10 Gründe für und gegen einen deutschen Sieg

Was für Italien spricht

1. Catenaccio
Die zäheste Versuchung, seit es Abwehrriegel gibt: Etwas rostig, aber immer noch absolut einbruchssicher bildet die BBC-Kette aus Barzagli, Bonucci und Chiellini eine Defensive, die Gomez, Müller und Co. schon allein durch böse Blicke abkochen wird.

2. Contes Seitenlinienshow
Wenn Antonio Conte in Wallung gerät, ist er kaum in seiner Coaching-Zone zu halten. Auch gegen Deutschland wird er wieder wild gestikulierend versuchen, seine Mannschaft zum Sieg zu wedeln. Und mal ehrlich, ein Trainer, der aussieht, als würde er mit links sein Team coachen und mit rechts ein Orchester dirigieren, muss bitte ins Finale kommen.

3. Weil das Trauma sehr wohl existiert
Jerome Boateng behauptete auf einer DFB-Pressekonferenz zwar felsenfest, dass er kein Italien-Trauma habe und dass das alles ohnehin nur Gerede sei, doch das Trauma ist real. Hier liegt ein klarer Fall von Verdrängung vor und spätestens, wenn in der 94. Minute irgendein Nachfahre Filippo Inzaghis ihm den Ball mit der Pike durch die Beine spielt, wird es Boateng eiskalt über den Rücken laufen.

4. Die Siegesgöttin
Die Siegesgöttin Victoria gehört den Italienern. Zumindest, wenn man der ersten Strophe der Nationalhymne glauben schenken darf. Eine »Sklavin Roms« sei sie und nur aus dem einfachen Grunde erschaffen worden, Italien ihr Haupt zuzuneigen. Kein schöner Job, aber solange die Italiener so inbrünstig weitersingen, erledigt sie ihn halt.

5. Die Statistik
Deutschland hat Italien bei einem großen Turnier noch nicht geschlagen. Daran gibt es nichts zu rütteln. Dieser Satz hat sich in Geschichtsbücher und ins kollektive Gedächtnis eingebrannt, weil er so schnörkellos und wahr ist. Nicht auszudenken welche Folgen es hätte, müsste dieser Satz umgeschrieben werden.

6. Die Verschwörung
Die legendäre Nuss-Nugat-Creme, die die deutschen Nationalspieler über Jahre hinweg mit wichtigen Nährstoffen gestärkt hat, ist das Produkt eines, richtig, italienischen Konzerns. Ein Zufall, dass die deutsche Mannschaft gegen Italien müde, ideen- und kraftlos wirkt? Wir können und wollen das nicht glauben.

7. Der Schnurrbart-Quotient
Was in Zeiten des Packings und sonstigem Datenanalyse-Kokolores oft untergeht, ist der gute, alte Schnurrbart-Quotient. Der Legende zufolge hat nämlich noch nie eine Mannschaft irgendetwas gewonnen, ohne wenigstens einen Schnurrbartträger im Team zu haben. Italien verfügt mit Allessandro Florenzi und Stefano Sturaro über immerhin zwei Schnurrbartträger, Deutschland über keinen. Sollten also nicht noch Jürgen Kohler und Uwe Bein nachnominiert werden, könnte es eng werden.

8. Der brasilianische Einschlag
Man glaubt es nicht, wenn man Chiellini und Konsorten bei ihrer knotigen Fußballarbeit zusieht, aber im Kader der Italiener stehen mit Thiago Motta und Eder gleich zwei gebürtige Brasilianer. Mit elf Brasilianern auflaufen ist natürlich schwierig, ab und an verliert man dann mit 1:7. Aber ein bisschen Joga Bonito kann nicht schaden.

9. Gianluigi Buffon
Gianluigi Buffon ist nicht nur ein herauragender Keeper, er hat auch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Fast. Zum einen fehlt ihm die Champions League, wobei wir ihm freilich nicht helfen können. Zum anderen fehlt ihm, richtig, die Europameisterschaft. Die fehlt natürlich auch sämtlichen deutschen Aktiven, allerdings haben die meisten von ihnen noch Zeit, eine, zwei oder drei weitere EMs zu spielen. Buffon ist 38, da wird es langsam Zeit.

10. Mutti fehlt
Schock für die deutsche Nationalmannschaft: Angela Merkel, Kanzlerin und Fußball-Glücksbringerin in Personalunion, hat für das Spiel leider abgesagt. In Zeiten des Brexit sei der Terminkalender zu voll, hieß es in der Presse. Mit einer Prioritätensetzung kann man vielleicht Europa retten, Europameister wird man so aber nicht.