Wer am Don­nerstag beim Spa­zier­gang durch Roms Straßen das Titel­bild einer ita­lie­ni­schen Sport­zei­tung sah, musste mög­li­cher­weise schlu­cken und zwei Mal hin­schauen. Denn die ita­lie­ni­sche Sport­zei­tung Cor­riere dello Sport por­trä­tierte im Zusam­men­hang mit der Begeg­nung Inter gegen Rom am heu­tigen Abend auf der Titel­seite die beiden Top-Stars Romelu Lukaku aus Mai­land und Chris Smal­ling der Roma. Über­schrift: Black Friday“.

Dass sie damit einen etwas frag­wür­digen Blick­winkel auf das Top­spiel gelegt haben, bekam die Zei­tung kurz darauf zu spüren. Der direkt betrof­fene Chris Smal­ling schrieb auf Twitter: Ich hoffe, die Ver­ant­wort­li­chen sind sich bewusst, welche Macht und Aus­wir­kungen Wörter haben können. Mein großer Dank für die Unter­stüt­zung geht an AS Rom!“. Romelu Lukaku hin­gegen ging mit der Zei­tung noch härter ins Gericht. Eben­falls auf Twitter ver­öf­fent­lichte Inters Star-Stürmer fol­gende Stel­lung­nahme: Anstatt mich auf das Match kon­zen­trieren zu können, kommt Cor­riere dello sport mit der dümmsten Über­schrift, die ich je gelesen habe daher. Ihr befeuert die Nega­ti­vität und das Ras­sismus-Pro­blem, anstatt über das wun­der­bare Fuß­ball-Match zu berichten.“

Betre­tungs- und Interviewverbot

Auch Inter-Rivale AC Mai­land äußerte sich zum Vor­fall. Gemeinsam mit der AS aus Rom sprach der Verein sämt­li­chen Repor­tern der römi­schen Sport­zei­tung ein Betre­tungs­verbot für das Trai­nings- und Ver­eins­ge­lände bis Ende des Jahres aus. Weiter dürfen weder Spieler noch Ver­ant­wort­liche Inter­views mit der Zei­tung führen.

Ras­sismus und Frem­den­feind­lich­keit sind im ita­lie­ni­schen Fuß­ball schon lange ein ver­brei­tetes und vor allem großes Pro­blem. Erst Anfang November sah sich der für Bre­scia Calcio auf­lau­fende Mario Balot­teli beim Spiel gegen Hellas Verona von deren Fans mit Affen­lauten und ras­sis­ti­schen Belei­di­gungen kon­fron­tiert. Dar­aufhin legte der Verein einem füh­renden Fan-Ver­treter ein über zehn­jäh­riges Sta­di­on­verbot auf. Aber der gebür­tige Ita­liener Balot­teli ist bei weitem nicht die ein­zige Ziel­scheibe der ras­sis­ti­scher Umtriebe. Auch Lukaku wurde bereits mehr­mals bei Spielen aus­ge­pfiffen und beschimpft, so erst kürz­lich im Sep­tember bei Cagliari.

Eine Reihe kruder Vorschläge

Ivan Zaz­za­roni, Chef­re­dak­teur des Cor­riere dello Sport recht­fer­tige seine Über­schrift den­noch. Black Friday“ sei eine Lob­prei­sung des Anders­seins, die den groß­ar­tigen Reichtum dessen schätze. Weiter schreibt der 61-Jäh­rige, dass es eine unschul­dige Über­schrift sei, die erst von anderen Repor­tern und Men­schen ver­giftet“ werde. Zaz­za­roni reiht sich damit in eine ganze Liste absurder und frag­wür­diger Aus­sagen und Vor­schläge beim Umgang mit dem Rass­sismus-Pro­blem im ita­lie­ni­schen Fuß­ball ein.

Serie-A-Geschäfts­führer Luigi de Siervo bei­spiels­weise soll bei einer Bespre­chung rund vor­ge­schlagen haben, bei TV-Über­tra­gungen ein­fach die Mikro­fone im Sta­dion abzu­stellen, damit sämt­liche Belei­di­gungen, Affen­laute und sons­tige ras­sis­ti­sche Bemer­kungen der Fans vor dem Fern­seher nicht zu hören seien. Auch der Prä­si­dent von Bre­scia, Mas­simo Cel­lino, fiel vor kurzem mit einer Aus­sage bezüg­lich Balo­telli auf. Cel­lino sagte: Er ist schwarz, was soll ich sagen, er arbeitet daran, heller zu werden, aber das fällt ihm sehr schwer“ Der Verein rela­ti­vierte das Ganze und behaup­tete, es handle sich hierbei ganz offen­sicht­lich um einen Witz, der offen­kundig miss­ver­standen wurde. Auch Cel­lino bezog Stel­lung zu seiner These und sagte, dass er ja gar kein Ras­sist sein könne. Schließ­lich sei er Katholik.