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28.10.2008

Der 1. FC Nürnberg und der Konjunktiv

Hätte, wenn und aber

Text: Alexander Endl  Bild: Imago

Nürnbergs Coach Michael Oenning vermag genau zu formulieren. Sogar den komplizierten Konjunktiv beherrscht er – eine Zumutung für weite Teile des Boulevard-Journalismus, wie der feingeistige Trainer nun erleben musste.

Der 1. FC Nürnberg und der Konjunktiv - Hätte, wenn und aber


»Oenning und der Konjunktiv« - so titelt der »Kicker« und ergänzt: »Der Konjunktiv als Spiegelbild einer bislang verkorksten Saison«.



Wenn Fußballer oder Verantwortliche etwas mehr in ihrer Vita haben, als ab dem vierten Lebensjahr wie besessen gegen den Ball getreten zu haben, dann gelten sie im Fußballer-Milieu (inkl. den einschlägigen Medien) grundsätzlich als suspekt.

Lebensweisheiten wie »Die Wahrheit liegt auf’m Platz!«, »Werden fighten bis zum Umfallen!« oder »Aber zu Hause mit unseren tollen Fans im Rücken sind wir eine Macht!« sollten auch heute noch die meisten Probleme erklären und lösen. Zu viel Detail- und Taktikgefuddel verwirrt nur die meisten, vor allem die Medien.

Das durfte einst Ralf Rangnick (übrigens Trainer des aktuellen Spitzenreiters der Bundesliga) schon erfahren, als er 1998 »im Aktuellen Sportstudio«, statt die üblichen Stereotypen zu bemühen von Teamgeist und dem üblichen Gefasel vom »Lauf seiner Mannschaft« - den Fußballvolk an der Mattscheibe die damals noch (in Deutschland) revolutionäre Viererkette und deren taktische Vorzüge erklären wollte. Ralf Ragnick trug von diesem Tag an den Beinamen »Professor« und was im echten Leben vielleicht gewisse Anerkennung verdienen würde, gilt »am Platz« als vorsichtig formuliert wenig schmeichelhaft.

Kurzum: Kluge Sätze und intelligente, nüchtern-sachliche Spielanalysen sind im Fußball-Geschäft ungefähr so beliebt wie die Übertragung von Synchronschwimmen als Ersatzsendung für den Ausfalls der Leitung zum olympischen 100-Meter-Finale. Gefragt sind kernige selbstkritische Aussagen, Pathos in der Stimme und Gelobigungen, im nächsten Spiel 120% zu geben. - Funktioniert allerdings auch nur, solange nicht die »Im nächsten Spiel ist
Endspiel«- und »Wir haben es jetzt begriffen«- und »Werden aus unseren Fehlern lernen«-Parolen sich nicht Woche für Woche wiederholen und das über Monate und Jahre. Willkommen also beim Club.

Wäre da nicht Michael Oenning.

Michael Oenning ist - wie einst Hans Meyer - so ein »Professor«. Er ist einer derjenigen, die auch abseits des Platzes eine gute Figur machen, intelligente Dinge sagen können und den Fußball nicht als Zenit der Gesellschaft sehen, sondern als Teil davon, und entsprechend auch über den Tellerrand gucken und denken können. Das macht auch Michael Oenning (siehe oben) mit zunehmender Dauer suspekt.

Anfänglich gehätschelt als der »sympathische Neue«, den man einfach lieb haben muss, setzt Michael Oenning selten Parolen ein und bleibt in der Regel ruhig und sachlich in seinen Analysen. Das missfällt den Medien sehr. Und da die Trainer aber immer was sagen müssen, auch wenn sie gar nichts neues sagen wollen (oder zumindest nichts, was die Medien was angeht), tun diese »Professoren« nun etwas Ungeheurliches: Sie setzen rhetorische Stilmittel und ihre Sprachfertigkeit ein.


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