11 interessante Beobachtungen zum Finale

Beim Jubeln erfroren

Sibirische Kälte in der Coaching-Zone – und nur eine Decke weit und breit! Beim DFB-Pokalfinale gefroren Tränen und Jubelposen gleichermaßen. Wir drehten die Heizung auf drei und hielten 120 Minuten durch. Hier unsere Beobachtungen. 11 interessante Beobachtungen zum Finaleimago images
1.
Vor dem Endspiel verabredete sich ein 11FREUNDE-Mitarbeiter mit Bayern-Legende Hansi Pflügler, um mit ihm über vergangene Erfolge zu plauschen. Beim ersten Kontakt per Email kam ihm jedoch ein Wort abhanden, so dass die Begrüßungsfloskel recht ruppig klang: »Hallo, Pflügler!« Der Ex-Eisenfuß mag gegrübelt haben, wie er sich revanchieren könnte. Doch seine Überlegungen liefen ins Leere. Denn der Kollege heißt, brasilianisch anmutend, Fabian Jonas, was eine Unterscheidung zwischen Vor- und Nachnamen und deshalb auch eine kasernenhofartige Anrede unmöglich macht. Schade, Pflügler!


2.
Es war das wohl kälteste Pokalfinale der Geschichte. Bei fünf Grad Außentemperatur hatte sich Bayern-Manager Uli Hoeneß eine Wolldecke über die erfrierenden Beine gelegt. Warum niemand einen der Myriaden von Heizpilzen, unter denen die Jungväter im nur wenige Kilometer entfernten Stadtviertel Prenzlauer Berg auch bei Schneestürmen ihren Milchkaffee im Freien trinken, ins Olympiastadion herüber geschafft hatte, um den armen Mann warm zu halten, war ein ärgerliches Anzeichen mangelnder Gastfreundschaft.

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3.
Auf die Frage, warum der BVB eine Woche zuvor im Ligaspiel gegen den FC Bayern mit 0:5 untergegangen sei, bestach Kapitän Christian Wörns im Interview mit der »Süddeutschen Zeitung« durch analytische Brillanz: »Weil wir uns haben abschlachten lassen.«


4.
Die russische Raumkapsel »Sojus« verfehlte bei Ihrer Rückkehr von der internationalen Raumstation ISS am Samstag ihren geplanten Landeplatz um gut 420 Kilometer. Fast ebenso weit entfernt stand Dortmunds Verteidiger Dede von Bayern-Stürmer Luca Toni und konnte nur noch schemenhaft erkennen, wie dieser das 1:0 erzielte. Das Raumfahrtkontrollzentrum kündigte umfassende Untersuchungen an.

5.
Eben dieser Dede wurde von ZDF-Kommentator Béla Réthy konsequent »Dädä« genannt. Und so war man über die gesamte Länge der Partie – enerviert von Réthys Ehrgeiz, Eigennamen landestypisch zu intonieren – zunehmend versucht, Sprache hassen zu lernen.

6.
Réthy wusste zu vermelden, dass Thomas Dolls Zukunft als Dortmunder Trainer zutiefst unsicher sei. Doch die passende Redewendung, um diese Information zu übermitteln, war ihm entfallen. Also schickte er einen Satz in den Äther, der nicht wenige Zuschauer vom Sofa fallen ließ: »Thomas Doll ist umstritten - das pfeifen die Brieftauben von den Dächern.« Auch wir stürzten in die Tiefe – mit dem alten Berliner Sprichwort im Kopf: »Alle Eulen heulen, nur die Litfaß-Äule nicht.«

7.
Nach dem Ende der regulären Spielzeit wirkte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld beim Versuch, seine Mannschaft für die Verlängerung zu motivieren, seltsam isoliert - ganz so wie ein Oberstudiendirektor, der auf dem Abi-Ball in Mitten seiner Schüler verkrampft lächelnd Anschluss beim Foxtrott sucht.

8.
Auch nach über zwei Stunden war der rettende Heizpilz noch immer nicht geliefert worden. Wie durchgefroren Uli Hoeneß gewesen sein muss, wurde deutlich, als das 2:1 fiel: Noch bevor Co-Trainer Michael Henke mit seinem Chef Ottmar Hitzfeld abklatschen konnte, wie er es seit Jahr und Tag katapultartig tut, hatte Hoeneß ihn beiseite gedrängt und auf der Suche nach einem kleinen bisschen Wärme seine Wange an Hitzfelds gepresst. Ein rührendes Bild. Für eine Sekunde schien es sogar, als sei der Top-Manager eingeschlafen.

9.

Als die in ein Kleid von ausgesuchter Hässlichkeit gewandete Hostesse den DFB-Pokal zum Siegerpodest trug, meinte ein Fernsehzuschauer, sie schon einmal irgendwo gesehen zu haben: »Das ist doch die, die früher bei ›Alles nichts, oder?‹ immer die Torten rein gebracht hat!«

10.
Wollte Bayern-Lümmel Franck Ribéry, als der mit dem Pokal davon rannte, vielleicht gar nicht witzig sein, sondern möglichst schnell zu dieser betörenden Glitzerfrau in die Katakomben gelangen?

11.
Den Dortmundern zum Troste möchten wir ihnen einen Satz des guten alten Fernandel zurufen: »Man sollte schon deshalb kein langes Gesicht machen, weil man dann mehr zu rasieren hat.«