10 Fragen an die 2. Liga

Zankäpfel, Sehnsuchtsorte, Topspiele und Lieblingstrainer

Wer ist der Zankapfel?
RB Leipzig. Warum? Besser als »Tagesspiegel«-Kollege Stefan Hermanns kann man es nicht ausdrücken: »Der Verein ist nicht aus Liebe zum Sport, aus Barmherzigkeit für die nach professionellem Fußball dürstende Stadt Leipzig gegründet worden – er dient allein als Marketinginstrument für das Produkt Red Bull. Nie ist ein Fußballklub in Deutschland derart unverfroren zu Werbezwecken missbraucht worden wie RB Leipzig. Red Bull hat die Lücken im System gesucht, gefunden und schamlos ausgenutzt. Der Klub nutzt Möglichkeiten, die seine Konkurrenten gar nicht haben können und verschafft sich auf diese Weise einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.«

Welches Stadion darf man nicht verpassen?
Mit dem Aufstieg von Darmstadt 98 bekommt die Liga eine neue Spielstätte dazu: Das Stadion am Böllenfalltor. Schon von weitem erheben sich die vier großen Flutlichtmasten in den Darmstädter Himmel. Betritt man nach längerem Fußmarsch durch ein Waldgebiet den Gästeblock, fühlt man sich in eine andere Zeit zurückversetzt. Weite Stehplatzränge, nur die Haupttribüne ist überdacht, Bier und Wurst werden aus kleinen Hütten verkauft. Im Sommer hat die Stadt das 1921 eröffnete Stadion für 2,2 Millionen aufhübschen lassen. Darunter fielen vor allem der Einbau einer Rasenheizung, der Austausch der Rasenfläche, die Überdachung der Rollstuhlfahrerplätze und der Austausch der Dixi-Klos im Gästebereich gegen fest installierte Toilettenanlagen. Auch die Stimmung am Böllenfalltor kann sich hören lassen. Zwar geht im Gästeblock wegen des fehlenden Daches ein bisschen Dampf verloren, Charme hat das Stadion trotzdem. Spätestens im Herbst 2015 soll das alte Böllenfalltor einer modernen Arena weichen. Deshalb umso drängender: Der Stadionbesuch in Darmstadt ist ein Muss der kommenden Zweitligasaison.

Für welche Spiele sollte man sich freinehmen?
Ligaübergreifend sollte man diese drei Partien aber keinesfalls verpassen: Da ist an erster Stelle natürlich das Frankenderby. 11,3 Kilometer liegen die Stadien vom 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth auseinander. 1900 bzw. 1903 gegründet, entwickelte die beiden Klubs schnell eine besondere Rivalität. Eine der bekanntesten Anekdoten: Zu einem Länderspiel 1924 gegen die Niederlande waren in der deutschen Nationalmannschaft ausschließlich Nürnberger und Fürther Spieler nominiert. Obwohl Deutschland gewann, verbrachten die Nationalspieler die Rückfahrt in nach Vereinen getrennten Zugabteilen. Nürnberg dürfte diese Saison extrem motiviert sein: Von den vergangenen vier Duellen verlor der Club zwei, dazu gab es zwei Remis.

Als weiteres Spiel mit einer Menge Zündstoff wollen wir euch den Klassenkampf zwischen dem FC St. Pauli und RB Leipzig ans Herz legen. Kiez-Klub trifft auf Millionen-Konzern. Das könnte lustig werden.

Übrigens: Zum Start der Zweitligasaison darf sich der Fan auf einen Klassiker freuen. Am Freitagabend empfängt Fortuna Düsseldorf den Absteiger aus Braunschweig. Zwei Vereine mit einer Menge Identifikation, zahlreichen Fans und ganz passablen Mannschaften. Vor ziemlich genau zehn Jahren (6. August 2004) trafen beide Vereine noch in der Regionalliga Nord aufeinander. Endstand damals: 3:1 für Fortuna. Zuschauer: 6.800. Am Freitag dürften ein paar mehr zuschauen.

Mit welcher Trainertype kann man gut ein Bier trinken?
Ganz klar Frank Schmidt. Der Heidenheimer überzeugte schon in Aljoschas Pauses Doku »Trainer« als unnachgiebiger Antreiber und vom Ehrgeiz zerfressener Charakterkopf. Beim Mau-Mau-Spiel, so die Legende, brach seine Tochter in Tränen aus, weil sie Runde um Runde verlor. Papa Schmidt lässt eben niemanden aus Mitleid gewinnen »Wenn ich spiel, dann gibt's nichts zu verschenken!« So viel Vaterliebe muss belohnt werden. Das erste Bier geht auf uns!