SID-IMAGES/AFP/SERGEI SUPINSKY

EM | 27.06.2012

Stevens ergreift Partei für Huntelaar

Trainer Huub Stevens von Schalke 04 hat sich in der Fußball-Talkshow "Studio Voetbal" für einen Verbleib seines Stürmers Klaas-Jan Huntelaar in der Elftal ausgesprochen.

Hilversum (Niederlande) - - Trainer Huub Stevens vom Bundesligisten Schalke 04 hat sich in der Fußball-Talkshow "Studio Voetbal" des niederländischen Fernsehsenders NOS für einen Verbleib seines Stürmers und Bundesliga-Torschützenkönigs Klaas-Jan Huntelaar in der Elftal ausgesprochen.

"Ich ärgere mich über die Berichte mit der gezielten Stimmungsmache in gewissen niederländischen Zeitungen gegen Klaas-Jan. Falls Bondscoach Bert van Marwijk Huntelaar wirklich nicht mehr in die Nationalmannschaft berufen sollte, dann werde ich mit ihm Kontakt aufnehmen", sagte Stevens in einem Telefoninterview. Der Vize-Weltmeister war in der deutschen EM-Vorrundengruppe ohne Punktgewinn sang- und klanglos ausgeschieden.

Stevens erklärte, grundsätzlich habe er ein gutes Verhältnis zu van Marwijk. Er verstehe die Berichterstattung der Medien nicht, die nach dem EM-Aus Huntelaar zum "Stinkstiefel" gemacht hatten. "So kenne ich Klaas-Jan nicht. Ich habe mit ihm in letzter Zeit sehr gut zusammengearbeitet. Er ist ein ehrgeiziger Spieler, der immer gewinnen will. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass er sich so danebenbenommen haben soll. Natürlich ist es für ihn nicht angenehm, nicht in der Stammelf zu spielen und Reservespieler zu sein", betonte der S04-Coach.

Stevens über Huntelaars Verhalten bei den Königsblauen: "Auch bei uns sitzt er manchmal auf der Bank. Wenn man ihm den Grund mitteilt, hat er da keine Probleme mit. Das ist eine Frage der Kommunikation. Die stimmte während der EM bei Oranje nicht."

EM | 26.06.2012

Italiens "Klosterschüler" ganz locker

Italien fiebert dem EM-Halbfinale gegen den Lieblingsgegner Deutschland entgegen. Die Stimmung in der Squadra Azzurra ist glänzend.

Krakau - "Magier" Andrea Pirlo bekommt schon Küsschen von den Mannschaftskollegen, Trainer Cesare Prandelli läuft sich mitten in der Nacht die Füße wund: Die Italiener fiebern dem großen EM-Halbfinale gegen ihren Lieblingsgegner Deutschland entgegen und sind eingedenk der Historie extrem selbstbewusst. "Deutschland hat Angst vor uns. Sie wollen unbedingt ein zweites 2006 verhindern", sagte Pirlo am Dienstag.

Die Stimmung in der Squadra Azzurra vor der emotionsgeladenen Neuauflage des WM-Halbfinals von vor sechs Jahren ist glänzend. Da genügt ein Blick auf den Trainingsplatz in Krakau: Als sich die Ersatzspieler locker den Ball zupassen, albern die Elfmeter-Helden aus dem Viertelfinale gegen England auf der Ersatzbank herum. Und während Gianluigi Buffon Witzchen macht, setzt sich Leonardo Bonucci neben Pirlo, legt dem genialen Regisseur liebevoll den Arm um die Schulter und herzt ihn innig. Der Lupfer-König, der im Elfmeterschießen gegen die Three Lions mit seinem ultracoolen Versuch noch Nerven aus Stahl bewiesen hatte, lächelt verlegen.

Etwas abseits davon beobachtete Cesare Prandelli die Szenerie, ernst, nachdenklich, die Hände hinter dem Rücken verschränkt. Er schien schon über einem Ansatz zu brüten, wie das DFB-Team zu knacken sein könnte. "Deutschland hat eine solide Mannschaft. Wir müssen die Momente nutzen, in denen Deutschland schwächer sein wird. Jede Mannschaft hat solche Phasen", sagte Prandelli, "aber sie sind stark, mit ihrem Regisseur Özil. Wenn wir gewinnen wollen, müssen wir noch kreativer werden."

Auch Pirlo hebt Özil hervor. "Deutschland hat viele Top-Spieler, aber ich denke Özil, ist sehr wichtig, genau wie für Real Madrid", sagte der 33-Jährige: "Fest steht: Deutschland ist vor allem offensiv eine größere Bedrohung für uns als England."

Prandelli ist verantwortlich für das, was Bundestrainer Joachim Löw voller Respekt "das neue Italien" nennt. Der 54-Jährige lässt im Gegensatz zu fast allen seinen Vorgängern offensiv und risikoreich spielen, ohne dass sein Team jemals das Auge für taktische Disziplin verliert. "Die junge Generation liebt diesen Fußball", sagt der Coach - also lässt er sie.

