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Ab wann darf man den Club bewerten?

„Bitte erst am 10. Spieltag“

Text: Alexander#www.clubfans.de  Bild: Imago

„Bitte erst am 10. Spieltag“

Im “Derby” 0:3 zu verlieren (”Derby” in Anführungsstrichen, denn das eigentliche Derby aus der Sicht des Clubs wird immer das Derby gegen die Fürther sein, die es aber eigentlich auch schon gar nicht mehr gibt, nur noch ein fusioniertes Stück Vergangenheit mit Zweckmäßigkeit gepaart, aber sei es drum) ist jetzt keine Überraschung und dazu brauchte man nicht erst wieder die Transfers und die individuelle Klasse heranzuzitieren, die den FC Bayern ja millionenschwer zu eigen ist. Nein, das macht noch keine Depression, eher die Gesamtumstände der Saison bisher, bei denen der Einzug in die Gruppenphase noch das einzige wirklich positive ist - ob Fluch oder Segen am Ende, wird sich aber auch noch zeigen müssen dank Doppelbelastung und bei der Verletztenliste, die ja nicht nur die aktuell mehr als schmerzlich vermissten Vittek und Pinola angehören, sondern die auch und gerade die Kollateralschäden angehen. Spieler, die absolute Leistungsträger waren, kommen einfach nicht wieder ran und müssen sich zudem mit gesundheitlichen Rückschlägen (eben Vittek und Pinola ganz vorne genannt) plagen, aber auch mit dem Umstand, dass es nicht dankbar ist und sein kann, seiner Form in einer Mannschaft finden zu müssen, die noch nach sich selbst sucht.



„Bitte erst am 10. Spieltag“, so hatte - so aus der Erinnerung - Hans Meyer einst als DSF-Experte im Doppelpass immer rigoros abgebügelt, solle man doch bitte Mannschaften und deren Perspektiven bewerten. Und selbst wenn man einen Sieg in zwei Wochen im Heimspiel gegen Frankfurt noch machen kann (aber auch das ist erst noch zu spielen, war Frankfurt - bis auf das DFB-Halbfinale - nicht unbedingt der Lieblingsgegner, der sich auch noch derzeit in solider Form zeigt und eben Leverkusen, die aus Nürnberg die Punkte mitnahmen, heute mit 2:1 besiegten), so wird auch dann noch maximal der Kontakt zu den Nicht-Abstiegsrängen herzustellen sein. Keine guten Aussichten also für den “Zehnten”, eben jener Spieltag als Richtschnur für die Saison.

Man muss kein Mathematiker sein um zu sehen, dass 6 Punkte aus 9 Spielen ein mittelgroßes Desaster ist, im Schnitt und in der Perspektive. Bader gab sich insoweit bescheiden mit dem Wunsch: 18 Punkte am 17. Spieltag, der Halbzeit der Saison, denn 22 Punkte sollten noch realistisch sein in der Rückrunde, mit dann vielleicht einer vollständigen und fitten Mannschaft - und vielleicht auch einer verstärkten?

Keine Frage, wer die Spiele sieht und die Mannschaft hört: Es stimmt in der Truppe. Und auch die Bereitschaft und auch die Leidenschaft ist da. Eine vollständige Mannschaft sollte - und insoweit weiche ich auch nicht von meiner optmistischen Prognose zur Saison ab - keine Probleme mit dem Ligaverbleib haben bei normalen Ligaverlauf, doch genau das Gegenteil traf ein. Die Mannschaft fand sich anfangs nicht, verlor gleich gegen den - was man damals nur erahnen konnte - besten Aufsteiger aus Karlsruhe zu Hause, stolperte dann von Spiel zu Spiel ohne sich zu finden und verlor dann auch noch Leistungsträger bzw. bekam sie nicht zurück aus der Rekonvaleszenz, wie ein Pinola, der sich gleich wieder schwer verletzte, aber auch ein Glauber, der einfach nicht wieder in Form kommen will. Die Neuverpflichtungen konnten nur bedingt einschlagen und die Lücken füllen, allen voran noch Kluge, der alle Erwartungen sogar übertreffen konnte, aber Zwetschge fehlt noch die Konstanz und ist noch lange nicht das Hirn in der Offensive und Charisteas … schweigen wir, bevor noch mehr Schaden durch schlechte Stimmung aus den Fankreisen entsteht (wobei ich immer noch an ihn glaube, aber ein Knipser wird er nimmer, war er nie) …

