Kevin-Prince Boateng
Gegen Ende der Trans­fer­phase öffente Horst Heldt kurz das Trans­fer­fenster und warf einen Trans­fer­knaller in die Gerüch­te­küche, der so laut war, dass uns immer noch die Ohren klin­geln. Er holte Kevin-Prince Boateng zu Schalke. Mit seiner inter­na­tio­nalen Klasse und seinen Füh­rungs­qua­li­täten passe Boateng per­fekt ins Profil, so die Schalker Ver­ant­wort­li­chen. Was KPB nur einen Tag nach seiner Ver­pflich­tung direkt mal unter Beweis stellte und beim 2:0 gegen Lever­kusen eine ordent­liche erste Partie spielte, die Lust auf mehr macht. Auch im anschlie­ßenden Inter­view gab sich Boateng nett und gereift, lächelte jede noch so kli­scheeige Frage nach seinem angeb­lich ja so schwie­rigen Wesen sou­verän weg und war ins­ge­samt eine Ent­täu­schung für all jene, die dachten, er würde sich mit einer Kopf­nuss zurück­melden, nach einem Platz­ver­weis vom Feld moon­walken, in der Mixed-Zone Clo­thes­lines ver­teilen oder Michael Bal­lacks Sprung­ge­lenk an einer Kette um den Hals tragen. Auch wenn Boateng sicher­lich kein Kind von Trau­rig­keit ist: Nicht jedes Kli­schee ent­spricht tat­säch­lich der Wahr­heit. Für Boateng blieb übri­gens Jer­maine Jones auf der Bank, der ja so etwas wie eine Light-Ver­sion von Boateng ist. Aber warum die Fäl­schung spielen lassen, wenn man jetzt das Ori­ginal hat?

Javier Pinola
Javier Pinola war kaum noch ein­zu­fangen. Der Mann, der durch die Erfin­dung des Comb-Over-Halb­glatzen-Iros einen eigenen Ein­trag im Lehr­buch für ange­hende Fri­seure hat, blickte mit auf­ge­ris­senen Augen ins weite Rund, tobte, motzte, wre­s­telte kurz mit Schiri Michael Weiner und erteilte auf dem Weg in die Kabine der Vierten Offi­zi­ellen Bibiana Stein­haus noch eine kleine Ein­füh­rung in die bunte Welt argen­ti­ni­scher Schimpf­wörter. Gerade hatte Pinola näm­lich seine zweite Gelbe gesehen, Weiner hatte diese aber erst gegeben, nachdem Stein­haus auf die Schwere des Ver­ge­hens hin­ge­wiesen hatte. Ein eher unge­wöhn­li­ches, aller­dings regel­kon­formes Vor­kommnis, was in Nürn­berg natur­gemäß alle anders sahen. In Unter­zahl fingen sich die Franken dann gegen Augs­burg auch noch das 0:1, für Pinola war das ganze natür­lich zum Haa­re­rauf… äh… ach, egal. 

Heinz Müller
Der gol­dene 11FREUNDE-Pan­nenolli“ geht in dieser Woche an Mainz’ Keeper Heinz Müller. In einem Spiel, das der FSV bis dahin absolut unter Kon­trolle hatte, rutschte Müller nach 30 Minuten eine relativ harm­lose Flanke so derart unge­schickt durch die Finger, dass man meinen konnte, die Alters­heim-Älteste stünde im Tor der Mainzer. Han­no­vers Mame Diouf nickte die Murmel zum Aus­gleich ein und auch wenn letzt­gültig nicht zu klären war, ob der Ball die Linie über­querte oder nicht, gab Schiri Wink­mann den Treffer. Die Mainzer taten mit dem Spiel anschlie­ßend das, was ihr Keeper mit dem Ball getan hatte: Sie gaben es aus der Hand. Und wurden dann noch mit 1:4 ver­sohlt. Das vierte Han­no­ve­raner Tor machte übrigens…