Als der ruhige, stets höfliche Prandelli am Montag den Pressekonferenzraum in der Casa Azzurri betrat, spendeten die Journalisten ihm anerkennend Beifall. Ihm selbst war das gar nicht recht, fast beschämt winkte er ab. Werte wie Zurückhaltung und Demut spielen für den Trainer, dessen Frau Manuela vor knapp fünf Jahren an Krebs gestorben ist, auch bei dieser EM eine wichtige Rolle.

Nach dem Viertelfinale gegen England pilgerte Prandelli bereits zum zweiten Mal während der EM zu Fuß zum 20 Kilometer entfernten Kloster Bielany, das von Mönchen des toskanischen Camaldolesi-Ordens geführt wird. Mit seinen Assistenten ging er früh morgens gegen vier Uhr los, direkt nachdem sie aus dem Spielort Kiew zurückgekehrt waren.

Als längst wieder die Sonne schien, kehrte die Gruppe ins Teamhotel Turowka in Wieliczka zurück. Wenige Stunden später saß Prandelli in Krakau in der Casa Azzurri und berichtete den Journalisten mit leuchtenden Augen über "das Match", wie er das legendäre Viertelfinale zwischen Italien und Deutschland bei der WM 1970 in Mexiko bezeichnet. "Ich erinnere mich, dass ich das Spiel mit meinem Vater am Fernseher gesehen habe. Das war das aufregendste, was ich jemals erlebt habe", sagte Prandelli.

Damals unterlag die DFB-Elf mit 3:4 nach Verlängerung, und weder vorher noch nachher hat Italien jemals ein Spiel bei einem großen Turnier gegen Deutschland verloren. Natürlich soll dies nach dem Willen der Spieler auch so bleiben. "Deutschland hat ein großartiges Team, ihren Stil kann man mit dem der Spanier vergleichen. Aber wir können sie schlagen, natürlich können wir sie schlagen!", sagte Daniele De Rossi.

EM | 26.06.2012

Italien: Prandelli bleibt Nationaltrainer

Cesare Prandelli bleibt: Unabhängig vom Ergebnis des EM-Halbfinals zwischen Deutschland und Italien am Donnerstag wird der Nationaltrainer der Azzurri bis zur WM 2014 im Amt sein.

Rom - Cesare Prandelli bleibt: Unabhängig vom Ergebnis des EM-Halbfinals zwischen Deutschland und Italien am Donnerstag in Warschau (20.45 Uhr/ARD) wird der Nationaltrainer der Azzurri bis zur WM 2014 im Amt sein. Dies versicherte Giancarlo Abete, Präsident des nationalen Fußball-Verbandes FIGC.

Abete bestritt Medienberichte, die besagt hatten, dass Prandelli (54) nach Ende der EM 2012 zu einem namhaften Klub wechseln könnte. "Es ist normal, dass sich große Vereine für Prandelli interessieren, da er gut gearbeitet hat. Doch wir sind zuversichtlich, dass er seinen bis 2014 laufenden Vertrag erfüllt", betonte Abete.

Der Verbandschef erklärte, Teile der italienischen EM-Prämien würden an die Obdachlosen in der Emilia Romagna gespendet. Die norditalienische Region war am 20. und am 29. Mai von starken Erdbeben erschüttert worden. 26 Tote wurden gemeldet, 14.000 Menschen sind seitdem obdachlos.

EM | 22.06.2012

Udo Walz: "Rooney eine Karikatur, Ronaldo eine 10"

So eine EM ist immer auch eine haarige Angelegenheit. Die Frisuren der Stars geben reichlich Anlass für Spott oder Bewunderung. Das ungefärbte Urteil von Starfriseur Udo Walz.

Danzig - Er hatte es dem Pferdeschwanzträger Andy Carroll versprochen, also zeigte der frisch frisierte Wayne Rooney den Haarspray-Jubel. Mit der rechten Hand versprühte Englands Stürmerstar imaginäres Zeug auf seine neue Pracht. "Ich hatte vorher ein wenig von Andy Carrolls Produkten benutzt", erklärte Rooney nach seinem 1:0-Siegtreffer im EM-Spiel gegen die Ukraine, und scherzte: "Hoffentlich bekomme ich jetzt auch solche Haare wie er."

Bloß nicht, meint Udo Walz. Deutschlands prominentester Promi-Friseur findet Rooneys neuen Haarschnitt extrem lustig. "Der gute Wayne hat die Ohren und den Nacken freigelegt und vorne eine Tolle. Das sieht witzig aus, fast wie bei seiner eigenen Karikatur", sagte Walz dem SID.

Die 30.000 Pfund, die Rooney vor einem Jahr für eine Haartransplantation angeblich ausgegeben hat, hätten sich auf jeden Fall gelohnt. "Jetzt hat er wenigstens was auf dem Kopf, womit man arbeiten kann", sagte der Star-Figaro, der nach eigenen Angaben bereits mehr als 200.000 Köpfe frisiert hat.

Im Internet und in den Medien kommt Rooney nicht so glimpflich davon. "Wayne Rooney hatte in seiner Karriere schon ein paar desaströse Frisuren, aber der neue Mopp sieht aus wie eine schlechte Kopie von George Michael aus den 80ern", lästerte die Huffington Post. Auch Rooneys Haarspray-Jubel kam nicht überall gut an. "Ein Junge aus Croxteth sollte keine Haarprodukte benutzen", grummelte Liverpools Verteidiger Jamie Carragher.

