Der Pokal hat seine eigenen Gesetze, heißt es. Sport­lich mag das noch stimmen. Oder wer hätte damit gerechnet, dass Ulm in der ersten Runde über Titel­ver­tei­diger Ein­tracht Frank­furt tri­um­phiert, dass Ros­tock den VfB Stutt­gart schlägt oder der HSV in Erndte­brück gewinnt?

In anderer Hin­sicht aller­dings ist der Pokal ebenso vor­her­seh­bare Ein­heits­ware wie sonst auch — im Free-TV werden immer die­selben Mann­schaften gezeigt. Im Zweifel immer die Bayern.

Mit der Fan­tasie eines Busfahrplans

So auch heute, in der zweiten Runde des DFB-Pokals. Aus 16 Paa­rungen hätte die über­tra­gende ARD wählen können. Dar­unter durchaus span­nende Par­tien: Köln gegen Schalke, Glad­bach gegen Lever­kusen oder Dort­mund gegen Union.

Doch die ARD ent­schied sich für Röding­hausen gegen Bayern Mün­chen. Und bewies damit die Fan­tasie eines Bus­fahr­plans. Es ist ein gene­relles Pro­blem, das für die Gesamt­heit der öffent­lich-recht­li­chen Pro­gramm­pla­nung gilt. 

Auch schön“

ARD-Sport­ko­or­di­nator Axel Bal­kausky sagte diese Woche zwar im Kicker“: Der FC Bayern war nur dritte Wahl (…), denn wir wollten zwei Tra­di­ti­ons­klubs bei Köln gegen Schalke zeigen. Die Spiele ließen sich aber aus poli­zei­li­chen Gründen nicht auf zwei unter­schied­liche Tage legen. Und Bayern gegen Röding­hausen ist doch auch schön.“ Ist es. Wenn man zu Röding­hausen oder Bayern hält. Ansonsten darf man getrost behaupten: ne, nicht so schön.

Es mag sein, dass die Quoten den Machern von ARD und ZDF sogar Recht geben. Aber das kann und darf nicht das aus­schlag­ge­bende Argu­ment für durch Gebühren finan­ziertes Fern­sehen sein. Der Rund­funk­staats­ver­trag defi­niert den Anspruch an die Sender wie folgt: Der Rund­funk soll die freie Mei­nungs­bil­dung und kul­tu­relle Viel­falt gewähr­leisten.“ Zumin­dest in Sachen Fuß­ball-Über­tra­gung kann von Viel­falt wahr­lich keine Rede sein.

Oder wie wusste schon Rudi Assauer im Winter 2004: Irgend­wann ver­stehst du die Sender nicht mehr. Sollen sie doch ein Bayern-Studio auf­ma­chen und fetten Gänsen den Arsch schmieren.“