Wie wir wissen, ist es bei Borussia Dort­mund um die soge­nannte Men­ta­lität nicht zum Besten bestellt. Das gilt durchaus auch für die Anhänger dieses Klubs, von denen es in der 11FREUNDE-Redak­tion einige – manche sagen sogar: erschre­ckend viele – gibt. Und so schli­chen sie im Vor­feld des letzten Vor­run­den­spiel­tags der Cham­pions League und der Partie des BVB gegen Slavia Prag mit alpi­na­weißen, mut­losen Gesich­tern über die Flure, und zwar spä­tes­tens, als ruchbar wurde, dass der ruhm­reiche FC Bar­ce­lona beim Par­al­lel­spiel in Mai­land ohne den leib­haf­tigen Messi und ein paar andere erwie­sene Qua­li­täts­ki­cker antreten würde.

Denn das war ja die Crux an diesem ver­ma­le­deiten Spieltag: Nicht nur mussten sich die Dort­munder Freunde darauf ver­lassen, dass die eigene Mann­schaft ihren Job prä­zise erle­digte – heikel genug, wenn man den bis­he­rigen Sai­son­ver­lauf Revue pas­sieren ließ –, zudem mussten sie sich auf die Schüt­zen­hilfe eines Barca-Teams ver­lassen, das offenbar mit einer Mischung aus Aus­sor­tierten, B‑Junioren und Fuß­lahmen antreten würde.

Gar­nelen oder Zie­gen­käse als Zwischengang?

Als wäre das alles nicht schon schlimm genug, fanden die Spiele auch noch am Abend der Ver­lags-Weih­nachts­feier statt. Eine Gele­gen­heit, bei der nor­ma­ler­weise die Mit­ar­beiter zusam­men­kommen und im gesel­ligen Ambi­ente die Höhen und Tiefen des abge­lau­fenen Jahres noch einmal Revue pas­sieren lassen. Solch ober­fläch­li­ches Men­scheln aber war mit den Kol­legen aus der Dort­mund-Frak­tion nicht zu machen. Wäh­rend andere in den Tagen zuvor über exis­ten­zi­elle kuli­na­ri­sche Details sin­nierten (Gar­nelen oder Zie­gen­käse als Zwi­schen­gang?), trieb die bleiche Borussen-Front eine ganz andere Frage um: Reicht um Him­mels Willen das ver­dammte W‑Lan aus? Im Restau­rant und, mehr noch, in dem für die Stunden danach ange­mie­teten Partykeller.

Ein Weih­nachts­essen wie dieses wäre noch vor wenigen Jahren nicht vor­stellbar gewesen: Wäh­rend manche in Klein­gruppen plauschten, starrte min­des­tens die Hälfte der Beleg­schaft auf Smart­phones, die sich im halben Dut­zend über die beiden Tafeln ver­teilten. In der Tat berührte das Schicksal des BVB in diesem Moment nicht nur die Dort­mund-Fans, son­dern auch andere Mit­ar­beiter, und zwar aus ver­schie­denen Gründen, etwa dem, dass sie darauf hofften, später ihre Scha­den­freude über die schwarz-gelben Loser aus­kü­beln zu können. Einige essen, wenige reden, ganz viele starren auf win­zige Bild­schirme: Das Bild, dass die Redak­tion in diesem Moment abgab, befrem­dete die anderen Gäste im Lokal, zumin­dest so lange, bis die begriffen hatten, dass es sich bei den selt­samen Gesellen um die Beleg­schaft eines Fuß­ball­ma­ga­zins han­delte. Ver­rückt!“, rief eine kom­pakte Mitt­vier­zi­gerin mit betont pfif­figer Brille, als sich ihr der Zusam­men­hang erschloss.

Schwarz-Gelber Jubel im Partykeller

Immerhin war das W‑Lan stabil, was man von der zweiten Halb­zeit im bereits erwähnten, bun­ker­ähn­li­chen Keller nicht sagen kann, für die gestressten Borussia-Freunde aller­dings mög­li­cher­weise besser so war, weil man­ches, was dort über die Bild­schirme fla­ckerte, im zeit­ver­zö­gerten Modus leichter ver­dau­lich war. Doch auch so war zu erahnen, dass die Elf des BVB – Men­ta­lität hin oder her – vor allem von einem erst­klas­sigen Tor­wart und dem Papst in der Tasche pro­fi­tierte. Ach ja, und selbst­re­dend von einem FC Bar­ce­lona, dessen Aus­sor­tierte, B‑Junioren und Fuß­lahme offenbar stärker sind als die Stammelf von Inter.

Wie auch immer, am Ende jubelten im Ber­liner Par­ty­keller die Schwarz-Gelben, und die anderen sparten sich ihre Scha­den­freude wenigs­tens dieses Mal gerne, man will ja kein Unmensch sein. Und übri­gens: Es wurde dann doch noch eine Weih­nachts­feier im engeren Sinne.