11FREUNDE Meisterfeier 2016

Bester Spieler | Robert Lewandowski

1. Robert Lewandowski - 52 Punkte

2. Pierre-Emerick Aubameyang - 47 Punkte

3. Thomas Müller - 31 Punkte

Unser Kolumnist Hans Meyer ist sonst ein ziemlich nüchterner Mensch. Aber wenn es um den Stürmer des FC Bayern geht, kann er seine Begeisterung nicht mehr zügeln.

Ich würde hier gerne eine möglichst sachliche Laudatio präsentieren, mich Robert Lewandowski aus einer höchst professio- nellen Perspektive nähern und den Lesern und Leserinnen hier eine angemessen distanzierte Expertise liefern – aber bei Robert Lewandowski gerate ich, wenn ich ihn spielen sehe, doch häufig ins Schwärmen. Allein schon die Zahl von 30 Toren in einer Saison ist einfach gigantisch. Und Lewandowski hat uns ja nicht nur mit un- attraktiven Abstaubern und Kopfnickern beglückt, sondern zum Teil mit Traumtoren, an die man sich noch in Jahren erinnern wird. Seine fünf Tore am sechsten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg haben selbst mich sprachlos gemacht. Denn da war wirklich alles dabei, inklusive eines Weltklasse- Seitfallziehers. Der Einschätzung vieler Experten, Lewandowski sei ein fast kompletter Stürmer, schließe ich mich kritiklos an. Seine Schnelligkeit, physisch und psychisch, ist für jede Defensive eine große Herausforderung, für seine Mitspieler und Trainer aber eine Bank. Wie gerne hätte ich in der vergangenen Saison einmal mit Pep Guardiola getauscht für das Gefühl, auf der Bank zu sitzen und entspannt während eines Spiels zu denken: „Mein Gott, hast du ein Glück, so einen Spieler vorne drin zu haben.“ Dazu kommen noch seine körperliche Kraft, diese Wucht und Athletik, gepaart mit Eleganz. Am meisten imponiert mir allerdings, dass dieser Junge den Fußball als Spiel begreift und sein Talent dahingehend einsetzt. Lewandowski ist nicht der Typ, den man nur mit hohen Bällen füttern muss, kein klassischer Abstauber oder Konterstürmer. Er lässt sich fallen, fordert die Bälle, weiß sie zu verteilen und einen Spielzug nicht nur zu vollenden, sondern auch, ihn erst in Gang zu bekommen. Dazu, und das ist essentiell für so einen erfolgreichen Stürmer, spielt er mannschaftsdienlich und nicht für den eigenen Erfolg. Erst die Kombination aus all dem eben Genannten macht ihn zu so einem wertvollen Fußballer. Sicherlich wird es nun Kritiker geben, die sagen: Tja, beim FC Bayern München so viele Tore machen, das kann sogar meine Oma. Ich kenne zwar keine solche Oma, aber für, sagen wir, Darmstadt 98 hätte selbst Robert Lewandowski wahrscheinlich nicht 30 Tore in einer Saison geschossen. In Darmstadt spricht allerdings auch niemand gleich von einer Formkrise, wenn ein Spieler mal 455 Minuten kein Tor schießt. Will sagen:

mit dem Druck, der beim FC Bayern gerade auf einem Topstürmer lastet, muss man erst mal klar kommen. Lewandowski schafft das, auch weil er sich unter dieser Glocke des Profifußballs eine erstaunlich sympathische Normalität bewahrt hat. Dieser junge Mann ist bescheiden, konzentriert und professionell – zumindest in der Öffentlichkeit und auf dem Platz. Ich kann nicht ausschließen, dass er zu Hause vor dem Spiegel regelmäßig seine austrainierten Waden bewundert oder seinen beeindruckenden Oberkörper präsentiert, aber selbst das würde meiner Sympathie für ihn keinen Abbruch tun. Was mich besonders erfreut, ist zudem der Werdegang von Lewandowski. Er war schon 21 Jahre alt, als er beim BVB landete, wo er im ersten Jahr vorrangig als Ersatzmann für Lucas Barrios zum Einsatz kam und sich seinen Platz an der Sonne erst erkämpfen musste. Das kann hart sein, wenn man sich in einem neuen Land und einer neuen Liga an eine fremde Sprache und eine andere Mentalität gewöhnen muss. Jetzt ist er 27 und in diesen sechs Jahren zu einem der besten Stürmer der Welt aufgestiegen. Das muss man erst mal schaffen. Lieber Robert, in meinem Alter ist das zwar fast ein Ding der Unmöglichkeit, aber für dich und deine grandiose Saison mache ich eine Ausnahme und verneige mich tief: Du bist ein wahrhaftig würdiger Spieler des Jahres.