11FREUNDE-Saisonrückblick

Die Sieben muss stehen!

Nach einer Saison der Ergebnis-Verwaltung ließ der HSV es doch noch krachen: 7:0 gegen den KSC! Für 11FREUNDE-Mann Andreas Bock ein schwacher Trost für das Jahr, in dem er einsam durch die Bundesliga-Konferenz irrte. 11FREUNDE-Saisonrückblickimago images
Spieler der Saison

Maik Franz. Spielt keinen schönen Schuh wie Diego, schlägt keine Pässe zum Zungeschnalzen wie Franck Ribéry, macht als Abwehrspieler auch keine »Hast du das krasse Tor gesehen?«-Tore wie Mario Gómez. Doch ist er ein grundehrlicher Realist, der sich selbst sogar als den »meistgehassten Spieler der Liga« bezeichnet. Hätte Gennaro Gattuso (Selbstauskunft: »Ich bin so hässlich wie die Schulden!«) wirklich nächste Saison beim FC Bayern angeheuert, hätten beide das beste Tag-Team der Liga seit Effenberg und Basler bilden können.

[ad]

Trainer der Saison

Huub Stevens. Traf einige merkwürdige Entscheidungen in der abgelaufenden Saison, doch niemand konterkarierte den eigenen Ansatz so stilecht wie er - am letzten Spieltag. Einfach mal Dinge auf den Kopf stellen, wenn der so voll und schwer ist, dass ihn die anderen mittragen müssen, dann klappt's scheinbar auch mit der Null, mit der Sieben und mit versöhnlichen Fans.

Flop der Saison


Die Trainersuche beim HSV. Die Hamburger Morgenpost war so entnervt, dass sie die Ungeduld des gemeinen Hamburgers noch ungeduldiger machte. Täglich servierte das Blatt eine Art Trainer-Liveticker: »Seit 172 Tagen Trainerfrage ungeklärt!«, war etwa am 8. Mai zu lesen. Dabei wäre es doch noch schöner gewesen einen Liveticker zu Ivica Olic' Übersteigern zu starten: »173 Übersteiger in 24 Tagen«.

Überraschung der Saison


Nach dem Spiel Deutschland gegen die Schweiz antwortete Lukas Podolski auf die Frage, ob er denn nach seinen Toren »nun wieder da« sei, mit einer Gegenfrage: »Wieso, war ich weg?« Und ließ einen konsternierten Reporter und Millionen verwirrter Fernsehzuschauer zurück.

Tollstes Spiel der Saison


Meine Spiele sind nie »toll«, sie bewegen sich zwischen Standfußball und Taktikgeschiebe. Bei sämtlichen heute schon legendären Spielen der letzten Jahre saß ich entweder im Zug, hatte mich im Park verlaufen oder wählte im Premiere-Wunderland den Menüpunkt »Konferenz«. So ähnlich auch beim für-alle-anderen-tollsten-Spiel der Saison Bayern gegen Getafe: An jenem Abend entschied ich mich nicht mal für die Option »Liveticker«, sondern für die »I am a Patriot«-Serie »24«. Und so zitterte ich bei Staffel 6, Stunde 17 mit Jack Bauer, der die Welt zum hundertsiebenundfünfzigsten Mal vor dem Bösen befreite, während ein anderer Superheld (Luca Toni) den FC Getafe von der Klippe stieß, und ein dritter Superheld (Oliver Kahn) daraufhin einen Aggressiv-Leader (Mark van Bommel) vor Freude wegklatschte. Doch was nützt das Jammern, auch ich hatte meine Livespiele in dieser Saison, etwa Hannover 96 gegen VfB Stuttgart (ohne Tore, aber inklusive acht Ecken) oder Bielefeld gegen Bayern (leider nur zwei Ecken hier, aber immerhin ein Tor, 0:1). Ein besonderer Leckerbissen aus dieser Kategorie war auch Hertha BSC gegen den HSV (0:0, etwa eine Ecke, zwei Torschüsse und drei Stunden Anfahrt). Eine vierstündige Lesung von Jörg Böhme zur Theorie des Himmels wäre interessanter gewesen.

Tollstes Tor der Saison

Carsten Janckers Hackentor für den SV Mattersburg - so wie einst Rabah Madjer.

Ich hätte beinahe den Spaß am Fußball verloren, als...

...ich eines Montags voller Freude einen Link bei einem großen, nein, sehr großen Sportportal erblickte, der mir suggerierte, hinter ihm versteckten sich sämtliche TV-Bilder der Wochenendspiele. Der Mausklick endete auf einem vier mal vier Zentimeter Kasten, durch den wuselige kleine Punkte (Spieler) hinter einem noch kleineren weißen Punkt (Ball) herjagten. Darüber stand geschrieben: Das 1:0 durch Luca Toni. Bei Youtube steht in den Kommentaren unter ähnlichen Null-Videos häufig: »I hate myself for watching.«

2007/2008 habe ich den Star der Zukunft gesehen, nämlich...

...Roque Santa Cruz. Oder auch: Metamorphosis. 19 Tore in der Premier League. Was ist nur passiert? Sieht nun auch nicht mehr aus wie der kleine Junge, den die Tante fragt, ob er denn schon Fahrradfahren kann. Er sieht aus wie der Typ vom Schulhof, der sich direkt vor der Lehrerin ne Zigarette anzündet und ihr Ringe ins Gesicht bläst. Verdammt, verdammt cool!
´
Ich werde Oli Kahn vermissen, denn...

...mit Oli Kahn ist es so wie mit Helmut Kohl. Er war immer da - dachte man. Und dann... Obwohl: Über Kohl bin ich auch hinweg gekommen.

Ich werde Oli Kahn nicht vermissen, weil...


...ich mir ne goldene Dauerkarte fürs P1 besorgt habe.