10 Dinge über Fanfreundschaften

Das muss Liebe sein

Fanfreundschaften sind auch nur bessere Ehen. Sie erfordern viel Arbeit, können wunderschön sein und gehen dann doch zu Bruch. Dafür gibt es mehr Bier. Zehn Geschichten über ewige Treue, vergebene Liebesmüh und die Grenzen des guten Geschmacks. 

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1.

Nach über vier Jahren Pause manifestiert sich die wohl innigste Fanfreundschaft Deutschlands heute mal wieder im Stadion. Wenn Schalke am Samstag den 1. FC Nürnberg empfängt, werden sich Blau-Weiße und Schwarz-Rote an den Gelsenkirchener Fantreffs und Trinkhallen in friedlicher Einigkeit Mut für das Kellerduell antrinken. Die Ultras Gelsenkirchen laden gar zur »gemeinsamen Spieleinstimmung mit unseren Freunden« ein. Am vorletzten Spieltag 2017/18, als Schalke in Augsburg antrat, tauchten die Auswärtsfans den Gästeblock in Schwarz-Rot und präsentierten ein Banner mit der Aufschrift »Der FCN steigt wieder auf!«. Vielleicht gibt es auch heute mal wieder ein Freundschaftschoreo mit Spruchbändern wie zuletzt »Freunde für ein Leben – Schalke und der FCN wird’s für alle Zeiten geben!« auf Schalke oder »Schalke und Nürnberg, das passt einfach zusammen« in Franken. Na dann.

2.

Aber wie in jeder Beziehung gibt es auch bei Fanfreundschaften Höhen und Tiefen. Den Tiefpunkt erreichten Schalke und Nürnberg 2007 im Ligapokal. Aus dem Nürnberger Block schallte es plötzlich: »Ihr werdet nie deutscher Meister!« Damit hatte kein Schalker gerechnet. Die Antwort ließ dennoch nicht lange auf sich warten und kam in Form eines inbrünstigen »Ihr seid Scheiße wie der BVB!« Bäm, die eigentlichen Freunde mit dem Erzfeind gleichgesetzt. Dass man sich heute dennoch wieder innig zugetan ist, macht sogar für Lothar Matthäus‘ Ehe Hoffnung.

3.

Wie die Freundschaft zwischen den beiden Szenen entstanden ist, kann keiner mehr so ganz nachvollziehen. Ein Ruhrpott-Romeo und eine Franken-Julia, Schalker-Kutten mit Nürnberg-Aufnäher in einem Stern-Artikel, oder einfach nur eine zufällig verpasste Keilerei zwischen Gelsenszene und Red Devils in den 80er Jahren. Überhaupt lassen sich viele Fanfreundschaften in dieses Jahrzehnt zurückverfolgen. Ausversehen haute man sich nicht auf die Schnauze – und schwor sich anschließend bei eins bis zehn Pils ewige Treue. Es waren einfachere Zeiten.

4.

Auch gemeinsame Feinde können Freundschaften entstehen lassen. Zum Beispiel im Fall von Leverkusen und Offenbach. Nachdem in der Saison 1979/80 der Leverkusener Jürgen Gelsdorf seinen Frankfurter Gegenspieler Bum-Kun Cha brutal vom Platz grätschte, formierte sich am Main gar ein »Mordkommando Bum-Kun Cha«. Die Leverkusener waren vor dem Rückspiel in Frankfurt gewarnt – und die Kickers-Fans boten ihre Unterstützung an. Der Beginn einer langen Freundschaft. Nicht nur unter den Fans. Als Cha drei Jahre später nach Leverkusen wechselte, wurden auch er und Gelsdorf beste Freunde, sagte Reiner Calmund der Sportschau. Und sind es noch heute.

5.

Besonders umtriebig in Sachen Fanfreundschaften waren die Anhänger des BVB in den 90ern. Zu Lazio Rom, VfB Leipzig, Hertha BSC und Union Berlin – um nur einige zu nennen – bestanden mehr oder weniger gut gepflegte Beziehungen. Heute ist davon nicht viel geblieben. Spätestens, als nach dem doppelten Pott-Triumph von Dortmund und Schalke im Europapokal 1997 blau-weiß-schwarz-gelbe Schals kursierten, musste sich aber auch etwas ändern.