Die Flucht in die Ver­gan­gen­heit kann über die triste Gegen­wart hin­weg­trösten. Als der 1. FC Köln bei Union Berlin mit 0:2 hinten lag und nichts mehr darauf hin­deu­tete, dass den Spie­lern noch ein Come­back gelingen könnte, skan­dierten die Fans: Lu, Lu, Lukas Podolski!“ Der ver­lo­rene Sohn als Heils­bringer – eine schöne Vor­stel­lung, die vom tau­rigen Alltag ablenken sollte.

Die Kölner sind an diesem Spieltag am Tief­punkt ange­langt. Durch Pader­borns 1:0‑Erfolg in Bremen rutschte der Effzeh auf den letzten Tabel­len­platz. Der Trai­ner­wechsel von Achim Bei­er­lorzer zu Markus Gisdol scheint zu ver­puffen. Was ist los in Köln? Fünf Gründe, warum der Klub am Ende der Tabelle steht.

1. Es fehlt jeg­li­ches Selbst­be­wusst­sein
Ver­tauschte Rollen an der Alten Förs­terei: Zweit­liga-Meister Köln reiste als Kri­sen­klub zu Mit­auf­steiger Union, die nach drei Siegen aus den ver­gan­genen fünf Par­tien auf einer Eupho­rie­welle schwebten. Diese Kon­stel­la­tion spürte man von der ersten Sekunde an: Die Kölner zogen sich weit zurück, sie erwar­teten Union in der eigenen Hälfte. Die Ber­liner durften das Spiel gestalten.

Gis­dols Her­an­ge­hens­weise mag stra­te­gisch Sinn ergeben haben: Union über­zeugt in dieser Saison vor allem mit prä­zisen langen Bällen. Kölns Mit­tel­feld sollte tief stehen, um im Kampf um zweite Bälle einen Vor­teil zu haben. 

Die pas­sive Her­an­ge­hens­weise setzte aber ein fatales Signal: Köln war einzig bestrebt, die Stärken des Geg­ners zu neu­tra­li­sieren. Und Union? Ließ sich nicht beein­dru­cken. In der unge­wohnten Rolle als spiel­ma­chendes Team – zwi­schen­zeit­lich hatten sie einen Ball­be­sitz­an­teil von 75 Pro­zent – ließen sie Ball und Gegner laufen. Köln fehlte jeg­li­ches Selbst­be­wusst­sein, um Union die Kon­trolle über das Spiel zu entreißen.

2. Schwä­chen im zen­tralen Mit­tel­feld
Kölns pas­sive Spiel­weise sorgte dafür, dass das eigene Mit­tel­feld zu keiner Zeit Druck auf das geg­ne­ri­sche aus­üben konnte. Zyni­sche Köln-Fans würden nun sagen: Alles wie immer also.

Die Dop­pel­sechs der Kölner erlangte keinen Zugriff auf den Gegner. Marco Höger gewann keinen ein­zigen Ball im gesamten Spiel­ver­lauf. Högers Kol­lege auf der Dop­pel­sechs, Birger Ver­straete, fing immerhin zwei Pässe ab. Die Kölner haben große Pro­bleme, diese Zone zu kon­trol­lieren. Das ist kein neues Pro­blem: Es begleitet die Kölner bereits durch die gesamte Saison. Gisdol konnte mit seinem 4 – 4‑2-System nicht Herr dieses Pro­blems werden.