Herr Lazaro, ver­folgen Sie noch, was Ronald­inho so treibt?
Ja, erst ges­tern habe ich etwas von ihm im Internet gesehen. Wie er über Messi redet. Das war interessant.

Wissen Sie, was er gerade macht?
Er ist für den FC Bar­ce­lona in den USA und in China als Bot­schafter unter­wegs und tritt bei Cha­rity-Ver­an­stal­tungen auf. Das seriöse Fuß­ball­spielen hat er hinter sich gelassen.

Ronald­inho hat in diesem Herbst noch in Indien in der Pre­mier League Futsal gespielt – mit 37.
Und wie! Haben Sie das gesehen? Er hat alle auseinandergenommen.

Wann ist er zu Ihrem Idol geworden?
Das muss in der Zeit gewesen sein, als er aus Paris nach Bar­ce­lona wech­selte. Ich war noch klein, sechs oder sieben. Wenn wir damals in den Hof zum Kicken gegangen sind, hat jeder pro­biert, von einem beson­deren Spieler etwas nach­zu­ma­chen. Bei Frei­stößen war es David Beckham, aber immer öfter fiel der Name Ronald­inho. Bis heute ist er für mich der Spieler, mit dem ich die meiste Freude verbinde.

Und am Ende wollten alle auf dem Hof Ronald­inho sein.
Ja, wir waren alle Ronald­inhos. Bei den Jungs, mit denen ich in Graz auf­ge­wachsen bin, war er auf jeden Fall der Nummer-eins-Spieler.

Wel­chen Move von ihm haben Sie am besten hin­be­kommen?
Den Elastico: wenn er den Ball von innen nach außen zieht. Den haben alle ver­sucht. Ronald­inho macht ihn ein­zig­artig. Wie er kann es keiner auf der Welt.

Mussten Sie sich die Spie­le­reien à la Ronald­inho abge­wöhnen, als es mit dem pro­fes­sio­nellen Fuß­ball ange­fangen hat?
Schwer zu sagen. Als ich mit 14 zu Red Bull Salz­burg gekommen bin, wurde die Aka­demie von Ricardo Moniz geleitet, einem Hol­länder. Dadurch herrschte dort die hol­län­di­sche Schule. Die Trainer legten viel Wert auf indi­vi­dual-tech­ni­sche Sachen. Sie liebten Über­steiger und Eins-gegen-Eins-Situa­tionen. Spieler, die das beherrschten, wurden ent­spre­chend geför­dert. Des­wegen wurde ich von Moniz schon mit 15 in die erste Mann­schaft geholt. Mit Ralf Rang­nick kam dann die deut­sche Schule zu Red Bull. Das Tak­ti­sche und Läu­fe­ri­sche wurde wich­tiger. Für mich war das gut. Der Fuß­ball hat sich ohnehin sehr in diese Rich­tung ent­wi­ckelt. Die Bra­si­lianer haben mit ihrer Technik in jedem Spiel gezau­bert und domi­niert. Der Knack­punkt war bei der WM 2014, als die Deut­schen mit 7:1 über sie her­ge­fallen sind. Da haben auch die Letzten gemerkt, dass sich der Fuß­ball ver­än­dert hat. Heute müssen gute Spieler beides ver­binden können, also spie­le­risch etwas Beson­deres aus­pa­cken und das bei hohem Tempo.

Würden Sie sich trotzdem als Stra­ßen­ki­cker bezeichnen?
So hat es bei mir ange­fangen. Aber ich habe auch schon früh im Verein gespielt. Meine beiden älteren Halb­brüder waren bei Sturm Graz in der Jugend. Da wollte ich auch hin. Aber ich war erst fünf und sollte noch ein Jahr warten, also bin ich zum Grazer AK. Die haben mich sofort genommen. Neun Jahre habe ich dort gespielt. 2011 bin ich nach Salz­burg. Da habe ich im November 2012 mit 16 in Öster­reichs Bun­des­liga debü­tiert. Und Sie kennen ja die Spiel­phi­lo­so­phie von Ralf Rang­nick. Ich musste mir die recht schnell aneignen, sehr viel läu­fe­ri­sche Arbeit ver­richten, offensiv und defensiv. Das habe ich jetzt ganz gut intus. Und wenn du dann auf engem Raum den Ball hast, ist immer wieder indi­vi­du­elle Klasse gefragt.

Wie war das damals auf dem Hof?
So wie bei ganz vielen ver­mut­lich. Ich weiß gar nicht mehr, ob wir uns über­haupt ver­ab­redet haben. Ich glaube, wir sind ein­fach run­ter­ge­gangen, haben überall kurz geläutet, und alle waren da. Dann hat man ein­fach gekickt, bis die Laternen angingen. Das war das Zei­chen, dass wir nach Haue mussten.