1. FC Kaiserslautern auf der Suche nach seiner Philosophie

Das Prinzip Hoffnung

Der 1. FC Kaiserslautern hat seinen Trainer Michael Frontzeck entlassen. Der nächste Tiefpunkt eines Traditionsvereins. Wie konnte es dazu kommen?

imago

Wie sähe das Anforderungsprofil eines neuen Trainer beim 1. FC Kaiserslautern eigentlich aus? »Man sollte die Fußball-Philosophie des FCK auf dem Platz erkennen“, umschrieb Patrick Banf, der neue starke Mann am Betzenberg. Banf wurde vor einem Jahr zum Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt und moderiert aktuell den nächsten Trainerwechsel in Kaiserslautern.

Aber wie sieht die gesuchte Fußball-Philosophie des FCK eigentlich aus? Darauf hat Banf keine Antwort mitgeliefert.

Sehnsucht nach dem Betze-Fußball

Die bittere Wahrheit ist: Am Betze wird schon seit Jahren nicht mehr für eine eigenständige Philosophie gearbeitet, sondern nur noch für den Moment. Wohl jeder eingefleischte FCK-Fan würde »Kampfgeist« und »Druck entwickeln« als Eigenschaften des früher mal berüchtigten »Betze-Fußballs« nennen. Aber alle verpflichteten Trainer der letzten Jahre verkörperten nicht diese Art von Fußball, sondern etwas anderes, irgendwo zwischen Laptop und den Achtzigern, meist mit eher defensiver, teils ängstlicher Grundhaltung. Keine Betze-Power eben, nach der sich die Fans so sehnen.


Weil Vorgänger Jeff Strasser plötzlich erkrankte, wurde Anfang 2018 mit Michael Frontzeck schon der siebte FCK-Cheftrainer seit dem Bundesliga-Abstieg 2012 installiert. Er führte ein abgeschlagenes Team mit drei Siegen zum Start wieder an die Nichtabstiegsplätze heran (drei Punkte Rückstand am 21. Februar), musste dann aber doch im April den demütigenden Abstieg in die 3. Liga quittieren.

Auf Aufbruch folgt Kater

Trotzdem wurde Frontzeck der Neuaufbau zugetraut, verbunden mit dem unmissverständlichen Saisonziel: Sofortiger Wiederaufstieg! Die FCK-Verantwortlichen gingen in Vorleistung, finanzierten »auf Pump« (O-Ton Aufsichtsrat Banf) eine der teuersten Mannschaften der 3. Liga, stellten nach dem Abstieg einen neu ausbalancierten Kader auf die Beine. Und auch die Fans gaben noch mal ihre ganze Energie: 92 Prozent stimmten Anfang Juni schweren Herzens, aber voller Hoffnung, für die Ausgliederung der Lizenzspielerabteilung – zusätzliches Geld sollte dem FCK die Rückkehr nach oben erleichtern, hofften sie. 1.500 Zuschauer kamen zum Trainingsauftakt auf einem Nebenplatz, sagenhafte 40.000 zum Saisonstart im Fritz-Walter-Stadion, 7.000 reisten zum ersten Auswärtsspiel beim »Dorfklub« in Großaspach mit.

Und drei Wochen später war die ganze Aufbruchstimmung schon wieder verpufft. Nach vier Spieltagen hatte der haushohe Aufstiegsfavorit erst einen Sieg eingefahren und teils desaströse Leistungen gezeigt. Die Fragen, ob Michael Frontzeck noch der Richtige sei, wurden erstmals lauter, auch weil sich erkennbare Fehler aus der Abstiegsrückrunde schon im August wieder offenbarten. Der Trainer reagierte dünnhäutig, sorgte mit hanebüchenen Aussagen wie »Taktik gewinnt keine Spiele« für Kopfschütteln und lieferte sich über Wochen hinweg eine peinliche Fehde mit einem kritischen »Kicker«-Reporter. Immer wieder nannte Frontzeck die vielen neuen Spieler als Argument.