Edgar Prib
…und es dürfte ein wirk­lich beson­deres Gefühl für Prib gewesen sein, denn der arme Kerl spielte ver­gan­genes Jahr noch in Fürth und was das bedeutet, hat ja ganz Fuß­ball­deutsch­land sehen können. Das Gefühl des Sie­gens hat Prib also etwas länger nicht mehr genießen dürfen, ins­be­son­dere vor hei­mi­scher Kulisse nicht, denn die bedau­erns­werten Für­ther konnten ver­gan­genes Jahr tat­säch­lich kein Heim­spiel gewinnen. Tas­mania-tas­tisch. Aller­dings auch Schnee von ges­tern, Prib ist jetzt Han­no­ve­raner und steu­erte beim 4:1‑Sieg den letzten Treffer bei, wor­aufhin er sich end­lich mal wieder vor der hei­mi­schen Fan­kurve freuen durfte, anstatt sich vor der hei­mi­schen Fan­kurve zu schämen und zu ent­schul­digen, wie er es aus der letzten Saison ja gewohnt war. Schön. 

Har­vard Nordtveit
Noch unter der Woche trom­pe­tete Mön­chen­glad­bachs Har­vardt Nordtveit eine Kampf­an­sage an seine Kon­kur­renten auf der Sech­ser­po­si­tion durch die Presse. In kür­zester Zeit war dem Nor­weger näm­lich der Stamm­platz ver­loren gegangen, was zuvor­derst an den for­mi­da­blen Leis­tungen seines neuen Kol­legen Chris­toph Kramer lag. Nun durfte Nordtveit gegen Werder Bremen mal wieder ran und ließ den großen Worten nach seiner Ein­wechs­lung prompt Taten folgen, als er per Kopf ein­netzte. Dum­mer­weise ins eigene Tor, mit einer unbe­hol­fenen Bewe­gung, die wir so ähn­lich zuletzt auf der Tanz­fläche der 11FREUNDE-Weih­nachts­feier gesehen haben. Tja, blöd, aller­dings auch nicht weiter schlimm, schließ­lich hat Nordtveit ja Bud­dies wie Juan Arango, Patrick Herr­mann und Max Kruse, die Bre­mens Abwehr kur­zer­hand auf Links zogen und 4:1 nach Hause schickten. 

Hakan Cal­ha­noglu
Gestatten: Hakan Cal­ha­noglu. Der erst 19-jäh­rige Deutsch­türke gab am Samstag im Spiel des HSV seine Visi­ten­karte ab und schoss nach seiner Ein­wechs­lung direkt mal zwei Tore. Na gut, er traf gegen über­for­derte Braun­schweiger, die sich der­zeit so desolat prä­sen­tieren, dass auch wir eine reelle Chance auf unser erstes Bun­des­li­gator hätten, wenn man uns nur mal ein­wech­seln würde. Da aber nicht wir, son­dern Cal­ha­noglu die Nach­wuchs­hoff­nung des HSV ist, bekam er die Chance und nutzte sie auf beein­dru­ckende Weise. Ins­be­son­dere sein zweites Tor ver­dient Erwäh­nung, denn der Frei­stoß, den Cal­ha­noglu in den Winkel zim­merte, war so prä­zise und hart geschossen, dass irgendwo in Bra­si­lien dem großen Jun­inho wahr­schein­lich Tränen in die Augen schossen.

Hen­rikh Mkhi­ta­ryan
Tja, wir hatten befürchtet, dass wir diesen Namen häu­figer schreiben müssen. Also gut: Beim Dort­munder 2:1 gegen starke Frank­furter war Hen­rikh Mkhi­ta­ryan mit seinen beiden Toren der Match­winner. Nach Pierre-Eme­rick Aub­ameyang zeigte nun also auch der zweite hoch­ka­rä­tige Dort­munder Ein­kauf, dass er durchaus schon das ein oder andere mal Fuß­ball gespielt hat. Seine Direkt­ab­nahme zum 1:0, vor allem aber sein Sieg­treffer von der Straf­raum­grenze ins lange Eck sind bei dem ein oder anderen Spieler auch schon auf der Tri­büne gelandet. Mkhi­ta­ryan aber weiß, wo der Kasten steht. Und wir wissen so langsam, wo sich in seinem Namen die Kon­so­nanten und Vokale befinden.
 
