10 Dinge über Peru

Schlagstöcke und Schiebung

Heute Abend spielt die DFB-Elf gegen Peru. Den deutschen Peruaner Claudio Pizarro kennt natürlich jeder. Aber Teofilo Cubillas? Was am 24. Mai 1964 passierte? Und wie viel Tonnen Getreide Argentinien der WM-Sieg 1978 wert war? Erfahrt ihr hier.

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1. Pokalfieber.
In Peru steigt der womöglich spannendste Pokalwettbewerb der Welt. Zumindest waren die stakes vermutlich selten irgendwo higher, wie Oliver Bierhoff es wahrscheinlich ausdrücken würde. Alle Amateurmannschaften des Landes, bis zu 25.000 Teams, spielen in mehreren Runden vom Distrikt bis zum nationalen Finale die »Copa Peru« aus. Und der Gewinner steigt in die Primera Division, die erste Liga auf.

2. Klassenkampf.

Das wichtigste Spiel in der Primera Division steigt zwischen Alianza und Universitario de Desportes aus Lima. Alianza, das älteste Team der Liga, ist traditionell den Armenvierteln verbunden, mit Universitario, dem peruanischen Rekordmeister, hält es das Bildungsbürgertum. Der »Clasico Peruano« geht zurück bis ins Jahr 1928, als sich beide Teams zum ersten Mal gegenüberstanden. Universitario ging als Underdog in Führung. Nach 81 Minuten und einem Faustkampf auf dem Platz musste der Schiedsrichter das Spiel abbrechen, weil fünf Alianza-Spieler die rote Karte gesehen hatten. Die Auseinandersetzung setzte sich unter den Fans auf den Rängen fort und wegen der am häufigsten eingesetzten Waffe ging die Partie als »Clasico de los Bastonazos« in die Geschichte ein, das »Derby der Schlagstöcke.« 

3. Katastrophe (I).

Am 8. Dezember 1987 war Alianza nur ein Spiel von der 18. Meisterschaft der Vereinsgeschichte entfernt. Doch nach einem 2:0 in Pucallpa im Amazonasgebiet stürzte die Fokker F27 der peruanischen Marine, mit der das Team zurück in die Heimat reiste, nur wenige Kilometer vor dem Flughafen in den Pazifik. Einzig der Pilot überlebte. Alianza spielte die Meisterschaft mit Jugendspielern und einigen Leihgaben des chilenischen Klubs Colo-Colo zu Ende, musste den Titel aber Universitario überlassen und konnte bis 1997 nicht mehr die Liga gewinnen. Mit Colo-Colo verbindet den Verein seitdem eine innige Freundschaft.

4. Katastrophe (II).

Die mit Abstand größte Katastrophe der Fußballgeschichte ereignete sich bei einem Länderspiel Perus gegen Argentinien. Am 24. Mai 1964 starben nach offiziellen Angaben 328 Menschen bei einer Massenpanik im Estadio Nacional in Lima während des Qualifikationsspiels für die Olympischen Spiele 1964 in Tokio, weitere 500 wurden verletzt. Als Perus Ausgleich nicht anerkannt wurde, stürmten die Heimfans den Platz, die Polizei feuerte Tränengas auf die Tribünen und drängte die Zuschauer so die Treppen hinunter Richtung der mit Stahltoren verschlossenen Ausgänge. Alle Opfer starben auf den Treppen und an den Toren, die Menschen im Innenraum überlebten. Tatsächlich könnte die Zahl der Toten noch deutlich höher gelegen haben. Doch auch so ist sie schon höher als die von Hillsborough, Bradford, Heysel, Ibrox und Burnden Park zusammen.

5. Schiebung.

Die Weltmeisterschaft 1978 durfte die argentinische Militärdiktatur ausrichten. Peru traf im letzten Spiel der Zwischenrunde auf den Gastgeber. Argentinien musste mit vier Toren Differenz gewinnen, um Brasilien abzufangen und selbst ins Finale einzuziehen. Am Ende stand ein 6:0, das mit Glück aber wenig zu tun hatte. Gerüchte über argentinisches Doping halten sich nach wie vor hartnäckig, peruanische Nationalspieler bestätigten später, dass Druck ausgeübt wurde. 2012 bestätigte ein peruanischer Politiker die Manipulation, die von den Staatschefs höchstpersönlich ausgehandelt wurde. 13 peruanische politische Gefangene wurden freigelassen, 50 Millionen Schulden gestrichen und 35.000 Tonnen Getreide geliefert, im Austausch für feinstes Propagandamaterial für die argentinische Militärjunta. Zur Sicherheit bekamen drei Nationalspieler noch 20.000 Dollar. Einer von ihnen, Rudolfo Manso, bekam oben drauf noch einen netten Spitznamen von den peruanischen Fans: »El Vendido«, der Verkaufte.