Sommer 2015. Ein eng­li­scher Zim­mer­mann namens Leigh Her­bert hat ein paar Bier intus und setzt fünf Pfund darauf, dass Lei­cester City Eng­li­scher Meister wird. Eine Schnaps­idee, die die Wett­an­bieter mit einer ent­spre­chenden Quote von 5.000:1 bewerten. Schließ­lich stiegen die Foxes erst 2014 in die Pre­mier League auf, trennten sich fünf Wochen vor Sai­son­start von ihrem Trainer und stellten sich ganz offen­kundig auf den Abstiegs­kampf ein. 

Was folgte, war aller­dings kein Kampf ums Über­leben son­dern der über­ra­schendste Titel­ge­winn in der Geschichte der Pre­mier League. Unter der Lei­tung von Claudio Ranieri sorgte Lei­cester City für ein modernes Fuß­ball­mär­chen, setzte sich mit dem zweit­ge­ringsten Markt­wert der Liga gegen die Schwer­ge­wichte aus London sowie Man­chester durch und fei­erte im Mai 2016 die erste Meis­ter­schaft der 132-jäh­rigen Vereinsgeschichte. 

Die Leute sagen, man macht dumme Sachen, wenn man betrunken ist, aber ich mache ziem­lich gute Sachen“, lachte Her­bert nach dem Gewinn des Titels und den ins­ge­samt 20.000 Pfund, die er nach einer zwi­schen­zeit­li­chen Aus­zah­lung letzt­end­lich ein­sam­melte, im Bel­fast Tele­graph“. 2019 hat der 41-jäh­rige Lei­cester-Fan nun wieder auf seine Mann­schaft gesetzt. Denn diese ist erneut bereit, die Struk­turen der eng­li­schen Fuß­bal­le­lite zu sprengen, vor allem dank Trainer Brendan Rodgers. 

Von wegen Midlife-Crisis 

Als der im Februar 2019 das Erbe von Claude Puel bei Lei­cester antrat, ern­tete er zunächst viel Kritik. Der 46-Jäh­rige, dem Ex-Ran­gers Mit­tel­feld­spieler Joey Barton auf­grund seines unna­tür­li­chen Teints und seiner weißen Zähne eine Mid­life-Crisis unter­stellte, hatte eigent­lich ver­spro­chen, die Saison mit Celtic Glasgow zu beenden. 

Dort war er bereits das dritte Jahr in Folge auf natio­nalem Triple-Kurs (Meis­ter­schaft, Pokal und Liga-Cup). Zuvor hatte er seine größten Erfolge in der Pre­mier League gefeiert. Swansea City hievte er nach dem Auf­stieg mit attrak­tivem Kurz­pass­fuß­ball nach dem Auf­stieg in der Saison 2011/2012 auf Anhieb auf den zwölften Platz. Dar­aufhin folgte der Schritt zum FC Liver­pool, wo er rück­bli­ckend mit einem eher unter­durch­schnitt­li­chen Kader 2013/2014 knapp und in Person von Steven Ger­rard im Titel­rennen gegen Man­chester City aus­rutschte. Als der Nordire die gestie­genen Erwar­tungen nicht mehr erfüllen konnte, wurde er im Oktober 2015 entlassen.

Rod­gers galt als arrogant

Großes Ansehen ern­tete Rod­gers für seine Arbeit auf der Insel nicht. Durch Kom­men­tare wie Ich bin mein größter Mentor, weil ich lernen musste und das war mein größter Ein­fluss“, wurde er als arro­gant abgestempelt.

Die Gele­gen­heit, in die Pre­mier League zurück­zu­kehren und seinen Ruf zu kor­ri­gieren, wollte sich Rod­gers daher offenbar nicht ent­gehen lassen, schon gar nicht bei einem Klub wie Lei­cester. Obwohl der Verein aus den East Mid­lands nach der sen­sa­tio­nellen Meis­ter­schaft 2016 bereits das dritte Jahr in Folge im Nie­mands­land der Tabelle her­um­düm­pelte, drei Trainer ver­schliss und einen herben Schick­sals­schlag hin­nehmen musste, erkannte er das enorme Poten­tial des Vereins.