Stefan Kieß­ling
Ganz klar: Stefan Kieß­lings Phan­tomtor gegen Hof­fen­heim war die Szene der Hin­runde. Nach einer Ecke schä­delte der gefühlte Rekord-Nicht-Natio­nal­spieler in Reihen der Lever­ku­sener den Ball knapp am Pfosten vorbei ans Außen­netz, drehte ent­täuscht ab und begann, sich zu ärgern, wäh­rend im Hin­ter­grund der Ball durch ein Loch im Netz doch noch im Tor lan­dete. Schiri Felix Brych gab den Treffer, die Mit­spieler taten etwas, das wir an dieser Stelle Gra­tu­lir­ri­tieren“ nennen wollen und Kieß­ling nahm das geschenkte Tor getreu dem bewährten Swin­ger­club-Motto Alles mit­nehmen, was kommt.“ gerne an. Am Ende stand ein Lever­ku­sener Sieg in Sins­heim und Fuß­ball­deutsch­land dis­ku­tierte wochen­lang auf­ge­regt über Fair-Play und Moral. Ein ähn­lich kon­tro­verser Treffer gelang zuletzt Boris Becker in einer Lon­doner Besenkammer. 

Pep Guar­diola
Kurz nach dem Triple-Sieg der Bayern im Sommer wurde es zu einem beliebten Pau­sen­spiel in der Redak­tion, sich Jobs zu über­legen, die noch unan­ge­nehmer wären, als Jupp Heynckes bei den Über-Bayern zu beerben. Aus Respekt vor dem Prak­ti­kanten, der aus­schließ­lich für die Spuck­näpfe in unseren Büros ver­ant­wort­lich ist, hörten wir schnell wieder damit auf, die Frage blieb jedoch berech­tigt. So groß war der Erfolg der Bayern unter Don Jupp, dass Don Pep eigent­lich schei­tern musste. Es war ja ange­richtet: Ein neuer Trainer, der Zeit braucht, um die Mann­schaft ein­zu­stellen. Alpha­tiere zuhauf an der Säbener Straße, der stete Erfolgs­druck beim FCB, vom Triple gesät­tigte Stars. Aber nix da, der Welt­trainer mit der Aura eines Kunst­ge­schichte-Juni­or­pro­fes­sors schaffte es im Hand­um­drehen, die ohnehin schon nahezu unbe­sieg­baren Bayern noch besser zu machen. Und machte aus dem Triple ein Quin­tuple. Viel­leicht ja doch ein ganz ange­nehmer Job. 

Franck Ribéry
Dass sich die Bayern so kom­pro­misslos durch die Wett­be­werbe bal­lern wie einst Arnie Schwar­zen­egger durch Ter­mi­nator 2, liegt auch daran, dass sie den der­zeit viel­leicht besten Spieler der Welt in ihren Reihen wissen. Ribéry steht im Zenit seines Schaf­fens und spa­ziert zur­zeit so selbst­ver­ständ­lich durch die Abwehr­reihen der Liga, dass nur noch Clowns­nase und Tutu zur per­fekten Gegner-Demü­ti­gung fehlen würden. Wahr­schein­lich könnte er sich auch Pumps anziehen, er wäre auf dem Rasen immer noch schneller und beweg­li­cher als der Rest. Klar, dass der Erfolg da quasi von alleine kommt. Das Quin­tuple und den Titel Europas Fuß­baller des Jahres“ hat er schon, dem­nächst steht die Welt­fuß­bal­ler­wahl an. Zudem ist auch die Welt­meis­ter­schaft nicht mehr lange hin, mit einem Ribéry in Top­form könnte Frank­reich durchaus zum Kreis der Titel­an­wärter zählen. Bei Ribéry passt der­zeit also ein­fach alles. Bis auf diese, naja, ihr wisst schon, Gerichts­sache in Frankreich…

