100 Jahre Rivalität zwischen Schweden und Dänemark

Für immer dein Feind

Dänen-Killer, Platzstürme, Boxkämpfe – zwischen Dänemark und Schweden ging es oft heiß her. Für Zündstoff sorgen diesmal schon die beiden besten Stürmer der Welt: der Lord und Zlatan.

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Das ging ja schon mal gut los. Am vergangenen Wochenende machte sich ein Reporter von der schwedischen Zeitung »Aftonbladet« nach Wolfsburg auf und fragte Passanten, ob sie wüssten, wer Nicklas Bendtner sei. Immer wieder blickte er in erstaunte Gesichter. Von dem Mann, der sich »Lord« nennt, hatten sie in der Autostadt offenbar noch nie gehört.
 
Ganz nebenbei wollte der Reporter noch wissen, ob ein gewisser Zlatan Ibrahimovic ein Begriff sei. Und natürlich, Zlatan, den kannten sie alle. Nur eine Dame im gesetzteren Alter war sich nicht ganz so sicher. Immerhin wusste sie aber: »I think he is a very important person.« Eine gute Antwort, befand der Reporter. Und sowieso: Eine gute Ausbeute. Er ließ kein Zweifel daran, dass es schon eine Woche vor dem Anpfif 1:0 für Schweden stand.

Zumindest bis Donnerstagnachmittag, denn da konterte der dänische Fernsehsender »Kanal 5« mit einem kleinen Anti-Schweden-Clip. Man sieht ein kleines Mädchen auf einem Bett sitzen, wo es eine Pipi-Langstrumpf-Puppe zerschneidet, danach fliegen Ikea-Möbel in den Müll, und am Ende werden noch Musikalben von Abba und Ace of Base verbrannt. Der Ausgleich. Zumindest aus dänischer Sicht.
 
Wenn am Samstag Schweden und Dänemark aufeinandertreffen, geht es um mehr als die EM-Qualifikation. Es geht um eine Revanche für 1992, um Rache für 2008, um eine erbitterte Rivalität, die bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückreicht. 104 Mal trafen die Mannschaften aufeinander, 45 Mal gewann Schweden, 40 Mal Dänemark.
 
Es fing an im Jahr 1913. Dänemark, Silbermedaillengewinner bei den olympischen Spielen 1912, spielte die Schweden in den ersten Jahren regelmäßig in Grund und Boden. Die erste Partie endete 8:0, ein anderes Spiel, in Stockholm, gewannen die Dänen gar 10:0. Erst 1916 war Schweden erstmals siegreich.

Sie nannten ihn fortan Dänen-Killer
 
Danach begann die Ära der Schweden. Gefeierter Held in den Vorkriegsjahren war Bertil Ericsson, der für AIK Solna und Sandvikens IF aktiv war. 1934 sicherte er den Schweden mit seinen vier Toren gegen Estland und Dänemark die Qualifikation für die WM 1934 brachte. Auch im nächsten Freundschaftsspiel, das Schweden 5:3 gewann, traf Ericsson viermal. Sie nannten ihn fortan »Danskdödaren«, Dänen-Killer.
 
In den folgenden Jahrzehnten war Schweden zumindest bei den großen Turnieren die erfolgreichere Mannschaft, 1938 wurde die Mannschaft Vierter, 1950 Dritter und 1958 Vize-Weltmeister. Dänemark feierte erst 1986 seine Premiere bei einem großen Turnier, der WM in Mexiko.
 
Dann kam das Jahr 1992. Schweden hatte bis dato noch nie an einer EM teilgenommen, nun waren die Tre Kronor aber als Ausrichter direkt qualifiziert. In der Vorrunde kam es tatsächlich zum Duell gegen die dänische Elf, die sich wenige Tage zuvor noch im Urlaub befunden hatte und kurzfristig für Jugoslawien nachgerückt war. Tomas Brolins Tor sicherte den Schweden ein 1:0, was gleichzeitig die einzige Niederlage der Dänen in diesem Turnier bedeutete.
 
Denn danach begann das Märchen des Big-Mac-Europameisters. Während Schweden im Halbfinale an Deutschland scheiterte, spazierten die Dänen, die sich angeblich von Burgern und Pommes ernährten, ins Finale und gewannen dort 2:0 gegen die DFB-Elf.

»Ich habe mich gefühlt, als sei ich vor Gericht«
 
2004 trafen die Teams wieder in einem EM-Spiel aufeinander. Am letzten Spieltag reichte beiden Teams ein hohes Unentschieden zum Weiterkommen – und, oh Wunder, das Spiel endete 2:2. Blöd aus der Wäsche schauten dafür die punktgleichen Italiener, die nur Dritter der Gruppe C wurden. Die Spieler der Squadra Azzurra tobten, aber Thomas Helveg, der damalige Verteidiger Dänemarks, schwor Mark und Bein: »Es ging alles mit rechten Dingen zu. Wir wollten Schweden rausschmeißen, wir wollten sie zerstören, da es eine 100 Jahre alte Rivalität zwischen den Teams gibt.«
 
Als er nach Italien zurückkehrte – Helveg spielte damals für Inter Mailand –, wurde er bei jedem Spiel von den Fans aus dem Stadion gepfiffen, selbst die eigenen Anhänger verhöhnten ihn. »Ich habe mich gefühlt, als sei ich vor Gericht«, sagte Helveg später.