10 Dinge über 50+1

50+1 bleibt!

Hannover hat gewählt. Die Mitgliederversammlung verpasste Martin Kind eine krachende Niederlage, der Sieger heißt e.V. und die Nachricht an Fußballdeutschland lautet: 50+1 bleibt! 

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1.

Wofür 50+1 steht, weiß im deutschsprachigen Fußballraum wohl ungefähr jeder, außer Dietrich Mateschitz. Aber woher kommt der Name? Die einfache Antwort: aus der Satzung des Deutschen Fußballbunds. In § 16c Abs. 3 steht geschrieben: »Eine Kapitalgesellschaft kann nur eine Lizenz für die Lizenzligen und damit die Mitgliedschaft in der DFL Deutsche Fußball Liga erwerben, wenn ein Verein mehrheitlich an ihr beteiligt ist, der über eine eigene Fußballabteilung verfügt […]Der Mutterverein ist an der Gesellschaft mehrheitlich beteiligt […], wenn er über 50% der Stimmenanteile zuzüglich mindestens eines weiteren Stimmenanteils in der Versammlung der Anteilseigner verfügt.« Hätten wir das schon mal geklärt.

2.

Eingeführt wurde die Regel 1998, als sich der Spielbetrieb der Lizenzligen für Kapitalgesellschaften öffnete. Damals diskutierten verschiedene DFB-Funktionäre, wie das System ausgestaltet werden könnte. »Lassen Sie mich in Ruhe, Fußballvereine sind keine Kapitalgesellschaften«, sagte der damalige DFB-Präsident Egidius Braun laut Wolfgang Holzhäuser. Die Reaktion von Vorstandsmitglied Wilfried Straub: »Dann machen wir eben 50 plus eine Stimme für den Verein.« Eine ganz offensichtlich folgenschwere Entscheidung.

3. 

Heißt auch, die 50+1-Regel gilt für ausgegliederte Fußballabteilungen oder Profimannschaften – logischerweise, schließlich hat ein Verein naturgemäß 100 Prozent der Anteile an einer internen Fußballsparte. Die sind in den Profiligen aber in der Minderheit. 26 von 56 Profimannschaften der Ligen eins bis drei sind noch nicht ausgegliedert, in der Bundesliga sogar lediglich fünf: Fortuna Düsseldorf, Schalke 04, SC Freiburg, Mainz 05 und der 1. FC Nürnberg.

4.

Worin der Sinn von Ausnahmen liegt, ist landläufig bestens bekannt: Sie bestätigen die Regel. Deshalb muss es sie auch bei 50+1 geben, dachte sich wahrscheinlich die DFL, in deren Satzung (§ 8 Abs. 3) es heißt: »Über Ausnahmen vom Erfordernis einer mehrheitlichen Beteiligung des Muttervereins nur in Fällen, in denen ein anderer Rechtsträger seit mehr als 20 Jahren den Fußballsport des Muttervereins ununterbrochen und erheblich gefördert hat, entscheidet der Vorstand des Ligaverbandes.« Diese sogenannte »Lex Leverkusen« galt ursprünglich für – ach was – Bayer 04 und den VfL Wolfsburg. Später wurde sie auf die TSG 1899 Hoffenheim und ihren wohltätigen Spendieronkel Dietmar Hopp angewandt. Aber nur, nachdem der Stichtag 1. Januar 1999 auf Antrag von Martin Kind gestrichen wurde. Danke für nichts. 

5.

50 Prozent an einer einzelnen Profimannschaft darf also niemand außer des jeweiligen Muttervereins halten, das ist im Sinne des fairen Wettbewerbs. Schön und gut. Bringt aber auch nichts, wenn der gleiche Investor einfach bei verschiedenen Vereinen einsteigt. 2015 ging die DFL endlich gegen das sogenannte »Cross-Ownership« vor: Maximal drei Klubs, bei zweien höchstens 10 Prozent. Fair? So ein bisschen. Denn natürlich, natürlich, bestätigt auch hier die Ausnahme die Regel. Und diesmal heißt sie »Lex Volkswagen«. 100 Prozent in Wolfsburg, 20 in Ingolstadt durch Audi und obendrauf noch ein bisschen Bayern. Da kann man ordentlich Sponsoren zuschustern (alternativ: nötigen), Transfers erleichtern oder sonst zwielichtige Praktiken durchziehen. Aber hey, ist doch nur VW – der Hauptsponsor von Nationalmannschaft und DFB-Pokal.