Max Kruse
Wer wissen möchte, wie man inner­halb von drei Jahren einen sicheren Absteiger zu einer Spit­zen­mann­schaft formt, die auf Platz 3 über­win­tert, der möge mal bei Glad­bachs Trainer Lucien Favre nach­fragen. Wir wissen es jeden­falls nicht, wir können nicht einmal Bun­des­liga Manager Hat­trick“ aus der Packung holen, ohne uns dabei die Daumen zu bre­chen. Ein Teil des Erfolgs­re­zepts wird aber ziem­lich sicher Max Kruse heißen. Der vor der Saison für die kol­por­tierte Ablöse eines herz­haften Lachers aus Frei­burg nach Glad­bach gewech­selte Offen­siv­mann hat sich in den ver­gan­genen Jahren zu einem abso­luten Klas­se­spieler ent­wi­ckelt und macht bei der Borussia genau da weiter, wo er letzte Saison auf­ge­hört hat: Mit mili­tä­ri­scher Prä­zi­sion bombt er ein­fach alles in Grund und Boden. Tja, der Mann weiß schon, warum er einen Camou­flage-Mase­rati fährt.

Raphael Schäfer
Die begehrte 11FREUNDE-Wut­höhle in Guss­eisen“ geht in dieser Hin­runde an Nürn­bergs Keeper Raphael Schäfer. Schäfer ist ohnehin schon jemand, der Kon­ser­ven­dosen allein dadurch auf­schrauben kann, dass er sie böse anguckt. Gegen Ende einer durch­wach­senen Hin­runde wirkte Schäfer aber bis­weilen derart ange­fressen, dass selbst Mat­thias Sammer anfing, vorm Schla­fen­gehen im Schrank nach­zu­sehen, ob nicht ein zor­niger Schäfer drinsitzt, der ihn im Schlaf auf­frisst. Klar, es lief nicht gut für den Club und auch die eine oder andere Schieds­rich­ter­ent­schei­dung war unglück­lich – ein wenig mehr Aus­ge­gli­chen­heit würde Schäfer aber trotzdem gut tun. Viel­leicht gibt es ja so etwas wie Hass-Yoga an der VHS Nürn­berg. Oder Auto­genes Wut-Training. 

Timo Werner
Lobend erwähnen wollen wir an dieser Stelle Stutt­garts Nach­wuchs­hoff­nung Timo Werner. Der Bub spielt gerade seine erste Pro­fi­saison und hat nach 17 Spielen bereits mehr Tore geschossen als alle sieb­zehn­jäh­rigen Bun­des­li­ga­de­bü­tanten vor ihm. Aber nicht nur seine durchaus ker­nige Tref­fer­quote ist es, die uns warm ums Herz werden lässt. Es ist vor allem sein stechuh­riger Arbeits­ethos, mit dem der junge Mann Woche für Woche seiner Arbeit nach­geht. Hilft ja nix, muss ja, also Ärmel hoch und 90 Minuten ackern. Wenn wir nur halb so enga­giert zu Werke gingen wie Werner, hießen wir längst 11FREUNDE-Spox-Bra­vo­Sport-Kicker-Spiegel-Stern-Burda“ und würden in Rupert Mur­dochs Jac­cuzzi Seelen zum Früh­stück essen. Aber man kann ja nicht alles haben. 

Markus Wein­zierl
Eine, wenn nicht die Über­ra­schung der Hin­runde sind die Augs­burger. Vor der Saison von nicht wenigen als der Abstiegs­kan­didat Nummer Eins gehan­delt, hat das Team von Markus Wein­zierl im Laufe der Hin­serie einen Team­geist ent­wi­ckelt, den man bis­lang nur aus der Königs­dis­zi­plin der cine­as­ti­schen Schöp­fung kannte: der Acht­zi­ger­jahre-Sport­ko­mödie. Sen­sa­tio­nelle 24 Punkte hat sich der FCA bereits zusam­men­ge­hams­tert – und damit in etwa so viele wie in den beiden zurück­lie­genden Sai­sons zusammen. Gefühlt, zumin­dest. Wein­zierl ver­dient dar­über hinaus höchsten Respekt, weil er Spie­lern wie Halil Alt­intop oder Raul Boba­dilla zu uner­war­teter Blüte ver­hilft. Nur dass Sascha Möl­ders zumeist auf der Bank sitzt und nicht wie noch letztes Jahr in freier Wild­bahn durch die Sech­zehner möl­dert, stört uns. Viel­leicht ja in der Rück­runde wieder.

