10 Dinge über Stuttgart gegen Bayern

»Sowas sagt man einfach nicht«

6. Nervenstärke.
Ein Weiterer, der vom VfB zu den Bayern ging, wurde ganz ohne eigenes Zutun unbeliebt. Sven Ulreich stand 17 Jahre lang für Stuttgart im Tor, bevor er 2015 den Platz hinter Manuel Neuer in München annahm. Als er dann letztes Jahr wegen Neuers Ausfall tatsächlich für den FCB in Stuttgart auflief, pfiffen die Fans in der Cannstatter Kurve, als er den Rasen betrat und hörten auch während der folgenden 90 Minuten nicht auf. Ulreich reagierte auf seine Weise, hielt in der Nachspielzeit einen Elfmeter und sicherte den 1:0-Sieg. Heute wird er vielleicht dennoch froh sein, dass Neuer wieder fit ist.

7. Kannibalismus.
Schlechte Erinnerungen an Stuttgart hat auch Andreas Herzog, dabei hat der nie für die Schwaben gespielt. Als er sie aber mit dem FCB am 28. Spieltag der Saison 1995/1996 zu Gast hat, macht er unangenehme Bekanntschaft mit seinem eigenen Torhüter. Nach einem Fehlpass im Mittefeld macht Kahn Herzog handgreiflich deutlich, was er von seiner Leistung hällt, und schubst ihn aus seinem Strafraum. Einer von vielen »Titan«-Ausrastern, aber der einzige, der einen Mitspieler traf.

8. Friedenspfeife.

Stuttgarts Stürmer Karl Allgöwer bekam zwar den Spitznamen »Knallgöwer«, war abseits des Platzes aber ein friedliebender Mensch und engagierte sich in den achtziger Jahren gegen atomare Aufrüstung. Am 22. Oktober 1983 spielte er mit Stuttgart im Neckarstadion gegen den FC Bayern und gewann 1:0. Nach dem Spiel sagte er, dass, hätte sie nicht gleichzeitig mit dem Spiel stattgefunden, er definitiv an einer mehr als 200.000 Menschen starken Demonstration gegen die Stationierung US-amerikanischer Raketenabwehrsysteme in Mutlangen bei Stuttgart teilgenommen hätte. Der damalige VfB- und spätere DFB-Präsident Gerhard Mayer-Vorfelder war nicht begeistert, verbot zwei Jahre später und nach einer Unterschriftensammlung in der VfB-Kabine jegliches politische Engagement im Vereinskontext. 1992 dann die unausgesprochene Kehrtwende: Vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg machten VfB-Spieler wie Matthias Sammer oder Eike Immel Wahlkampf für die CDU, die regierte und auch den Finanzminister stellte. Sein Name: Gerhard Mayer-Vorfelder.

9. Wiedersehen.

Die meisten Tore in Spielen Stuttgart gegen Bayern gehen auf das Konto von Mario Gomez. Insgesamt sind es 16, davon fünf vor und elf nach seinem Wechsel vom Neckar an die Isar. Macht ihn trotzdem nur zum jeweils zweitbesten Torschützen im Südduell. Auf Seiten der Bayern liegt Gerd Müller mit 15 Toren vor ihm, in Stuttgart Fritz Walter (der jüngere) mit zehn. Zumindest für den VfB kann Gomez heute seine Statistik nachbessern. Aus den aktuellen Kadern spielten neben Gomez und Ulreich auch Joshua Kimmich, Serge Gnabry, und Holger Badstuber für beide Seiten. Man kennt sich also.

10. Partylaune.

2013 gab es das Duell im DFB-Pokalfinale. Zum Zeitpunkt des Endspiels am 1. Juni war der FC Bayern schon deutscher Meister und hatte eine Woche zuvor die Champions League gewonnen. Das ließ die Münchner Hybris zu ungekannten Dimensionen anschwellen. Karl-Heinz Rummenigge kündigte an, dass sein FC Bayern auch mit 1,8 Promille das Finale gewinnen werde. Klare Kante nennt man das wohl. Oder abstoßende Arroganz. Fand auch Ex-Bayer Sepp Maier, der damals befand: »Das ist totaler Blödsinn, was der da erzählt. Wie er das gesagt hat, hat er wahrscheinlich selber 2,5 Promille im Blut gehabt.« Im Endeffekt behielt Rummenigge irgendwie dennoch recht, Bayern gewann in Berlin mit 3:2. Allerdings nüchtern. Vollkommen richtig lag im Gegensatz dazu Meier mit der Aussage: »Sowas sagt man einfach nicht.«