Der erste offi­zi­elle Besuch liegt mitt­ler­weile vier Jahre zurück. Im Februar 2010 reiste die Horde Zla“, die füh­rende Ultra­gruppe des FK Sara­jevo, zum ersten Mal nach Dresden. Sams­tag­mittag, Heim­spiel gegen Rot-Weiß Erfurt, 1:0‑Sieg für Dynamo. Es war der Beginn einer tiefen Freund­schaft zwi­schen den Bos­niern und der füh­renden Ultra­gruppe in Dresden, den Ultras Dynamo“. Die erklärten in einem Inter­view mit Sta­di­on­welt“ einige Monate später, es sei ihnen eine große Ehre gewesen, die Horde Zla erst­mals begrüßen zu dürfen. So konnte man die bis­he­rigen freund­schaft­li­chen Kon­takte auf die Gesamte Gruppe Ultras Dynamo erweitern“. 

Seit diesem Besuch unter­stützen sich die Gruppen gegen­seitig, ganz offi­ziell bei Heim- und Aus­wärts­spielen. Dres­dener bekun­deten 2011 ihr Mit­leid, als ein Fan des FK Sara­jevo bei Aus­schrei­tungen in Brijeg starb. Zuvor hatten Sara­jevo-Anhänger ihre deut­schen Freunde bei den Rele­ga­ti­ons­spielen gegen Osna­brück unter­stützt. Auch im Europa-League-Hin­spiel in Sara­jevo gegen Borussia Mön­chen­glad­bach vor einer Woche waren knapp 30 Dres­dener Ultras anwe­send, samt rie­siger Ultras-Dynamo-Zaun­fahne direkt hinter dem Tor. 

Trinkt ein Bier weniger“

Obwohl die gegen­sei­tigen Besuche also voll­kommen normal sind, ist das das Spiel des FK Sara­jevo in Mön­chen­glad­bach nun etwas Beson­deres. Die Fans, die Mann­schaft und die Offi­zi­ellen vom FK Sara­jevo haben sich für ihr Play-off-Spiel nichts sehn­li­cher gewünscht, als einen Gegner im deutsch­spra­chigen Raum“, schrieben die Dres­dener Ultras vor einigen Wochen bei Face­book. Man wolle den befreun­deten bos­ni­schen Haupt­stadt-Klub nun zum ersten Mal ganz offi­ziell in einem Wett­be­werb auf deut­schem Boden unter­stützen. Der Aufruf: Jeder inter­es­sierte Dynamo-Anhänger solle mit nach Mön­chen­glad­bach reisen.

Die Vor­freude auf die Partie merkt man den Ultras Dynamo“ an. In den ver­gan­genen Tagen ver­öf­fent­lichten sie über die Face­book-Seite K‑Block Dynamo“ vier Regeln, an die sich jeder Dres­dener am Don­nerstag zu halten habe: Jeder solle sich dar­über im Klaren sein, dass man Gast sei, den Takt würden die Fans des FK Sara­jevo angeben. Dazu solle jeder Anhänger in den Ver­eins­farben der Bos­nier anreisen, im schi­cken weinrot“. Und außerdem zähle am Spieltag nur Sara­jevo und nicht Dynamo. Trinkt ein Bier weniger und ver­sucht vor allem, im Sta­dion so viel wie mög­lich mit­zu­ma­chen“, appel­lierte die Gruppe.

Offi­zi­eller Ver­kauf in Dresden

In Bos­nien regis­triert man die ange­kün­digte Unter­stüt­zung mit Wohl­wollen. In Absprache mit der Horde Zla“ hat der FK Sara­jevo den Ultras Dynamo“ sogar ein eigenes Kar­ten­kon­tin­gent zuge­si­chert. Die Ein­tritts­karten wurden in Dresden ganz offi­ziell ver­kauft. Weil die Gruppe aber erwar­tete, dass die Nach­frage an Karten wohl um ein viel­fa­ches höher sein wird, als das Angebot“, rief sie dazu auf, sich auch über das offi­zi­elle Glad­ba­cher Ticket­portal mit Karten neben dem Gäs­te­block einzudecken.