Vedad Ibi­sevic
Als das Kreuz­band des Kraich­gaus“ ist Ibi­sevic bereits in die schmalen Geschichts­bü­cher der TSG ein­ge­gangen, am Sonntag fügte Ibi­se­goal“ ein neues Kapitel hinzu. Gegen seinen Ex-Klub prä­sen­tierte sich der Bos­nier, wie übri­gens das gesamte Stutt­garter Team, derart spiel- und lauf­freudig, dass Bruno Lab­badia wahr­schein­lich immer noch zuhause vorm TV sitzt und irri­tiert und gedan­ken­ver­loren den Kopf schüt­telt. Seine Leis­tung krönte Ibi­sevic mit drei Tref­fern und stach damit als Match­winner aus einer ganzen Reihe poten­ti­eller Match­winner noch ein wenig heraus. Lobende Erwäh­nung soll hier aller­dings auch…

Timo Werner
zuteil kommen. Der erst 17-jäh­rige Stürmer wurde von Neu-Trainer Thomas Schneider gegen Hof­fen­heim ins kalte Wasser geworfen und dankte es dem Coach mit zwei Tor­vor­lagen und seinem nim­mer­müden Ein­satz, mit dem er Gegen­spieler Andreas Beck aber ordent­lich den Kopf wusch. Neben den Haupt­dar­stel­lern Ibi­sevic und dem wie auf­ge­dreht spie­lenden Alex­andru Maxim spielte Werner beim 6:2 die beherz­teste Neben­rolle seit Sam­weis Gamd­schie in Der Herr der Ringe“. Einzig das Tör­chen hat gefehlt, aber das, da lehnen wir uns mal aus dem Fenster, wird sicher­lich bald kommen, der Junge ist näm­lich eine ziem­liche Gra­nate. Bliebe einzig die Frage: Wie konnte den TSG-Scouts ein sol­ches VfB-Talent nur durch die Lappen gehen? 

Franck Ribéry
Ok, eigent­lich hat Franck Ribéry in dieser Liste nichts ver­loren, denn streng genommen haben seine Bayern ja am Wochen­ende gar nicht in der Liga gespielt. Da wir aber blu­men­kin­der­hafte Frei­geister sind, die von Worten wie eigent­lich“ und streng genommen“ nichts halten und auch Heino in diese Liste auf­nehmen würden, wenn er irgend­etwas fuß­ball­be­zogen-skur­riles machen würde (wofür wir jeden Tag eine Kerze anzünden), nehmen wir Ribéry trotzdem auf. Denn zunächst hat Ribéry mit seinen Bayern am Freitag den euro­päi­schen Supercup gewonnen. Vor allem aber wurde er Tags zuvor zu Europas Fuß­baller des Jahres“ gekürt, als erster Bun­des­li­ga­profi seit Mat­thias Sammer 1996. Nach seiner her­aus­ra­genden Leis­tung im letzten Jahr war das absolut ver­dient, wie wir finden. Glück­wunsch dazu. 

José Mour­inho
Ver­bleiben wir noch ein wenig beim Freitag, denn das gibt uns die Chance, unsere Elf mit einem illus­tren Gast zu gar­nieren: Chel­seas Coach José Mour­inho. Der Spe­cial One“ zeigte nach der Nie­der­lage gegen die Bayern mal wieder, wie spe­cial er wirk­lich ist und ließ sich zu allerlei Ver­schwö­rungs­theo­rien hin­reißen, denn klar: Er selber oder seine Spieler hatten an der Nie­der­lage keine Schuld. Es habe die bes­sere Mann­schaft ver­loren, meinte Mou, was uns glauben lässt, dass er wäh­rend des Spiels auf einem Taschen­fern­seher noch mal das Finale Dahoam“ von 2012 ange­schaut haben muss. Das bes­sere Team waren näm­lich ganz klar die Bayern. Aber gut, Mou wäre nicht Mou, wenn nicht die Schieds­richter, der Rasen, Pep Guar­diola, die Tem­pel­ritter, die CIA oder sonst wer Schuld an seiner Nie­der­lage trüge. Er ist eben ein biss­chen, naja, spe­cial“