Auf den ersten Blick wirkt es nahezu rüh­rend, wie der eng­li­sche Fuß­ball­ver­band FA und zahl­reiche Top­ki­cker wie Harry Maguire (Man­chester United), Heung-min Son (Tot­tenham) oder Jordan Pick­ford (Everton) an der Seite von Prince Wil­liam gegen die lan­des­weit gras­sie­rende Wett- und Spiel­sucht ankämpfen. Die pro­mi­nenten Köpfe aus Pre­mier League und Buck­ingham Palace unter­stützen die Aktion Heads Up“ (deutsch: Köpfe hoch), die sich gegen see­li­sche Erkran­kungen wie Bur­nout und Depres­sionen ein­setzt, aber auch gegen psy­chi­sche Abhän­gig­keiten wie patho­lo­gi­sches Spielen oder zwang­haftes Wetten auf Sportereignisse.

Doch ins­be­son­dere beim Kampf gegen die Wett­sucht stehen Maguire, Son & Co. auf ver­lo­renem Posten, denn der Gegner ist ein über­mäch­tiges Monster, das FA und Liga in ihrer gren­zen­losen Geld­gier selbst erschaffen und schier unzähmbar gemacht haben: die welt­weite Sport­wetten-Indus­trie, deren geschätzter Jah­res­um­satz bis zu eine Bil­lion (sprich: 1.000 Mil­li­arden) Euro beträgt. Bereits zehn von 20 Pre­mier-League-Klubs und 15 von 24 Zweit­li­gisten tragen Logos von inter­na­tional ope­rie­renden Buch­ma­chern auf ihren Tri­kots. Kein ein­ziges der 92 Sta­dien im eng­li­schen Profi-Fuß­ball ist frei von groß­flä­chigen Wer­be­banden mit den Schrift­zügen von Dafabet“, 32Red“, LoveBet“ & Co.

Nicht-Zocker werden durch Streams in die Falle gelockt

Die Wett­an­bieter sind nicht nur äußer­lich omni­prä­sent, sie haben sich längst ins Innere des Fuß­ball­ge­schäfts hin­ein­ge­fressen. Wie ein hoch aggres­sives Krebs­ge­schwür. Seit gut zwei Jahren ist die Wet­t­in­dus­trie dabei, den eng­li­schen Fuß­ball-TV-Markt unter ihre Kon­trolle zu bringen, um ihn auf Buch­ma­cher-Bedürf­nisse zurecht­zu­schneiden. Bei­spiels­weise im eng­li­schen FA-Cup: Das jüngste Dritt­runden-Spiel zwi­schen Arsenal und Leeds (1:0) durfte der Wett­an­bieter Bet365“ live ins Netz streamen. Zuschauen war gewis­ser­maßen gratis – aller­dings nur, wenn man zuvor ein Wett­konto mit fünf Pfund Gut­haben bei Bet365“ eröffnet hatte. Ins­ge­samt sieben Buch­ma­cher besitzen der­ar­tige Strea­ming-Ver­träge für FA-Cup-Spiele (bis 2024), mit denen sie auch bis­he­rige Nicht-Zocker in die Wett­falle locken wollen.

Per­fide? Bet365“ stellt sich als absolut ver­ant­wor­tungs­be­wusstes Unter­nehmen dar: Dass man seinen Zuschauern einen Wett­ein­satz oder zumin­dest die Eröff­nung eines Wett­kontos abver­lange, diene gleich­zeitig der Legi­ti­ma­tion der User – schließ­lich solle kein Min­der­jäh­riger Zugriff auf das gestreamte Pro­gramm (ein Fuß­ball­spiel!) erhalten. Die FA betont der­weil, dass man nie einen Strea­ming-Ver­trag mit einem Wett­an­bieter geschlossen habe. Viel­mehr sei man 2017 einen Deal mit dem Rech­te­ver­markter IMG ein­ge­gangen. Dieser gestattet es IMG aus­drück­lich, Über­tra­gungs­rechte an Wett­an­bieter weiterzuveräußern.