10 Dinge über die Relegation

»Das ist mein traurigster Tag«

5.
Der meckernde Held
Das Hinspiel der Relegation 1989/90 hatte der VfL Bochum beim FC Saarbrücken durch ein Tor von Thorsten Legat 1:0 gewonnen. Eigentlich ein Grund zur Freude, nicht jedoch für Bochums Andreas Wessels. Der Torwart meckerte unmittelbar vor dem Rückspiel: »Alles ist schlecht: Die Stimmung, das Wetter, der Platz!« Gerade einmal 20.000 Zuschauer verirrten sich ins Ruhrstadion, es schüttete aus Eimern. »Das war so ein miserabler Tag«, bilanzierte Wessels später. Dass Saarbrücken durch den jungen Anthony Yeboah auch noch in Führung ging, dürfte seine Laune nicht verbessert haben. Anschließend zeigte Wessels aber das Spiel seines Lebens. Immer wieder tauchten die FCS-Stürmer vor dem Tor der Bochumer auf, der Schlussmann entschärfte Großchance um Großchance. Weil Bochum kurz vor Schluss ausglich und die Klasse hielt, wurde Wessels von seinen Mitspielern nach dem Abpfiff gefeiert. Er gab das Lob aber lapidar weiter: »Thorsten Legats fußballerische Fähigkeiten waren grandios.«

6.
Schlappners Relegations-Fluch
»Übung macht den Meister«, heißt es in Pädagogen-Kreisen gern. Klaus Schlappner kann das nicht bestätigen. Jedenfalls nicht, wenn es um die Relegation für die Bundesliga geht. Drei Mal hintereinander musste der Trainer in der ungeliebten Zusatzrunde antreten: 1988 mit dem SV Darmstadt 98, 1989 und 1990 mit dem 1. FC Saarbrücken. Geklappt hat es in allen drei Spielen nicht. Schlappner wurde deshalb später von einem Fernsehmoderator als »Fußball-Sisyphos« bezeichnet. Diesen Vergleich ließ der Trainer jedoch nicht gelten und konterte gegenüber der »SZ«: »1988 mit Darmstadt, 1989 und 1900 mit Saarbrücken die Relegation erreicht – das war mit diesen Mannschaften schon sensationell.«

7.
Gefeierte Absteiger
10.000 St.Pauli-Fans feierten 1991 im Gelsenkirchener Parkstadion eine Riesenparty. Eigentlich nicht weiter erwähnenswert, wäre ihr Verein nicht kurz vorher in der Relegation sensationell gescheitert. Erstligist St.Pauli und die Stuttgarter Kickers hatten sich in Hin- und Rückspiel je 1:1 getrennt. Im Entscheidungsspiel auf Schalke sollte der Favorit aus Hamburg nun endlich den Klassenerhalt eintüten, verlor aber überraschend 1:3. Für die St.Pauli-Spieler der Super-GAU. Sie lagen sich nach Abpfiff in den Armen und heulten um die Wette. Als ein Reporter Keeper Volker Ippig um ein Interview bat, antwortete dieser schluchzend: »Jetzt nicht – ich kann einfach nicht.« Dirk Zander gab weinend zu Protokoll: »Das ist mein traurigster Tag.« Als die Spieler mit schlechtem Gewissen vor den Fanblock zogen, trauten sie ihren Augen und Ohren nicht. Die 10.000 mitgereisten Fans, die im Spiel noch ihren Unmut geäußert hatten, jubelten den Kickern zu und schmetterten: »Nur ein Jahr zweite Liga, ein Jahr, ein Jahr.«