Es wird hier­zu­lande ja gerne erzählt, dass mit­tel­stän­di­sche Unter­nehmen das wirt­schaft­liche Rück­grat unseres Landes bilden – und irgendwie auch das mora­li­sche. Han­delt es sich bei ihnen doch nicht um glo­bale Groß­kon­zerne, die zu wenig Steuern bezahlen und undurch­sichtig anonymen Kon­glo­me­raten gehören. Viel­mehr bringt der deut­sche Mit­tel­stand wackere Welt­markt­führer im Maschi­nenbau aus dem Schwä­bi­schen hervor, inno­va­tive Feu­er­wehr­schutz­be­klei­dungs­her­steller aus dem Sauer­land und Borussia Mönchengladbach.

Auch am Nie­der­rhein wird schließ­lich seit vielen Jahren so gear­beitet, dass eigent­lich nie wirk­lich etwas dagegen ein­zu­wenden gewesen ist. Der Klub ist pum­perlgsund und strotz nur so vor Kraft, ohne dass er einem damit auf die Nerven geht. Wie es sich für einen ordent­li­chen deut­schen Mit­tel­ständler gehört, erobert er gerade die Welt. In Shanghai hat der Klub in diesem Jahr seine erste Aus­lands­nie­der­las­sung eröffnet, am ver­gan­genen Dienstag gab es im im Borussia-Park zu ersten Mal einen Deutsch-Chi­ne­si­schen Wirt­schaftstag, und es könnte gut sein, dass auch der nächste Haupt­sponsor aus China kommt.

Die Nost­algie wirkt nicht ranzig

Genüss­lich darf der Klub sich in diesem Jahr seiner Geschichte erin­nern (wozu es inzwi­schen ein ver­eins­ei­genes Museum gibt), mit dem 75. Geburtstag von Günter Netzer und dem 100. des ersten Meis­ter­trai­ners Hennes Weis­weiler am Don­nerstag gab es dazu genug Gele­gen­heiten. Doch die Nost­algie wirkt nicht ranzig, funk­tio­niert das Kern­ge­schäft doch so gut wie lange nicht. Glad­bach ist am 13. Spieltag ziem­lich sen­sa­tio­nell Tabel­len­führer. Max Eberl, lange schon einer der besten Manager der Liga, hat mit Marco Rose einen Trainer gefunden, der seiner Mann­schaft in rasendem Tempo spie­le­ri­sche Iden­tität ver­passt hat – und dabei auch noch sau­sym­pa­thisch ist. 

Das alles trägt dazu bei, dass am Samstag ver­mut­lich unge­fähr 98 Pro­zent aller Fuß­ball­fans in Deutsch­land den Glad­ba­chern gegen den FC Bayern die Daumen drü­cken werden – so sie nicht Anhänger der Münchner sind (oder des 1.FC Köln). Bis ange­pfiffen wird, dürfen wir uns wahr­schein­lich noch hau­fen­weise ver­bli­chene Bilder und Filme aus den Sieb­zi­gern anschauen, in denen die beiden Ver­eine um die Spitze des deut­schen Fuß­balls rangen. Aber machen wir uns nichts vor: Die Geschichte wie­der­holt sich nicht.