Hor­acio Gag­gioli, Sie sind Spie­ler­be­rater und der Besitzer der berühm­testen Ser­vi­ette der Welt. Haben Sie heute schon nach ihr gesehen?
Nein, nein, das geht auch gar nicht. Die Ser­vi­ette ist in einem Safe in einer Bank in Bar­ce­lona. Da wird sie sicher auf­be­wahrt. Ich habe bei mir zuhause nur eine Kopie zu liegen. 

Auf dem Stück Papier, so heißt es, wurde der erste Ver­trag zwi­schen Lionel Messi und dem FC Bar­ce­lona unter­schrieben..
Stimmt nicht ganz, obwohl es heute oft behauptet wird. Carles Rexach, damals Sport­di­rektor beim FC Bar­ce­lona, hat ledig­lich eine Absichts­er­klä­rung unter­schrieben, dass der Klub Leo ver­pflichten wird. Ein rich­tiger Ver­trag war das aber noch nicht. 

Was hat Rexach zu so einem dras­ti­schen Schritt bewogen, dass er auf einer Ser­vi­ette unter­schrieb?
Die Situa­tion war damals fol­gende: Jorge Messi, Leos Vater, stand schon seit einiger Zeit mit dem FC Bar­ce­lona im Kon­takt. Der Verein wurde jedoch nicht wirk­lich kon­kret. Sie sagten zwar, dass sie Leo wollten, aber es pas­sierte nichts. Wie man hörte, wollten einige das Risiko nicht auf sich nehmen, einen 13-jäh­rigen, klein­ge­wach­senen Argen­ti­nier zu holen. Wochen ver­stri­chen und Jorge Messi wurde langsam unge­duldig. Er wollte wissen, was Sache ist. An diesem Tag, es war der 14. Dezember 2000, trafen sich alle Par­teien in einem Restau­rant in Bar­ce­lona. Vater Messi drohte, mit seinem Sohn zu einem anderen Klub zu gehen, wenn Barca ihn nicht wolle. Rexach gefiel das gar nicht, er wollte Leo unbe­dingt und zückte die Ser­vi­ette. Er unter­schrieb, dass man seinen Sohn ver­pflichten werde. Vater Messi war beru­higt. Der Rest ist Geschichte.

Und Sie waren mit­ten­drin.
So ist es, und das macht mich bis heute stolz. Für mich ist die Ser­vi­ette das wich­tigste Doku­ment der gewär­tigen Fußballgeschichte. 

Die Ser­vi­ette besitzt schon jetzt einen beträcht­li­chen Wert. Haben sie nie daran gedacht, Sie zu ver­kaufen?
Nein, nie im Leben. Das werde ich nicht tun. Die Ser­vi­ette soll irgend­wann mal dort hin­kommen, wo sie hin­ge­hört: Ins Museum des FC Barcelona. 

Haben Sie den Klub schon von ihrer Absicht erzählt?
Ja, aber man sagte mir, dass dafür später noch Zeit sei. Keine Ahnung, viel­leicht wollen sie warten, bis Leo seine Kar­riere beendet hat. Früher oder später wird die Ser­vi­ette aber dort aus­ge­stellt sein. Ich habe keine Eile.

Sie beglei­teten die Messis von deren ersten Tag in Bar­ce­lona, waren Mäd­chen für alles. Welche Erin­ne­rungen haben Sie an diese Zeit?
Für mich war es auf­re­gend und natür­lich waren alle glück­lich, dass Bar­ce­lona Leo tat­säch­lich ver­pflich­tete. Anfangs sie­delte die ganze Familie von Rosario nach Bar­ce­lona über, Leos Mutter, die Brüder Rodrigo und Matias sowie die kleine Schwester Maria Sol. Aber schon bald begannen die Pro­bleme: Leo erhielt zuerst keine Spiel­erlaubnis, die Frei­gabe von seinem alten Klub Newells zog sich hin. Dazu fühlten sich die anderen in Bar­ce­lona nicht wohl und gingen wieder zurück nach Rosario. Leo und Vater Jorge blieben allein in Spanien. 

In dieser Zeit waren Sie der erste Ansprech­partner der Familie.
Ich stamme wie die Messis aus Rosario, bin Argen­ti­nier, genau wie sie. Ich konnte nach­voll­ziehen, wie sie sich fernab der Heimat gefühlt haben. Man darf ja nie ver­gessen: Leo war noch ein Kind, als der nach Bar­ce­lona kam.

Heute haben Sie keinen Kon­takt mehr. Was ist pas­siert?
Jorge Messi ent­schied irgend­wann, sich allein um die Ange­le­gen­heiten seines Sohnes zu küm­mern. Nun gut, dass ist völlig legitim.

Kein Groll, keine Wehmut ihrer­seits?
Nein, absolut nicht. So spielt das Leben nun mal, ich kann ihm das nicht ver­übeln. Ich bin glück­lich und stolz, beim viel­leicht wich­tigsten Transfer der Fuß­ball betei­ligt gewesen zu sein.

Sie kennen Messi gut. Beim Hin­spiel in Mün­chen wirkte er nicht wie der Messi, den alle kennen, wie der vier­ma­lige Welt­fuß­baller.
Stimmt, das lag an seiner Ver­let­zung. Er hatte lange nicht gespielt und war kör­per­lich nicht voll da. Das ist gegen eine so starke Mann­schaft wie die Bayern fatal.

Messi erin­nerte in dem Spiel an Ronaldo im Finale der Welt­meis­ter­schaft 1998.
Stimmt, die Situa­tion war ähn­lich. Beide waren am Tag des Spiels nicht hun­dert­pro­zentig fit, wenn auch aus ver­schie­denen Gründen. Bei Ronaldo ranken sich immer noch Mythen um die Abläufe, bei Leo wusste jeder, dass es an der Ver­let­zung lag.

Glauben Sie, Bar­ce­lona kann das 0:4 aus dem Hin­spiel noch auf­holen?
Im Fuß­ball weißt du nie was pas­siert. Stellen Sie sich vor: Bar­ce­lona bekommt nach fünf Minuten einen Elf­meter, Not­bremse, Rote Karte für einen Mün­chener, die Bayern nur noch mit zehn Mann. Nach einer halben Stunde führt Barca 2:0. Was pas­siert dann?

Die Bayern würden ver­mut­lich nervös werden..
Genau! Und wer nervös ist, macht Fehler. Klar, die Bayern haben alles selbst in der Hand, aber wenn eine Mann­schaft ein 0:4 auf­holen kann, dann Bar­ce­lona. Mit einem fitten Messi.