-Call-Center, mit dem einen unerwünschte Dienstleistungen aufgedrängt werden sollen. Wir fordern: Günter Wallraff, bitte übernehmen Sie! By the way: Wann entscheidet eigentlich endlich das DFB-Sportgericht, dass Markus Merk den verschossenen Elfmeter des 1.FC Köln gegen Fortuna Düsseldorf damals im Müngersdorfer Stadion nicht hätte wiederholen dürfen?

2007/2008 habe ich den Star der Zukunft gesehen, nämlich...

Andreas »Lumpi« Lambertz (Fortuna Düsseldorf), und zwar immer wieder gerne. Für sein Tor zum 2:0 gegen Rot-Weiß Oberhausen (am 29. Spieltag in der Regionalliga Nord) hätte er von Jogi Löw in den auf 180 Spieler erweiterten EM-Kader berufen werden müssen.

Ich werde Oli Kahn nicht vermissen, weil...


…die neue deutsche Torwartschule große Hoffnungen auf die Zukunft macht. Wenn René Adler in wenigen Jahren Edwin van der Sar bei Manchester United ablöst, haben wir auch endlich wieder mehr als nur Michael Ballack und Eugen Polanski in den beiden besten Spielklassen weltweit. »Wireless Lahm« (Mehmet Scholl) wird seine Entscheidung für Jürgen Klinsmann und gegen den FC Barcelona hoffentlich schon bald bereuen!