Javier Her­nandez, Chicha, Chicharito. Wie sollen wir Sie eigent­lich anreden?
Chícharo könnten Sie noch sagen. Oder Chich­arrón. Stimmt schon, ich habe einige Spitz­namen, jeden­falls inner­halb meiner Familie. Chicharito ist der, der sich in der Öffent­lich­keit durch­ge­setzt hat. Wenn ich zu Hause mal Javier gerufen wurde, wusste ich, es gibt Ärger.

Gab’s oft Ärger?
Soweit ich mich erin­nern kann nicht.

Sie kommen aus einer Fuß­baller-Familie. Wo stand Ihre Wiege? Auf Höhe der Mit­tel­linie?
Fuß­ball war von Beginn an Teil meines Lebens. Die Gesänge der Fans, den Tor­jubel der Spieler, die Anwei­sungen der Trainer – all das hab ich schon im Bauch meiner Mutter zu hören bekommen. Sie war ja ständig im Sta­dion. Mein Leben drehte sich schon um Fuß­ball, bevor ich geboren war.

Ihr Opa Tomás Bal­cazar stürmte für Mexiko bei der WM 1954, Ihr Vater Javier Her­nandez war in den Acht­zi­gern Angreifer der Natio­nal­mann­schaft und nahm an der WM 86 teil. Liegt Ihnen das Tore­schießen also wirk­lich im Blut?
Wenn man meinen Stamm­baum ver­folgt, sieht’s tat­säch­lich so aus. Aber wissen Sie was? Als ich ange­fangen habe, stellte mich unser Trainer im defen­siven Mit­tel­feld auf. Erst nach und nach bin ich immer weiter nach vorn gerückt.

Im defen­siven Mit­tel­feld? Opa und Vater müssen ent­setzt gewesen sein.
Ach, als Kind ist dir doch egal, wo du spielst. Haupt­sache, du bist dabei. Mir hat jede Posi­tion, auf der ich ein­ge­setzt wurde, auch immer Spaß gemacht.

In Lever­kusen war der Spaß in den ver­gan­genen Monaten ver­mut­lich nicht so groß. Bis zum Spiel am ver­gan­genen Sonn­abend sind Sie mehr als 1000 Minuten ohne Tor­er­folg geblieben. Hatten Sie schon mal eine so lange Nega­tiv­phase?
Jeder Stürmer erlebt solche Phasen in seiner Kar­riere. Ich ver­suche, das nicht an mich ran zu lassen, nichts zu lesen, nicht groß­artig dar­über zu spre­chen. Auf dem Feld musst du mit Instinkt spielen, gerade als Stürmer. Wer zu viel nach­denkt, kann keine Tore schießen.

Sport­di­rektor Rudi Völler hatte Sie in der Win­ter­pause unge­wohnt deut­lich kri­ti­siert.
Das ist sein gutes Recht, also alles in Ord­nung. Wir haben als Mann­schaft gerade in der Liga nicht gut gespielt und müssen uns alle stei­gern. Das gilt auch für mich.

Völler war selbst ein erfolg­rei­cher Stürmer. Er hätte Ihnen auch Tipps geben können als Sie nicht getroffen haben. Haben sie in dieser Zeit mit ihm geredet?
Nein, und das ist auch ok. Er muss sich um viele andere Dinge küm­mern und ich denke, ich bin mental auch stark genug, um solche Krisen allein zu meis­tern. Ich habe wäh­rend meiner Kar­riere schon viele Pro­bleme bewältigt.