Matthäus findet nicht zurück nach Franken
„I look not back, I look in front“
Text: Alexander Endl#www.clubfans.de Bild: Imago

Wann immer in Deutschland die Trainer-Frage gestellt wird, auch wenn sie noch so abwegig sein mag, wie im Falle Hans Meyer, fällt fast zwangsläufig der Name Lothar Matthäus. Das mag gerade in Nürnberg nahe liegen, da Matthäus aus dem Mittelfränkischen Herzogenaurach stammt, viele unken aber, im Allgemeinen würde Lothar, dem hervorragende Kontakte zu den Boulevard-Medien nachgesagt werden, sich immer selbst ins Spiel bringen oder das mindestens billigend in Kauf nehmen. So wundert einen manchmal nicht, wenn scheinbar aus dem Nichts, also ohne etwas von Vereinsseite gelesen zu haben, entsprechende Spekulationen in den einschlägigen Medien auftauchen, die dann aber umgehend und exklusiv von Matthäus selbst dementiert werden. Bühnenreif, möchte man meinen. Soweit sind wir Gott sei Dank noch nicht, aber da einige Fans nun den Namen schon handeln, ein paar Worte zum Thema vorweg.
Lothar Herbert Matthäus wurde 1961 in Erlangen geboren und begann seine Karriere beim FC Herzogenaurach, um dann mit Borussia Mönchengladbach (1979-1984) und später beim FC Bayern München (1984-1988, 1992-2000) sowie bei Inter Mailand (1988-1992) internationale Erfolge zu feiern. Krönung seiner Laufbahn war sicherlich der Gewinn des Weltmeistertitels 1990 in Italien - als Kapitän und Leitwolf, wie ihn Kaiser Franz immer gern nannte.
Seine Erfolge als Fussballer und Rekordnationalspieler des DFB sind unbestritten, als Trainer mag man da schon eher geteilter Auffassung sein, wie seine Engagements zu bewerten sind. Seine erste kurze Trainerstation war SK Rapid Wien (2001-2002), die er auf den 8. Platz führte, „die schlechteste Platzierung seit der Einführung der österreichischen Meisterschaft 1911 für den Verein. Anschließend wurde er wegen öffentlich getätigten, vereinsschädigenden Aussagen entlassen, ohne dass sein restliches Gehalt ausgezahlt wurde. Ein Versuch von Matthäus, das Gehalt und zusätzliche Gelder vom Verein wegen Rufschädigung einzuklagen, (insgesamt ca. 2 Mio. Euro) schlug fehl.“ (Quelle: Wikipedia). Erfolgreicher im Folgenden FK Partizan Belgrad (2002-2003), die er zur Meisterschaft und in die Champions League führte, was allerdings nicht so überraschte, da Belgrad bereits 2002 Meister war und 2005 wieder wurde. Es folgte 2004-2005 ein Engagement als ungarischer Nationaltrainer, die Qualifikation zur FIFA WM in Deutschland wurde aber - wie erwartet - deutlich verpasst.
Es folgten zwei Engagements, die vielleicht ähnlich ins Bild passten, wie der Karriereausklang als Aktiver bei den New York New Jersey MetroStars im Jahr 2000 (legendäre Zitate: „I hope, we have a little bit lucky.“ und „I look not back, I look in front.“), als er für RTL II die Fussball-Show-Amateurmannschaft (andere würden sagen: Zirkustruppe) „Borussia Banana“ trainierte. Und auch als er bei Red Bull Salzburg anheuerte, doch statt des erwarteten Engagements als Chef-Trainer ‘nur’ als ‘Co’ für Giovanni Trapattoni tätig werden sollte, war nach nur knapp einem Jahr wegen „unterschiedlicher Auffassungen“ wieder Schluss. Seine Tätigkeit bei Clube Atlético Paranaense in Brasilien (2006) ganz außen vor, denn das wurde wohl nie richtig begonnen, als es schon wieder endete und man Unterschiedlichstes lesen konnte, inklusive Mutmaßungen, Matthäus wäre Brasilien doch zu weit weg.
Soweit zur sportlichen Historie, aber warum haben viele Clubberer und Franken nun so ein Problem mit Lothar Matthäus?
Das sind natürlich subjektive Einschätzungen, da gibt es weder repräsentative Studien noch Belege für. Zusammenfassend kann man sagen, dass vielen Fans die Person Lothar Matthäus schlicht und ergreifend „peinlich“ ist. Peinlich, wie er sich immer wieder selbst ins Spiel bringt, peinlich, wie er just immer das macht, was einem dieses Ziehen in der Backenmuskulatur verursacht, weil es schon beim Zusehen/Zuhören weh tut, wie eben die genannten englischen Sätze in New York. Man kann sich in einer fremden Sprache vertun, aber wenn es gepaart ist mit einer so zur Schau getragenen „Arroganz“ und „Selbstherrlichkeit“, wird es manchem Betrachter einfach zur Qual und ist noch nicht einmal mehr lustig. Egal was passierte, Loddar, wie ihn in der Boulevard gerne nennt, fand immer den Fettnapf - ob in seinem Dauertwist mit Jürgen Klinsmann oder seinem Streit um die Erlöse seines Abschiedsspiels mit Uli Hoeneß („Der wird bei uns nicht einmal Greenkeeper im neuen Stadion“, so Hoeneß). Matthäus - stets ein Stein des Anstoßes - manchmal auch handgreiflich verwickelt, wie die Ohrfeige, die er angeblich im Training von Lizarazu bekam.
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