Ohne Zweifel ist Samuel Eto’o nach wie vor der Star der Unzähm­baren Löwen“ aus Kamerun. Eto’o spielt in Bra­si­lien seine vierte Welt­meis­ter­schaft, in seiner Vita finden sich zahl­reiche Meis­ter­schaften, drei Cham­pions-League-Siege und zwei gewon­nene Afrika-Cups. Er ist erfolg­reich und erfahren, ein inter­na­tio­naler Star. Doch der Spieler, auf dessen Schulter die WM-Hoff­nungen der kame­ru­ni­schen Fans ruhen, ist Eto’o nicht. 

Das ist Vin­cent Aboubakar. 

Der 22-jäh­rige Abou­bakar war noch nie Meister. Weder in Afrika, noch in Europa, wo er im beschau­li­chen Lorient kickt. Aber er ist ein Hoff­nungs­träger, der am Beginn einer aus­sichts­rei­chen Kar­riere steht. Bereits 2010, Abou­bakar spielte noch für den kame­ru­ni­schen Klub Cotons­port Garoua, war er Mit­glied des WM-Kaders der Unzähm­baren Löwen“ – als ein­ziger Spieler, der sein Geld noch in der hei­mi­schen Liga ver­diente. Obwohl er im Tur­nier nicht zum Ein­satz kam, signa­li­sierte Valen­ci­ennes Inter­esse am ver­hei­ßungs­vollen Sturm­ta­lent und lotste ihn nach Frank­reich. Doch die noch junge Kar­riere geriet ins Sto­cken. In seinen drei Jahren in Valen­ci­ennes machte Abou­bakar kaum auf sich auf­merksam und zog schließ­lich nach Lorient weiter. Die rich­tige Ent­schei­dung. Mehr noch: ein Befreiungsschlag.

Der spek­ta­ku­läre Seehecht

In der ver­gan­genen Saison waren seine Auf­tritte im Trikot der See­hechte“, so der Spitz­name des Klubs, derart spek­ta­kulär, dass bereits gemut­maßt wird, Abou­bakars Kar­riere würde dem­nächst bei einem weniger beschau­li­chen Klub ihre erfolg­reiche Fort­set­zung finden. 16 Tore und fünf Assists machten aus dem ehe­ma­ligen Mit­läufer den dritt­besten Scorer der ver­gan­genen Ligue 1‑Saison, hinzu kamen zahl­reiche Man-of-the-Match-Per­for­mances. Kein Wunder also, dass Abou­bakar für den Marc-Vivien Foé-Preis, die Aus­zeich­nung für den besten afri­ka­ni­schen Spieler Frank­reichs nomi­niert wurde.

Ohne Abou­bakar, soviel lässt sich sagen, wäre der vor der Saison als Abstiegs­kan­didat gehan­delte FC Lorient im End­klas­se­ment nicht auf einem starken achten Platz gelandet. Wobei seinem Coach Chris­tian Gour­cuff ein großer Anteil an Abou­bakars Ent­wick­lung zukommt. Erst unter Gour­cuff konnte der sen­sible Stürmer sein volles Poten­tial aus­schöpfen. Dabei war Fin­ger­spit­zen­ge­fühl gefragt: Es war offen­sicht­lich, dass er sich wohl­fühlen muss, um Leis­tung zu bringen Das haben wir sofort gemerkt.“ Auch Kame­runs Trainer Volker Finke schenkt Abou­bakar mitt­ler­weile sein Ver­trauen. Bereits im Februar ließ Finke wissen, dass Abou­bakar Teil des WM-Kaders sein wird, und es scheint nicht unwahr­schein­lich, dass er auch heute, im ersten Grup­pen­spiel der Kame­runer, von Beginn an auf dem Platz steht. 

Tempo und Kaltschnäuzigkeit

Gegen eine Startelf-Nomi­nie­rung Abou­bakars hätten sicher­lich auch die kame­ru­ni­schen Fans nichts ein­zu­wenden. Denn in der Form der abge­lau­fenen Saison, da sind sich alle einig, wird er die Defen­siv­reihen der Grup­pen­gegner Mexiko, Kroa­tien und Bra­si­lien vor das ein oder andere Pro­blem stellen. Er hat eine enorme Ruhe im Abschluss ent­wi­ckelt.“, so Henri Manga, ein kame­ru­ni­scher Trainer. Sein Tempo und seine Kalt­schnäu­zig­keit vor dem Tor machen ihn sehr wichtig für das Team, ebenso seine Technik. Abou­bakar ist sehr gefähr­lich, er ist eine Waffe. Das wird auch unseren Geg­nern nicht ver­borgen geblieben sein.“ 

Falls dem doch so ist, sollten sich die Gegner das Freund­schafts­spiel der Kame­runer gegen Por­tugal erneut ansehen. Das ver­loren die Löwen zwar mit 1:5, aber Abou­bakars fan­tas­ti­sches Tor deu­tete an, welche Fähig­keiten noch in dem Mit­tel­stürmer schlummern.

Arthur Wandji ist Teil des Guar­dian-Netz­werks“ und schreibt für Cam​foot​.com. Folgt ihm hier auf Twitter!