1.
Der Held im Tor, Deutsch­land, 1998

Da steht er auf der Tor­linie, seine Hand zuckt, der Ball prallt ab. In gewiefter Tor­wart-Manier bewahrt der Schalker Oliver Held seine Schalker vor einem Gegentor. Die Kölner Spieler stürmen auf Held zu, doch jener bleibt gelassen, winkt ab. Hand? Ich? Nie­mals, bin doch kein Tor­wart!“ Auch auf Nach­frage des gelack­mei­erten Schieds­richter Uwe Kemm­ling beschwört Held seine Unschuld. Kölns Toni Polster, der nach dem Spiel inter­viewt wird, zeigt sich leicht erbost: Der Oliver Held soll in seinem Leben keinen Tag mehr Glück haben.“

2.
Der Phan­tom­p­fiff, Deutsch­land, 1997

Kurz vor Schluss führt 1860 Mün­chen gegen den Karls­ruher SC mit 2:1. Dann plötz­lich ein greller Pfiff, Schieds­richter Michel Mal­branc hatte ein Foul geahndet. 21 Spieler drehen ihre Köpfe zum Schieds­richter, die meisten bleiben stehen, richten ihre Stutzen, rotzen auf den Boden, was man so macht, wenn nix los ist. Sean Dundee indes schnappt sich den Ball, mar­schiert aufs Tor und netzt ein. Mal­branc zeigt zum Mit­tel­punkt, Tor, 2:2. Später beteuert Mal­branc, nie gepfiffen zu haben. Doch dann räumt er vor dem Sport­ge­richt ein: Als ich mich ent­schieden hatte, das Foul zu ahnden, waren meine Gehirn­ströme nicht mehr zu bremsen.“ Welch abge­fah­rene Gehirnströme…

3.
Das Phan­tomtor, Deutsch­land, 1994

Nürn­bergs Tor­wart Andreas Köpke hechtet noch in die Ecke, doch er braucht sich nicht mehr richtig zu stre­cken, denn Thomas Helmer, der sich pirou­et­ten­artig um den Pfosten windet, bug­siert den Ball kurz vor der Tor­linie um den Pfosten herum mit der linken Hacke über die Tor­aus­linie. Helmer blickt etwas trotzig drein ob der ver­ge­benen Chance, doch Kopf hoch Tommy!“, Andi Köpke gibt ihm einen kurzen Klaps, und Helmer trottet von dannen. Dann aber stehen seine Mit­spieler vor ihm, fallen ihm um den Hals, die Bayern-Fans jubeln, und natür­lich jubelt Uli Hoeneß mit. Schließ­lich reißt auch Helmer die Arme hoch, tau­melt in die eigene Hälfte. Schieds­richter-Assis­tent Jablonski hatte ein Tor gesehen, und Schieds­richter Hans-Joa­chim Osmers zeigt zum Mit­tel­kreis. Das Spiel endet 2:1 für den FC Bayern. Beson­ders bitter: Bei einem 1:1 wäre Nürn­berg nicht abge­stiegen und der 1. FC Kai­sers­lau­tern Meister geworden. 

4.
Die Schutz­schwalbe, Deutsch­land, 1995

Nicht die Mutter aller Schwalben, aber doch Inspi­ra­tion für viele Diver der Spät­neun­ziger. Im Spiel gegen den Karls­ruher SC hebt Andi Möller ab, gefühlte zehn Minuten fliegt er durch den KSC-Straf­raum, sein Gegen­spieler Dirk Schuster steht der­weil in sicherer Ent­fer­nung. Schieds­richter Günter Haber­mann ist so fas­zi­niert davon, dass er Straf­stoß pfeift. Der BVB gleicht zum 1:1 aus und gewinnt später noch 2:1. Fast poe­tisch die Recht­fer­ti­gung von Möller: Das war eine Schutz­schwalbe. Ich dachte, dass Dirk Schuster mich voll umhauen würde.“ Auch gut der Diss in Rich­tung Haber­mann: Bei jedem anderen wäre ich zum Schieds­richter gegangen und hätte gesagt, dass es kein Elf­meter war, bei ihm jedoch nicht.“

5.
Die Wem­bley-Crew, Eng­land, 1966 

Es wurde viel zu viel dar­über dis­ku­tiert, und das Wort von Won­torra, Kerner und Co. tod­re­fe­riert. Doch sei’s drum, bre­chen wir mal ne Lanze für Schieds­richter Gott­fried Dienst. Er konnte wahr­lich wenig dafür. Die Tonnen voller Schuld liegen auf den Schul­tern des rus­si­schen Lini­en­rich­ters Tofik Bach­ramow. Auch 41 Jahre nach Wem­bley löst dieser über­heb­liche Fah­nen­schwenk gen Mit­tel­kreis Übel­ge­fühle aus. Und für all die Skep­tiker: Der, der jenem Tor am nächsten war, packt aus. Unge­schönt, direkt und in Farbe sagt Til­kowski was Sache ist: www​.11freunde​.de/​g​e​s​c​h​i​c​h​t​s​s​t​u​n​d​e​/​1​0​5​5​9​6​?​P​H​P​S​E​S​SID=0…

