10 Dinge über Gladbach – Bayern

Die wilden Siebziger

Topspiel Mönchengladbach gegen München: Das erinnert an längst vergangene Zeiten. Warum bis vor 60 Jahren Verwechslungsgefahr bestand, wie Uli Hoeneß mit 3,5 Promille spielte und was Kalle Del Haye mit Akustikgitarren zu tun hat.

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1.

Zuerst mal die Fakten. 108 Mal trafen beide aufeinander, 54 Spiele gewann Bayern, 24 Mönchengladbach und 30 endeten unentschieden. Alle sechs Pokalduelle gewann allerdings der FCB. Toptorschütze gegen den heutigen Gegner sind Gerd Müller mit 14 Toren für München und Jupp Heynckes mit neun für die Borussia. Überhaupt hat Bayern gegen keinen anderen Bundesligisten so viele Gegentore kassiert wie gegen die Fohlen: 127.

2.

Beide Rekordtorschützen stammen aus der Zeit, in denen die beiden Vereine die Liga dominierten. 1965 waren sie gemeinsam aufgestiegen, 1969 wurde Bayern zum ersten Mal Meister. In den folgenden acht Jahren teilte man sich den deutschen Fußballthron: Gladbach holte die Meisterschaft fünf, Bayern noch weitere drei Mal. Während der Meistertitel 1977 für Gladbach der bislang letzte war, gewann Bayern seitdem 23 weitere Male die Bundesliga.  

3.

1974 kassierte Bayern die höchste Niederlage gegen Mönchengladbach. Am Tag zuvor hatte der FCB zum ersten Mal den Europapokal der Landesmeister im Wiederholungsspiel gegen Atletico Madrid gewonnen – und die anschließende Nacht mit einer angemessenen Party verbracht. Das 0:5 war auch in der Höhe verdient. Bayern-Trainer Udo Lattek: »Wir haben auf der Trainerbank bei jedem Tor nur noch gelacht.« Mönchengladbachs Rainer Bonhof wusste zu berichten: »Ich habe gegen Uli Hoeneß gespielt. Er hatte schätzungsweise noch 3,5 Promille.« Bundeliga ist eben doch nur bessere Kreisklasse.

4.

Ebenjener Uli Hoeneß rettete 1992 die Borussia vor dem Bankrott. Mönchengladbach konnte zwei Ablöseraten nicht zahlen, 700.000 Mark hätten den Klub fast in die Insolvenz getrieben. Zwei Jahre zuvor war Stefan Effenberg vom Bökelberg nach München gewechselt. Im Vertrag war die Beteiligung an einem möglichen Weiterverkauf festgelegt. 900.000 Mark standen der Borussia nach Effes Wechsel zum AC Florenz zu, die Auszahlung war aber erst später vorgesehen. Zu spät. Also flog der damalige Vize-Präsident Hans-Peter Moll nach München, erklärte Hoeneß die Situation. Der zahlte vorzeitig und die Insolvenz war abgewendet. Hoeneß ist eben nicht nur »großer Demokrat«, sondern auch Wohltäter.

5.

Vielleicht lag es aber auch an der ungewöhnlichen Verbindung der 500 Kilometer voneinander entfernten Städte. Erst 1960 erhielt Mönchengladbach auch offiziell seinen Namen, der Verwechslungsgefahr wegen. Bis dahin war die förmliche Schreibweise M.Gladbach gewesen – als Abkürzung für München Gladbach, wie die Stadt seit 1888 geheißen hatte. Den bekam sie damals übrigens zur besseren Abgrenzung von Bergisch Gladbach. Etwas zu kurz gedacht, möchte man sagen.