Jos Luhukay
In Berlin ist man Jos Luhukay zu Dank ver­pflichtet. Nicht nur, weil er die bei Hip­stern schon so beliebte Nasen­haar-Schnauz­bart-Kombo end­lich salon­fähig gemacht hat, son­dern vor allem, weil er mit seiner Hertha eine wei­tere posi­tive Über­ra­schung der Hin­runde dar­stellt und offen­siven und erfolg­rei­chen Fuß­ball spielen lässt. Mit ent­spannten 28 Punkten über­win­tern die Ber­liner auf einem starken sechsten Platz, wie ange­nehm die Situa­tion bei der Alten Dame gerade ist, sieht man auch daran, dass Michael Preetz’ Stirn nicht mehr an eine Käse­reibe erin­nert son­dern so Sor­gen­fal­ten­frei ist wie seit seiner aktiven Zeit nicht mehr. Darauf einen Bro­cken Parmesan. 

Oliver Bau­mann
Oliver Bau­manns Wahn­sinn­s­patzer gegen Ham­burg werden in garan­tiert jedem Sai­son­rück­blick zu sehen sein. Gegen die Han­seaten ver­schätzte sich Bau­mann gleich zweimal gra­vie­rend beim Her­aus­laufen, beide Fehler resul­tierten in slap­stick­haften Gegen­toren. Zwei unglaub­liche und fast iden­ti­sche Fehler waren das, die so Pan­nenolli-esk waren, dass wahr­schein­lich irgendwo in Düs­sel­dorf Olli Reck von seiner Couch auf­stand und des­ori­en­tiert und grundlos in den Garten lief. Auch das dritte Tor beim 0:3 ging auf Bau­manns Kappe, die Frei­burger Fans fei­erten den Keeper aber trotzdem. Ein feiner Zug. Am nächsten Spieltag zahlte Bau­mann das Ver­trauen übri­gens zurück und lie­ferte gegen Nürn­berg eine Welt­klasse-Partie ab. Mund abputzen, wei­ter­ma­chen like a Boss. 

Pierre-Michel Lasogga
Wenn es beim ewig kri­selnden, schlamm­schlach­tenden, trai­ner­wech­selnden HSV zumin­dest so eine Art Gewinner gibt, dann ist das wohl Pierre-Michel Lasogga. Dabei waren wir, als Lasoggas Wechsel von Hertha zu Ham­burg fest­stand, in großer Sorge um den Ex-U21-Natio­nal­büffel, schließ­lich ist der HSV für Stür­mer­ta­lente in etwa das, was Kryp­tonit für Superman ist. Aber siehe da: Lasogga ver­zich­tete auf den trau­rigen, abschüs­sigen Weg der Bergs und Lauths und ochste sich erfolg­reich durch die Straf­räume der Liga. Stolze neun Tore in 13 Spielen erwühlte sich Ham­burgs neue Sturm­hoff­nung und träumt jetzt von der WM 2014 in Bra­si­lien. Naja, warum nicht. Viel­leicht ja als Bagger oder Pla­nier­raupe bei den Bau­ar­beiten des deut­schen WM-Quartiers. 

Manuel Fried­rich
Dass Come­back der Hin­runde fei­erte Dort­munds Manuel Fried­rich. Eben noch beim Beach­soccer an den Stränden Thai­lands, rissen irgendwo in Dort­mund zwei ent­schei­dende Bänder und prompt war Alters­teil­zeitler Fried­rich wieder mit­ten­drin im Big Buden­s­li­ga­busi­ness. Das viel­leicht uner­war­te­teste Come­back seit Modern Tal­king, glück­li­cher­weise aber nicht so schlecht, denn Fried­rich übt seine Aus­hilfs­tä­tig­keit in der Dort­munder Ver­tei­di­gung durchaus gewis­sen­haft aus. Wenn auch die Resul­tate bisher nicht unbe­dingt stimmen. Aber das kann ja im neuen Jahr noch werden, die WM könnte für den neun­ma­ligen Natio­nal­spieler und eins­tigen Füh­rungs­spieler im Team 2006 ein Anreiz sein.