Wer bangt um seine Auto­rität?
Jorge Mario Ber­go­glio, besser bekannt als Papst Fran­ziskus. Der hat zwar gerade erst die Profis des FC Bayern Mün­chen zu einer Audienz emp­fangen, von ihnen ein Trikot geschenkt bekommen und eine Mil­lion Euro (für gute Zwecke) ein­ge­stri­chen. Doch in Acht nehmen muss er sich vor Bay­erns Trainer Pep Guar­diola. Denn der hat sogar schon die Unfehl­bar­keit von Kno­chen­papst Hans-Wil­helm Müller-Wohl­fahrt infrage gestellt, weil dieser die Gebeine des Hei­ligen Thiago nicht schnell genug wieder geheilt hat.

Wer ist offen für alles?
Der FC Schalke. An Gott kommt nie­mand vorbei. Außer Libuda, hieß es dort schon in den sech­ziger Jahren. Doch der Rechts­außen leistet schon lange keinen Bei­stand im Dies­seits mehr. Und so hat der FC Schalke 04 ver­sucht, mit allerlei Reli­gionen zum Erfolg zu kommen: 1987 hielt der dama­lige Papst Johannes Paul II. eine Messe vor 100.000 Zuschauern im Park­sta­dion ab und wurde anschlie­ßend zum Ehren­mit­glied ernannt – ohne grö­ßeren Erfolg: Ein Jahr später stieg Schalke ab. Und auch schon beim Islam haben sich die Gel­sen­kir­chener bedient, genauer gesagt beim Pro­pheten Mohammed, der – wie in der Ver­eins­hymne besungen – zwar vom Fuß­ball­spielen nichts ver­steht“, sich aber das Blau und Weiße aus­ge­dacht“ habe. Zum Dienst­an­tritt von Roberto Di Matteo stellte die WAZ zehn Gebote vor, mit denen der Neu­an­fang gelingen könne. Im zehnten Gebot wird Di Matteo zitiert und der gibt sich athe­is­tisch: Es gibt keine Wunder – man muss Zeit und Geduld auf­bringen.“ Auch am Samstag gegen Bayer Lever­kusen mit dem Ex-Schalker Kyriakos Papado­poulos, der sich wie­derum in der Sport-Bild als Pro­phet ver­suchte: Ohne Jens Keller wird Schalke jetzt wahr­schein­lich besser.“ Inschallah.

Wer hofft?
Heiko Wes­ter­mann. Sein Klub HSV – der Hin­du­is­ti­sche Sport-Verein – strebt nach der Reinkar­na­tion (erneute Wie­der­ge­burt als Erst­li­gist). Nach dem obli­ga­to­ri­schen Fehl­start gab es zuletzt einen Sieg gegen Borussia Dort­mund und ein Remis gegen TSG Hof­fen­heim. Und so froh­lockt Kapitän Heiko Wes­ter­mann im Kicker“: Ich habe jetzt erst­mals in der ganzen Zeit die Hoff­nung, dass der Verein richtig stabil ist.“ Sogar das Kas­ten­denken scheint auf­ge­hoben: Von ganz oben bis auf den Platz her­unter wird eine Sprache gespro­chen.“ Bleibt nur zu hoffen, dass sich das in den ver­gan­genen Jahren ange­sam­melte schlechte Karma (Miss­wirt­schaft, Fehl­ein­käufe) nicht rächt, viel­leicht schon gegen Hertha BSC.

Und sonst?
Dürfte der Dalai Lama bald Ehren­mit­glied bei Ein­tracht Frank­furt werden. Die Ver­bin­dung steht auch schon, immerhin ist sein lang­jäh­riger Freund, der Katholik und ehe­ma­lige hes­si­sche Minis­ter­prä­si­dent Roland Koch, im Vor­stand des Frank­furter Sta­di­on­be­trei­bers Bil­finger. Und außerdem passt der Verein unter dem neuen Trainer Thomas Schaaf (Platz acht) bes­tens zur bud­dhis­ti­schen Lehre des Mitt­leren Weges – nach den extremen Jahren des Hedo­nismus (ver­spielte Meis­ter­schaft 1992) und der Askese (Abstiege 1996, 2001, 2004 und 2011). Gegen den VfB Stutt­gart geht es nun gegen den Ex-Trainer Armin Veh, dem das Frank­furter Mit­telmaß zu wenig war. Und so ging er nach Stutt­gart zurück, wo er einst Deut­scher Meister wurde und sich nun im Abstiegs­kampf in Demut üben muss.