*Das Inter­view erschien erst­mals in der Aus­gabe #187 im Juni 2017. 

Leon Goretzka, als wir uns vor knapp zwei Jahren schon einmal unter­hielten, spra­chen wir auch über ein Online-Mana­ger­spiel, an dem Sie teil­nahmen. Auf Ihrer Posi­tion hatten Sie damals Wolfs­burgs Luiz Gus­tavo ver­pflichtet. Haben Sie sich mitt­ler­weile selbst gekauft?

Das wollte ich, ich wurde aber leider überboten.

Da dürfte Ihnen eine ordent­liche Wert­stei­ge­rung ent­gangen sein. Bei Schalke läuft es zwar eher durch­schnitt­lich, Sie per­sön­lich haben aber einen Schritt gemacht.

Stimmt, die Saison ver­läuft sehr inkon­stant. Wir zeigen immer wieder, dass wir zu viel in der Lage sind, aber können das nicht dau­er­haft abrufen. Dass es bei mir per­sön­lich besser läuft als in den Jahren zuvor, liegt daran, dass ich mich fit fühle. Auch weil ich gewisse Dinge geän­dert und dadurch weniger gesund­heit­liche Pro­bleme habe.

Was haben Sie geändert?

Ich habe meine Ernäh­rung kom­plett umge­stellt. Vor der Saison war ich bei einem Spe­zia­listen, der mir eine chro­ni­sche Darm­ent­zün­dung dia­gnos­ti­zierte. Es heißt ja, der Darm sei das zweite Gehirn. Er bestimmt, welche Stoffe in deinen Körper kommen und welche nicht. Die Ent­zün­dung hat sich negativ auf meine Rege­ne­ra­ti­ons­fä­hig­keit aus­ge­wirkt. Aus­ge­löst wurde sie durch ver­schie­dene Nah­rungs­mittel. Gluten, Kuh­milch, Schwei­ne­fleisch, Nüsse. Seitdem ich die weg­lasse, erhole ich mich nach einem Spiel viel schneller.

Und das macht einen so großen Unterschied?

Natür­lich. Wenn man nicht ständig darauf achten muss, gesund zu werden, kann man daran arbeiten, besser zu werden. Bist du ange­schlagen, arbei­test du nur darauf hin, dein altes Level zu errei­chen. Bist du fit, kannst du daran arbeiten, das nächste Level zu erreichen.

Woran haben Sie gezielt gearbeitet?

Zum Bei­spiel an der Tor­ge­fahr. Ich habe letztes Jahr nur zwei Pflicht­spiel­tore geschossen. Das war deut­lich zu mickrig. Aber ich will mich in vielen Berei­chen ver­bes­sern. In Sachen Kraft, Aus­dauer, Technik. Auch im sozialen Bereich.

Im sozialen Bereich?

Klar, eine Mann­schaft ist ein soziales Gefüge, in der du eine Posi­tion ein­nimmst. Seit dieser Saison bin ich im Mann­schaftsrat, da habe ich eine Ver­ant­wor­tung. Also ver­suche ich, für die jungen Spieler da zu sein, ihnen bei der Inte­gra­tion zu helfen und ihnen mit Rat­schlägen zur Seite zu stehen.

Sie sind selbst erst 22 Jahre alt. Was sagen Sie einem 19-jäh­rigen Mit­spieler, wenn er um Rat fragt?

Beim VfL Bochum war ich schnell Stamm­spieler, aber aus meiner Anfangs­zeit auf Schalke weiß ich, was es bedeutet, erst einmal eine Weile draußen zu sitzen. Man wird nervös und unzu­frieden und sieht sich mit­unter weiter, als man viel­leicht ist. Nehmen Sie Thilo Kehrer oder Donis Avdijaj. Beide haben schon länger mit den Hufen gescharrt und auf ihre Ein­sätze gewartet. Wenn das lange dauert, kann das frus­trie­rend werden.

Und was war Ihr Rat­schlag? Geduldig sein und die Füße stillhalten?

Ganz und gar nicht. Manchmal ist es auch der rich­tige Weg, im Trai­ning mal einem der gestan­denen Spieler auf die Füße zu steigen und so auf sich auf­merksam zu machen. Danach kriegt man zwar einen drauf, aber so kannst du zeigen, dass du mit der Situa­tion unzu­frieden bist. Da reagiert der Trainer eher drauf, als wenn du im Trai­ning unsichtbar bist und danach eine Fresse ziehst, weil du frus­triert bist. Das sind Erfah­rungen, die ich damals gemacht habe und die ich als Füh­rungs­spieler weitergebe.

Was macht denn einen guten Füh­rungs­spieler aus?

Zual­ler­erst muss die Leis­tung stimmen. Auf dem Platz musst du unan­tastbar sein. Dann braucht es eine aus­ge­prägte Sozi­al­kom­pe­tenz, weil man oft Kon­flikte lösen muss, und zwar so, dass im besten Fall alle zufrieden sind. Und natür­lich muss man dazwi­schen­hauen können.