Ergänzung zum Bundesliga-Sonderheft (11)
Rufe nach Geld
Text: Volker Backes Bild: Imago
Arminia Bielefeld legte die knappste Lizenzerteilung aller Zeiten hin. Kurz vor Ultimo gewährten Unternehmer Darlehen und das Land NRW stundete Forderungen. Die Probleme sind allerdings nur vertagt – nicht gelöst.
Es haben nicht viele die Krise bei Arminia überlebt, in der Mannschaft nicht, im Verein nicht und in der Lizenzspielerabteilung ebenfalls nicht. Ein gutes Dutzend Spieler gingen oder mussten gehen, der Präsident (Schwick), die Geschäftsführer Sport (Dammeier) und Finanzen (Kentsch, im Juni auch Nachfolger Anders), Teile des alten Vorstands, der Jugendtrainer, der Leiter der Nachwuchsabteilung. Gespart wird bis zur dritten Mannschaft.
Dem neuen Trainer und sportlichen Leiter Christian Ziege fällt die Aufgabe zu, ohne finanzielle Mittel um erfahrene Kräfte wie Kapitän Rüdiger Kauf, Torhüter Dennis Eilhoff und dem bekanntesten Neuzugang Oliver Neuville ein Team der Namenlosen zusammenstellen, das eine Aufbruchsstimmung verbreitet, auch wenn es vermutlich nur um den Klassenerhalt spielt. Dafür finanzierte Ziege schon einmal das Trainingslager selbst mit und setzte Zeichen in zwei Richtungen: Einerseits signalisiert er so seine Bindung zum Verein und lebt Zusammenhalt vor, andererseits untermauert er, wie dringend neues Geld her muss. Frisches Geld, wie man in Bielefeld sagt.
Wahnsinn und Versagen
Ein Fußballteam ist auf dem Rasen am verwundbarsten, wenn es in der Vorwärtsbewegung in einen Konter läuft. Auf der Finanzebene war Arminia genau das passiert. Nach dem Bundesligaabstieg 2009 entfielen Fernseh- und Sponsorengelder, die Mannschaft blieb zu Erstligakonditionen, hinzu kamen die Verbindlichkeiten aus dem Bau der neuen Haupttribüne. Das Erbe, das Roland Kentsch seinem Nachfolger Heinz Anders hinterließ, beinhaltete nicht nur einen Haufen Schulden, sondern auch einige Finanzierungsbesonderheiten, die den Neuling unvorbereitet ins Krisenmanagement zwangen und damit augenscheinlich überforderten.
Der Verein bezahlte die Tribüne aus Bankkrediten und einem Darlehen der Tochtergesellschaft Arminia Bielefeld KGaA. Die KGaA zahlte dem Verein eine Pacht, die sich aus den Erstligaeinnahmen speiste. Nach dem Abstieg rutschte die KGaA jedoch ins Defizit und konnte die Pacht nicht mehr aufbringen. Die Kalkulation ging jedoch von einem mittelfristigen Erstliga-Verbleib der Arminia aus. Wahnsinn und Versagen Teil 1.
Unerfahrenheit und Selbstüberschätzung
Zudem waren die Folgekosten aus baubedingten Umbauten, Innenausbauten, Anwohnerabfindungen und sonstigen Auflagen nicht berücksichtigt worden. Der Neubau kostete letztlich nicht 12 sondern 20 Mio. Euro. Ferner ging die Rechnung von einer hohen Auslastung der Tribüne aus. Doch das Gegenteil war der Fall: Ganze vier Dauerkarten wurden für den Schmuckbau in der Saison 2009/2010 verkauft, weil die Preisstruktur nicht stimmte. Für den Preis der günstigsten Haupttribünenkarte konnte man auf der alten Gegengeraden mittig sitzen. Und die Kontrollgremien sahen bei allem tatenlos zu. Wahnsinn und Versagen Teil 2.
Angesichts des drohenden Absturzes unterliefen nahezu allen Verantwortlichen Fehler aus Unerfahrenheit und manchmal auch durch Selbstüberschätzung. Neu-Präsident Wolfgang Brinkmann setzte den Stadtrat mit absurden Forderungen unter Druck und scheiterte absehbar, während der bemitleidenswerte Schatzmeister Andreas Mamerow den Politikern erklärte, warum die Fans und Mitglieder des DSC nicht zu einer Umlage herangezogen würden: »Das haben wir uns nicht getraut«. Die schwärzeste Stunde dauert manchmal viele Wochen. Nun aber wird der Blick strikt nach vorn gerichtet, an der Umsetzung einer bereits seit Jahren geforderten Vereins- und Spielphilosophie gearbeitet und alles auf links gezogen. Vielleicht zwingt die Not am Ende den Verein zu neuem Glück.
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