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28.06.2008

Spaniens notorische Erfolglosigkeit

Die endlose Sekunde

Text: Gereon Detmer  Bild: Imago

Am Sonntag steht Spanien zum ersten Mal seit 1984 wieder im Finale eines großen Turniers. Wir blicken zurück auf den Augenblick, als Spaniens Torhüter Arconada einen entscheidenden Fehler beging und damit einen Fluch begründete.

Spaniens notorische Erfolglosigkeit - Die endlose Sekunde


In der 57. Minute schrillen bei Luis Miguel Arconada die Alarmglocken. Er weiß, jetzt kann’s brenzlig werden. Hektisch dirigiert er fünf Mann in die Mauer. Leicht geduckt, den Oberkörper nach vorne gebeugt, erwartet der Torhüter der spanischen Nationalmannschaft den Freistoß von Michel Platini. Der französische Kapitän nimmt zwei Schritte Anlauf und zirkelt den Ball halbhoch an der Mauer vorbei. Arconada springt nach links und begräbt den Ball unter seiner Brust. Für einen Moment scheint die Gefahr gebahnt. Doch plötzlich entwischt dem Unglücksraben die Kugel und kullert langsam Richtung Tor. Arconada hechtet verzweifelt, den Gegentreffer kann er dennoch nicht verhindern.



Während Platini jubelnd abdreht, bleiben elf fassungslose Spanier zurück. »Je länger es zurück liegt, desto endloser erscheint mir die Sekunde, als dieser Ball durch meine Arme kroch«, beschrieb Arconada Jahre später die folgenschwere Szene. Sein Fehler war der entscheidende Augenblick der Europameisterschaft 1984. Das späte zweite Tor der Franzosen hatte für den Ausgang des Finales keine Bedeutung mehr. Frankreich holte den Titel, Spanien stand mit leeren Händen da.

Immer wieder scheitert die »Furia Roja«

Arconada, vor dem Turnier dreimal in Folge mit der „Tropheo Zamora“ als bester Torwart der spanischen Liga ausgezeichnet, wurde mit seinem kapitalen Fehlgriff zur symbolischen Figur für die verkorksten Turnierauftritte der iberischen Auswahl. Keine Europameisterschaft beginnt, ohne dass die Spanier zum Favoritenkreis zählen. Und keine Europameisterschaft endet, ohne dass das Team von der iberischen Halbinsel seine Fans enttäuscht. Seit dem Finale 1984 ist die „Furia Roja - die rote Furie“ immer wieder, spätestens im Viertelfinale, gescheitert.

Vielen Spaniern ist die unglückliche Niederlage gegen den späteren Turniersieger Frankreich bei der Endrunde 2000 noch in lebhafter Erinnerung. Raul hatte in der letzten Spielminute die Möglichkeit zum Ausgleich vergeben, als er einen Elfmeter über das Tor schoss. Ausgerechnet Raul. Der Stürmer von Real Madrid ist im Verbund mit Arconada die Personifizierung des spanischen Dilemmas. Im Verein hat Raul alles gewonnen, von der Champions League bis zum Weltpokal. So glanzvoll das klingt, mit der Nationalmannschaft hat es nie zu einem Titel gereicht. Woran also krankt Raul und mit ihm die nationale Auswahl?


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