Im nächsten Sommer wird Japan zum sechsten Mal in Folge an einer WM-End­runde teil­nehmen. Das ist ein großer Erfolg für ein Land, das lange darauf warten musste, es end­lich mal durch die Mühlen der Qua­li­fi­ka­tion zu schaffen. Erst 1998, nach vielen ver­geb­li­chen Anläufen, war es so weit: Japan fuhr zum ersten Mal zu einer WM. Aller­dings muss man sagen, dass das Team die Qua­li­fi­ka­tion eigent­lich schon vier Jahre zuvor geschafft hätte – wäre damals alles mit rechten Dingen zugegangen.

In der Qua­li­fi­ka­tion zur WM 1994 setzte sich Japan zunächst in der Asien-Vor­runden-Gruppe F gegen die Ver­ei­nigten Ara­bi­schen Emi­rate und drei andere Teams durch. Dadurch gelangte die Mann­schaft des hol­län­di­schen Trai­ners Hans Ooft in eine End­run­den­gruppe mit Süd­korea, Nord­korea, Saudi-Ara­bien, Irak und Iran. Diese Teams spielten nun ein Tur­nier in Katar aus, an dessen Ende die Mann­schaften auf den ersten beiden Rängen sich für die WM in den USA qua­li­fi­zieren sollten.

Japa­ni­sche Kolonialherrschaft

Am letzten Spieltag sicherte sich Saudi-Ara­bien durch ein 4:3 über den Iran die Tabel­len­spitze. Um den wich­tigen zweiten Platz stritten nun noch Süd­korea, Japan und der Irak, wobei die zwei letzt­ge­nannten Teams im Al-Ahly-Sta­dion der Stadt Doha direkt auf­ein­ander trafen. Eben­falls in Doha, nur in einem anderen Sta­dion, spielten zur selben Zeit die Süd­ko­reaner. Und gegen wen wohl? Natür­lich gegen den poli­ti­schen Feind aus dem kom­mu­nis­ti­schen Nord­korea. Um zu ver­stehen, was nun geschah, muss man wissen, dass sich die zwei Länder zwar nicht grün sind, aber eine gemein­same trau­ma­ti­sche Erfah­rung haben – die Jahre unter bru­taler japa­ni­scher Kolonialherrschaft.

Zur Halb­zeit stand es zwi­schen Nord und Süd in einem kampf­be­tonten Match 0:0. In der Pause bespra­chen die Nord­ko­reaner nun aber nicht etwa, wie man die Abwehr des Klas­sen­feindes kna­cken könnte, son­dern wie sich die Lage in der Tabelle dar­stellte. Im Al-Ahly-Sta­dion, so war man infor­miert worden, hieß es zwi­schen Japan und dem Irak nach 45 Minuten 1:1. Dieses Resultat, in Ver­bin­dung mit dem Remis zwi­schen den beiden Koreas, hätte den Japa­nern gereicht, um sich den zweiten Platz zu sichern. Wir wollten aber nicht, dass sich Japan qua­li­fi­ziert“, ver­riet neun Jahre später Nord­ko­reas dama­liger Trainer Myong-chan Yun.