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23.06.2011

Hans Meyer über Frauenfußball in BRD und DDR

»Beleidigend wenig Leute«

Text: Roland Wiedemann  Bild: Imago

Pünktlich zur Weltmeisterschaft gibt sich so ziemlich jeder, der etwas auf sich hält, als Frauenfußballfan aus. Ab und zu trifft man aber auf jemanden, der sich wirklich auskennt. Wir sprachen mit Hans Meyer über seinen Bezug zum Frauenfußball.

Hans Meyer über Frauenfußball in BRD und DDR - »Beleidigend wenig Leute«


Hans Meyer, am Sonntag beginnt die Frauenfußball-Weltmeisterschaft. Freuen Sie sich oder lässt Sie das alles kalt?

Hans Meyer: Als jemand, der in Deutschland lebt und eine enge Beziehung zum Fußball hat, freue ich mich natürlich sehr auf dieses Turnier im eigenen Land. Deutschland hat 2006 schon eine Vorreiterrolle gespielt mit seinen schönen Stadien und der phantastischen Organisation. Das wird diesmal nicht anders sein. Ich hoffe auf phantastische Zuschauerzahlen und dass das Wetter wieder wie vor fünf Jahren mitspielt. Das hat der Männer-WM einen zusätzlichen Impuls geben.



Werden Sie im Stadion sein oder die Frauen-WM am Fernseher verfolgen?

Hans Meyer: Ich bin beim Eröffnungsspiel in Berlin und werde mir ein Halbfinalspiel in Gladbach ansehen. Kann sein, dass das eine oder andere Spiel noch dazu kommt. Beim Finale muss ich allerdings passen, da bin ich in den USA unterwegs.

Klingt so, als hätten Sie tatsächlich Bezug zum Frauenfußball.

Hans Meyer: Aber ja. Ich habe sogar mal ein paar Trainingseinheiten der Frauenmannschaft in Jena geleitet!

Tatsächlich, wie kam es denn dazu?

Hans Meyer: Das war zu meiner Zeit als Trainer beim FC Carl Zeiss Jena Anfang der 80er Jahre. Der Hochschullehrer Hugo Weschenfelder versuchte gerade in Jena einen Frauenfußballschwerpunkt aufzubauen. Wir waren gute Bekannte, sogar Freunde. Auf sein Bitten hin habe ich ein paar Mal die Frauen trainiert, was ich gerne getan habe. Der Frauenfußball hatte es ja nicht leicht, auch in der DDR nicht. Es gab dort keine Förderung. Wäre Frauenfußball olympisch gewesen, hätte die Sache natürlich ganz anders ausgesehen.

Mal Hand aufs Herz, haben Sie zu jener Zeit die kickenden Frauen und Mädchen nicht wie so viele andere Männer belächelt.

Hans Meyer: Nein, das habe ich nie getan. Warum sollte ich jemanden, der Fußball spielen will, belächeln? Ich bin vielleicht ähnlich geprägt wie die meisten Männer, ich war nie einer, der für die Gleichberechtigung auf die Barrikaden gestiegen ist. Aber dass Frauenfußball bis 1970 in der BRD quasi verboten war, das ist doch ungeheuerlich!


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