Etwas über 350 Tickets wurden laut unseren Recher­chen vom FK Sara­jevo an die Dres­dener Ultras abge­treten – und alle­samt ver­kauft. Im Mön­chen­glad­ba­cher Polizei- und Ver­eins-Umfeld rechnet man mit bis zu 400 Dres­dener Gästen. Borussia-Pres­se­spre­cher Markus Aretz erklärt die Karten-Kon­stel­la­tion: Der FK Sara­jevo hat von uns 1500 Karten erhalten und davon etwa 800 ver­kauft.“ Das heißt im Umkehr­schluss: Knapp die Hälfte der anrei­senden Gäs­te­an­hänger kommt aus Sachsen. Dass meh­rere Hun­dert Fans eines dritten Ver­eins einem Europa-League-Spiel bei­wohnen, ist zumin­dest in Deutsch­land wohl ein Novum. Die übrig geblie­benen 700 Tickets aus dem bos­ni­schen Kon­tin­gent sollen an der Abend­kasse ver­kauft werden. Für inter­es­sierte Sara­jevo-Anhänger, in Deutsch­land lebende Bos­nier oder eben auch mit­rei­sende Dresdener.

Doch nicht jeder sieht dem Besuch der Rei­se­gruppe aus Sara­jevo und Dresden ent­spannt ent­gegen. Die Rhei­ni­sche Post gar­nierte den Bericht über die anrei­senden Dynamo-Fans mit dem Zusatz: Die gelten als beson­ders gewalt­be­reit.“ Einige andere Stimmen warnen eben­falls, die Dres­dener könnten die Bühne des inter­na­tio­nalen Geschäftes nutzen wollen, um Kra­walle anzu­stiften, für die ihr Verein nicht auf­kommen muss. In Dresden kann man solche vor­ei­ligen Erwar­tungen nur schwer ver­stehen. Aus Ver­eins­kreisen heißt es, die Fahrt der Ultras nach Sara­jevo sei ein reiner Freund­schafts­be­such. Man glaubt nicht, dass es wirk­lich zu Aus­schrei­tungen kommt.

Die kennen ihre Pappenheimer“

Die Mön­chen­glad­ba­cher Polizei will sich auf solche Aus­sagen aller­dings nicht ver­lassen. Spre­cher Willy The­veßen wie­gelt ab: Wir haben das im Auge. Dass sich die Dynamo-Fans ange­sagt haben, ist außer­ge­wöhn­lich. Auf diese Situa­tion hätten wir gerne ver­zichtet.“ Unter­stüt­zung erhalten die Glad­ba­cher Polizei-Kräfte durch sze­ne­kun­dige Beamte aus Dresden. Die kennen ihre Pap­pen­heimer und haben sie im Auge“, so Theveßen. 

Um die ange­spannte Sicher­heits­lage zu beru­higen, wurde den Fans des FK Sara­jevo ange­boten, sich früh­zeitig am Sta­dion zu treffen, um sich gemeinsam auf das Spiel ein­zu­stimmen. Ob die Bos­nier das Angebot annehmen, ist noch unklar. Die Poli­zei­prä­senz wird jeden­falls im gesamten Stadt­ge­biet erhöht. Sie ist nach Angaben der Behörden zwar geringer als bei einem Derby gegen den 1. FC Köln, aber höher als bei einem nor­malen Bun­des­li­ga­spiel. Sorgen bereitet den Sicher­heits­kräften, dass sie nicht genau ein­schätzen können, wie die Glad­ba­cher Fans auf den Besuch aus Sara­jevo und Dresden reagieren. Die aktive Fan­szene der Borussia trifft sich bereits um 12 Uhr auf dem Alten Markt in der Alt­stadt – über acht Stunden vor dem Spiel.