6.
Jubel­schieds­richter, Eng­land, 2000

Im Spiel FC Liver­pool gegen Leeds United trifft Patrick Berger für die Reds“. Schieds­richter Mike Reed ent­scheidet nicht nur Tor, son­dern reckt seine geballte Faust gen Himmel. Ups. Eine Aus­rede hatte der Mann auch gleich nach dem Spiel parat, er habe sich ledig­lich über seine weise Ent­schei­dung vor dem Tor gefreut: Ich sah vorher ein Foul an Vla­dimir Smicer, ent­schied aber auf Vor­teil.“ Gewiss, Herr Reed. Und die Liver­pool-Boxer­shorts, die unter der Sport­hose her­vor­lugte, war auch nur ausgeliehen. 

7.
Der Mal­teser-Mann, Deutsch­land, 1975

Wolf-Dieter Ahlen­felder (Foto) tor­kelt über den Platz und hat nach 30 Minuten keine Lust mehr: Er pfeift die Partie Werder Bremen gegen Han­nover 96 ab. In der Halb­zeit streckt er Foto­grafen mit hoch­rotem Kopf die Zunge heraus und wit­zelt mit den Ball­jungen. Später gibt er zu: Ich hatte mir ein paar Mal­teser geneh­migt.“ Die ein­fache Begrün­dung: Ein Bier und ein Mal­teser zum Mit­tag­essen, das wird doch wohl erlaubt sein! Wir sind Männer und trinken keine Fanta!“ Auch schön sein Wort­wechsel mit Paul Breitner: 

Breitner: Ahlen­felder, Du pfeifst wie ein Arsch.“

Ahlen­felder:
Paul, Du spielst wie ein Arsch.

8.
Ball­jun­gentor, Bra­si­lien, 2006

Smells like Nie­der­lage. In der Partie zwi­schen dem Ersten der 3. Bra­si­lia­ni­schen Liga San­ta­cru­zense und dem Zweit­plat­zierten Atlé­tico Soro­ca­bana steht es lange 0:1 und alles deutet auf eine Wach­ab­lö­sung an der Tabel­len­spitze hin. In der 89. Minute scheint dann wirk­lich alles gelaufen zu sein: Nach einer Her­ein­gabe kommt San­ta­cru­zense-Stürmer Samuel am Elf­me­ter­punkt an den Ball, doch sein Schuss landet nur am Außen­netz. Wäh­rend die Spieler weg­traben, schnappt sich ein Ball­junge die Pille, drib­belt mit dieser am Tor­wart vorbei und stupst sie ins Tor. Der Tor­wart, sicht­lich genervt, holt den Ball wieder heraus und legt ihn sich zum Abstoß an den Fünft­me­ter­raum. Nun eilt Schieds­rich­terin Silvia Regina de Oli­veira herbei, ges­ti­ku­liert wild und – ent­scheidet auf Tor. Aber der kleine Junge spielt nicht für San­ta­cru­zense, Frau Schieds­rich­terin“, ruft der Tor­wart ihr zu. Er ist ein, ähm, ein Ball­junge.“ Nein, Frau Oli­veira läst sich nicht belehren, der Ball war hinter der Linie“, kra­keelt sie. Und Tor ist, wenn die Schieds­rich­terin pfeift.“ Es wird ver­mut­lich ihr letzter Pfiff gewesen sein.

9.
Der Wie­der­holer, im fernen Ara­bien, irgend­wann vor unserer Zeit

Da hockt man vor dem Bild­schirm und wartet darauf, dass Kurt Felix ange­laufen kommt. Dann grinst er und schreit: Ver­stehen Sie Spaß?“ Und dann kommt noch Paola um die Ecke und grinst mit. Hier das Dreh­buch in kurz: Schieds­richter pfeift Elf­meter.
Schütze läuft an, schießt, Tor. Schieds­richter pfeift ab, Wie­der­ho­lung.
Schütze läuft an, schießt, Tor. Schieds­richter pfeift ab, Wie­der­ho­lung. Schütze läuft an, schießt, Tor. Schieds­richter pfeift ab, Wie­der­ho­lung. Schütze läuft an, schießt, Tor. Schieds­richter pfeift ab, Wie­der­ho­lung.
Oder so. Zwi­schen­drin hält der Tor­wart gar einmal den Ball, und der Zuschauer fängt rich­tig­ge­hend an, mit dem Schützen zu leiden: Der Schieds­richter wird den Elf­meter doch jetzt nicht gelten lassen. Ah, nein, es gibt ein Happy End. Doch zuvor geht es noch ein biss­chen weiter wie oben. Schütze läuft an, schie… na gut, lassen wir das. Übri­gens: Als die Spieler aus­liefen, wurde der werte Herr kniend in der Nähe des Elf­me­ter­punkts gesichtet – er schnitt den Rasen mit seiner Nagelschere.