Eigent­lich müsste Nico Schneck jetzt in der Biblio­thek sitzen. Diese ver­flixte Bache­lor­ar­beit mit dem Titel Klein­feld­spiele im Fuß­ball“ fertig schreiben, end­lich sein Stu­dium beenden. 70 Pro­zent habe ich“, sagt der 29-Jäh­rige. Wenn ich mich voll darauf kon­zen­trieren könnte, bräuchte ich noch etwa vier bis sechs Wochen.“ Das Pro­blem ist nur: Momentan hat Schneck andere Dinge im Kopf, denn er ist kein gewöhn­li­cher Stu­dent. Er ist Co-Trainer bei Bayer Lever­kusen, und sein Ter­min­ka­lender ist voll. Wie biste denn da dran gekommen?, staunt man also am Anfang, und Schneck – Sei­ten­scheitel, Zwei-Tage-Bart, wache Augen – staunt ein wenig mit, denn normal ist das ja wirk­lich nicht. 

Also von vorne, Mai 2016. Der Regio­nal­li­gist Jahn Regens­burg sucht einen Sport­wis­sen­schaftler, der Chef­trainer Heiko Herr­lich assis­tieren soll. Der erste Zufall: Sport­di­rektor des Jahn ist Chris­tian Keller, der vor über zehn Jahren den Bezirks­li­gisten SC 04 Tutt­lingen trai­nierte. Einer seiner besten Spieler damals: Nico Schneck. Seitdem halten die beiden Kon­takt. Und eines Tages im Früh­jahr steckt Keller seinem ehe­ma­ligen Mit­tel­feld­re­gis­seur, dass es beim Jahn einen ganz lukra­tiven Job gibt. Quasi als Co-Regisseur.

Hätte er sich vor­be­reiten sollen?

Schneck bewirbt sich und wird tat­säch­lich ein­ge­laden. Ein paar Tage später ist er auf dem Weg in die Ober­pfalz, fünf Stunden sitzt er im Auto. Viel Zeit für viele Fragen: Wie will Jahn spielen? Wel­ches System prä­fe­riert der Trainer? Hätte er sich doch vor­be­reiten sollen? Und was ist eigent­lich mit dieser Bachelor-Arbeit? 

In einer Regens­burger Spon­soren-Lounge wartet Heiko Herr­lich. Deut­scher Meister, Pokal­sieger, Tor­schüt­zen­könig, Cham­pions-League-Sieger, Welt­po­kal­sieger. Er löchert den Stu­denten mit Fragen. Es geht um Fuß­ball, natür­lich. Um Spiel­phi­lo­so­phien und tak­ti­sche Kniffe. Aber sie spre­chen auch über den Umgang mit Men­schen, über Per­sön­li­ches, über ame­ri­ka­ni­sche Fernsehserien. 

Wir lagen auf einer Wellenlänge“

Der Termin dauert knapp zwei Stunden, Schneck leert eine Was­ser­fla­sche nach der nächsten, am Ende bekommt er noch eine Sta­di­on­füh­rung. Auf der Heim­fahrt hat Schneck ein gutes Gefühl. Wir lagen auf einer Wel­len­länge und waren von unserer Idee auf dem Platz nah bei­ein­ander“, sagt er heute und klingt dabei so rou­ti­niert, als hätte er die letzten 20 Jahre im Pro­fi­zirkus ver­bracht. Aber er weiß auch: Er ist nicht der ein­zige Bewerber. Es gibt einen Kon­kur­renten, den Herr­lich aus seiner Zeit als U17-Trainer des FC Bayern kennt. 

Schneck ist das erst einmal egal, er fliegt in den Urlaub nach Grie­chen­land. Als er an einem beson­ders heißen Nach­mittag mit einem Boot auf dem Ioni­schen Meer schip­pert, klin­gelt sein Handy: Herr­lich ist dran – und sagt zu. Den Urlaub konnte ich natür­lich noch besser genießen“, sagt Schneck. Vor allem weil er aus der Ferne mit­be­kommt, wie Jahn Regens­burg in die Dritte Liga aufsteigt.