Jon Moss hat dar­über nach­ge­dacht, ob es gut ist, seinen Beruf und sein Hobby zu ver­mi­schen. Ob es nicht besser wäre, das Leben als Pro­fi­schieds­richter in der Pre­mier League von seiner Lei­den­schaft für Musik zu trennen. Er war sich unsi­cher, wie die Leute reagieren würden. Wie viel­leicht auch das Fuß­ball-Estab­lish­ment reagieren würde, wenn er offensiv damit umgeht, dass er ein Nerd ist. Doch er ist zu dem Schluss gekommen, dass sich die beiden Seiten seiner Per­sön­lich­keit nicht trennen lassen. Er ist nun mal ein Schieds­richter, der Gitarre spielt und, wie er selbst sagt, ziem­lich schlecht singt. Der auf Kon­zerte geht und stun­den­lang in Plat­ten­läden stö­bert. So what?

Also hat Moss alles auf eine Karte gesetzt, als er einen Namen für seinen eigenen Plat­ten­laden suchte, den er neu­er­dings in Leeds betreibt, mitten im Stu­den­ten­viertel Hea­dingley. Er hat ihm den schönen Namen The Vinyl Whistle“ gegeben. Ein Wort­spiel mit Final Whistle“, dem eng­li­schen Aus­druck für Schluss­pfiff. Die meisten Leute ver­stehen das sofort“, sagt er, bei einigen dauert es ein biss­chen. Sie sehen den Namen, sie sehen mich, dann geht die Lampe an. Wie bei einem Witz.“

Die Idee für den Namen kam einem Kol­legen, als die Schieds­richter der Pre­mier League nach einer anstren­genden Ein­heit im Trai­nings­zen­trum St. George’s Park beim Kaffee zusam­men­saßen. Moss berichtet von vielen guten Vor­schlägen und man­chen schlechten. Es wurde ange­regt debat­tiert. Das zeigt, dass die Branche kein Pro­blem damit hat, wenn ein Schieds­richter mit seinem bran­chen­fernen Hobby in die Öffent­lich­keit tritt.

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Ross Cooke

Kaffee, veganer Kuchen, Bilder von Oasis

Im Gegen­teil, die Eng­länder lieben es, wenn die Refe­rees ihre mensch­liche Seite offen­baren. Im Früh­jahr sorgte der für seine Thea­tralik bekannte Mike Dean für große Hei­ter­keit, weil er einen Erfolg seines Lieb­lings­klubs Tran­mere Rovers in den Play­offs um den Dritt­li­ga­auf­stieg so lei­den­schaft­lich auf der Tri­büne beju­belte, als wäre er einem Hoo­ligan-Film ent­stiegen. Auch die Pre­mier League scheint erkannt zu haben, dass es nicht schaden kann, wenn die Schiris ein biss­chen nah­barer wirken, und arran­gierte das Treffen mit Moss in seinem Plat­ten­laden ver­dächtig unkompliziert.

Die Sonne scheint durch die Fens­ter­front, es riecht nach fri­schem Kaffee, den er von einem lokalen Händler bezieht. Ebenso wie den veganen Kuchen, der auf dem Tresen ange­richtet ist. Die weißen Wände hat Moss mit gerahmten Bil­dern von Oasis, den Gorillaz oder dem ver­stor­benen Pro­digy-Sänger Keith Flint deko­riert, dazu gibt es Text­zeilen von Joy Divi­sion, The Smiths und dem schot­ti­schen New­comer Gerry Cin­namon. Auch eine Erin­ne­rung an den größten Tag seiner Schieds­rich­ter­lauf­bahn hängt an der Wand: ein Rahmen mit seinem Trikot, seiner Medaille und dem Sta­di­on­heft vom FA-Cup-Finale 2015 zwi­schen Arsenal und Aston Villa.