Brauchen wir Verstärkungen? Nein, eigentlich nicht - aber Ja, eigentlich schon. Einen neuen Mittelstürmer wünschen sich sicher viele Fans, aber ob das der Mannschaft hilft? Erstens müsste auch der sich einspielen und einen Torgaranten für 1, 2 oder gar 3 Millionen, findest du nicht. Und dann zwei Neuverpflichtungen mit der Investitionssumme auch noch als Konkurrenz und dabei noch Kennedy und Adler demoralisieren? Sicher ein Bärendienst. Da müssen wir durch. Die Diskussion um den Finnen Petrescu ist dagegen vielleicht sinnvoller. Eine Alternative zu Saenko und Vittek auf den Außen ist sicher kein Fehler. Übrigens auch die einzige Position die mir vor der Saison Bauchschmerzen bereitete, gerade als dann auch noch Polak ging, der mal Rechtsaußen interpretieren konnte. Die nun personalbedingt notwendigen Systemumstellungen haben sicher auch nicht gerade Sicherheit und Ruhe gebracht. Im Mittelfeld brauchen wir auch keinen, da sind schon genug, die alle nur in Schwung kommen müssten, wie ein Mnari oder ein Engelhardt, Kluge und Galasek sind eigentlich schon eine Bank, müsste Galasek nicht derzeit Feuerwehrmann in der Abwehr spielen und fehlt so als Schaltzentrale im defensiven Mittelfeld. - Im Tor? Blazek ist sicher kein schlechter, hat brilliante Reaktionen, ist nur zur Zeit formschwankend und nicht so gut im Spielaufbau, aber da wäre ja auch noch Klewer dahinter. - Also in der Abwehr? Nicht unbedingt, auch das nicht. Eigentlich hat man rechts einen Reinhardt und einen Herausforderer Jacobsen, und links Pinola und ein Talent Schmidt und zur Not auch Kristiansen, und in der Mitte Wolf und Glauber oder auch Beauchamp.

Nein, Verstärkungen, wenn sie nicht wie vom Himmel fielen und sich ein Messi melden würde, weil er die Bratwürste dem pulsierenden Leben Barcelonas vorzöge, machen keinen Sinn. In der Breite verstärken braucht es nicht, höchstens kurzfristig und das ohne Garantien und mit möglichen Folgeschäden für das Team.

Was wir brauchen ist: Ruhe. Das oft zitierte Wort, dass es nicht gibt im Fußball-Biz. Heute sind noch alle ruhig. Aber was ist nach Frankfurt? Wenn das “schief ginge”? Danach nach Wolfsburg ist sicher kein unmögliches Unterfangen wie auch das folgende Spiel gegen den derzeit mindestens so angeschlagenen Meister aus Stuttgart, aber wenn nicht in den drei Spielen, wann dann? - 18 Punkte bis Spieltag 17, das bedeutet noch notwendige 12 aus 8 Spielen, das sind 4 Siege - Alternativen gibt es nicht, rechnerisch fehlen sonst bei 3 Siegen schon mindestens ein Punkt (ok, außer man spekuliert noch auf 3 Unentschieden, das wären dann 3 Siege und 3 Unentschieden bei nur zwei Niederlagen …). Was dann? Wird man Meyer in Frage stellen? Natürlich wird man. Möge uns das erspart bleiben, damit man nicht wie bei Wolf sagen muss: Auf das Trainerprofil, den man als Nachfolger für Wolfgang Wolf sucht, passt am besten Wolfgang Wolf. Einen Hans Meyer da aus dem Hut zu ziehen war einmalig, das wird es nicht wieder geben. Und wenn ich nur einmal Lothar Matthäus wieder in der Diskussion höre, kriege ich Pickel.

Aber: Noch gibt es Hans Meyer beim Club und die Mannschaft hat das Zeug und die Fans, also ich ganz vorne, die Zuversicht. Ich glaube an die Truppe, sogar an Charisteas. Wenn sie aus dem Tal rauskommt, wird die Truppe noch ganz andere Dinge bewegen.

Bitte! Bitte! daher: Ruhig bleiben. Spiel abhaken. Frankfurt schlagen. Depression schnell ablegen, bevor sie andere ansteckt.





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