Die Geschichte der Fußballfans

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Klinsi stellt sich zwischen BILD und Kaiser

Lichtgestalt im Dunkeln

Text: Maximilian Hendel  Bild: Imago

Lichtgestalt im Dunkeln

Gut zehn Minuten waren bereits ins Land gegangen. Selbst das bis dahin durchgehende Blitzgewitter der anwesenden Medien-Armada im Saal des Arabella-Sheraton war abgeklungen. Karl-Heinz Rummenigge stellte seinen neuen Trainer Jürgen Klinsmann in aller ihm gebührenden Ehrerbietung vor, Manager Hoeneß schloss sich ihm an. Er sei sogar „Feuer und Flamme“ gewesen, als Rummenigge ihm den Geistesblitz der Personalie Klinsmann eröffnete. Kurz darauf durfte sich dann auch der Heilsbringer selbst freundlich für die ihm zugeteilte Herausforderung bedanken.



Früher undenkbar: Erst danach wurde der Staffelstab Franz Beckenbauer, Aufsichtsratvorsitzender, Kaiser, Lichtgestalt und Boulevardmessias, gereicht. Ein Bild des Jammers. Es offenbarte, dass Beckenbauer nach jahrzehntelanger Kooperation mit den Geistern, die er rief, nicht nur den letzten Einfluss auf das operativen Geschäft bei seinem FC Bayern verloren hat, sondern auch nachhaltig vom Informationsfluss der Handelnden abgeschnitten ist. Dass er auf der Pressekonferenz die Entscheidung pro Klinsmann als „wohl überlegt“, „klug“, aber „mutig“ bezeichnete, gehörte zum Protokoll. Der gesamte Aufsichtsrat nickte freilich einstimmig den neuen Trainer ab. Bloß blieb diesmal keine Zeit mehr, es auch – wie sonst üblich – den befreundeten Pressevertretern, vor allem denen der BILD, zu stecken.

Klinsis Käseglocke erstickt den Kaiser


Sicher, in normalen Fällen ist das der geregelte Werdegang einer Entscheidung in einem Unternehmen. Aber wir reden hier immerhin von Franz Beckenbauer. Und werden den Verdacht nicht los, dass er auf seine alten Tage zur sprechenden Marionette von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß verkommt. Natürlich wird er weiterhin sagen, was er denkt. Allerdings steuern Rummenigge und Hoeness nun den Fluss der Interna. Erst dann darf Beckenbauer sie ausplaudern.

Schlimmer noch: Dazu gesellt sich nun Klinsmann, dessen Aura sich wie eine überdimensionale Käseglocke über die Mannschaft legen wird.

Lässt man den reinen fußballerisch-methodischen Stilbruch, der ab 1.Juli an der Säbener Straße Einzug halten wird, außer Acht, sieht man, dass nebenher auch die die Aufstellung des FC Bayern in den Medien eine vollkommen andere sein wird. Dass bekam vorab Franz Beckenbauer schon mal zu spüren – und diesem Zuge vor allem dessen Haus- und Hofblatt. Denn gerade dieses war vom Klinsmann-Coup im Schlaf überrascht worden.

Hatte die BILD doch ihr Möglichstes getan, einen der Lieblingsfeinde erst nach Mexiko, später ins US-Amt, darauf nach Australien und nicht zuletzt aus schier Verzweiflung ins Vereinte Königreich zu schreiben.

Vor allem wissen die Redakteure: Der elegant an ihnen vorbei gefädelte Deal war erst der Anfang. Denn der Pipeline ins Mannschaftsinnere wird gnadenlos der Hahn zugedreht, nicht einmal Günter Guillaume würde mehr einen Zugang finden. Das bedeutet nichts weniger als der Untergang des von ihr erschaffenen Reichs: Der FC Hollywood ist nicht mehr.


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