Bei solchen Sätzen bleibt Udo Walz vor Schreck fast das Herz stehen: "Auch Fußballer müssen auf die Haarpflege achten." Besonders gut tue das Frauenschwarm Cristiano Ronaldo, dessen Frisur - an den Seiten kurz und oben etwas länger - auch Walz begeistert: "Das ist eine glatte Zehn. Aber beim Kopfball könnte der Ball durch das viele Gel im Haar leicht abrutschen."

Den Anhängern ist das egal, viele wollen aussehen wir ihr portugiesisches Idol. Auf der Fanseite ronaldo7.net gibt es einen Ratgeber, wie man die Haare so schön bekommt wie der Superstar. "Gib ein bisschen Gel in deine Handflächen, verreibe es und trage es in Aufwärtsbewegungen ins Haar", steht dort geschrieben.

Aus dem deutschen Team halte frisurtechnisch am ehesten Mario Gomez mit, findet Walz: "Er trägt das Haar etwas länger als Ronaldo, aber das steht ihm sehr gut." Wenn der Stürmer treffe und dabei auch noch gut aussehe, verrät Walz, "kommen viele Jugendliche in meinen Laden und wollen die Gomez-Frisur haben".

Dass der Haarschnitt von Mario Balotelli einen Trend auslöst, ist eher fraglich. Der blondgefärbte Irokesenschnitt des Italieners erinnert Walz an ein "Stinktier": "Ungewöhnlich, aber wegen seiner verrückten Art passt das."

Ungewöhnlich ist auch der Styling-Tipp von Georgios Samaras. Um seine schulterlangen Haare schön geschmeidig zu bekommen, schmiert sich der griechische Stürmer tatsächlich Schuhcreme ins braune Haar. Unverantwortlich findet das Walz, allerdings lägen Samaras lange Haare voll im EM-Trend.

Manche Spieler wie Carroll oder Zlatan Ibrahimovic binden sich einen Pferdeschwanz, um ihre lange Mähne zu bändigen. Das sei "keineswegs out", urteilt Walz, "aber die Haare müssen schwarz und lang sein. Ein kleines Schwänzchen hinten sieht doof aus."

Haartechnisch scheint also fast alles erlaubt, was gefällt. Nur um eins bittet der Promi-Friseur die Fußballer: "Nie wieder Vokuhilas!"

EM | 21.06.2012

"Klub der alten Richter": Kommt Torlinientechnik?

Zürich - Hawk-Eye oder Chip im Ball? Der Weltfußball-Verband FIFA testet zwei Varianten der Torlinien-Technik. Ein "Klub der alten Richter" wird demnächst über eine Einführung diskutieren.

Zürich - Hawk-Eye oder Chip im Ball? Der Weltfußball-Verband FIFA testet zwei Varianten der Torlinien-Technik. Ein "Klub der alten Richter" wird demnächst über eine Einführung diskutieren.

Eine Handvoll älterer Herren entscheidet wieder einmal über die Zukunft des Fußballs. Die Frage diesmal: Kommt die Torlinientechnik - oder nicht? Nach dem "Torklau" von Donezk ist der Ruf so laut wie nie zuvor, doch dass ihn die Mitglieder des International Football Association Boards (IFAB), also die Regelhüter des Fußballs, am 5. Juli in Zürich auch erhören, darf nicht als gesichert gelten.

Schon seit längerem gibt es Zweifel an der Kompetenz des als konservativ geltenden Gremiums, und deshalb soll Anfang Juli zugleich auch über dessen Zusammensetzung mitbefunden werden. "Methoden wie im Kaiserreich", wetterte Theo Zwanziger in der Bild-Zeitung, herrschten beim IFAB. Zwanziger, Mitglied der Exekutive des Fußball-Weltverbandes FIFA, warnte deshalb: "Das IFAB, das ich für reformbedürftig halte, hat sich bisher immer gegen technische Mittel ausgesprochen."

Dem "Klub der alten Richter" gehören derzeit Jim Shaw (Nordirland), David Bernstein (England), Campbell Ogilvie (Schottland) und Philip Pritchard (Wales) an. Sie haben je eine Stimme. Neben den Vertretern der vier Fußball-Verbände des Vereinigten Königreichs darf FIFA-Präsident Joseph S. Blatter (76) entscheiden: Er vertritt die vier Stimmen des Weltverbandes. Zur Einführung der Torlinientechnik wird eine Dreiviertel-Mehrheit benötigt.

Blatter ist für die Einführung. Nach dem Spiel von Donezk sei "die Torlinientechnik keine Alternative mehr, sondern eine Notwendigkeit", sagte der Schweizer. Das nicht anerkannte Tor des Ukrainers Marko Devic gegen England bei der EM in Donezk hatte den jüngsten Wirbel ausgelöst. Der Torrichter hatte nicht angezeigt, dass der Ball komplett hinter der Torlinie war. Fernsehbilder ließen keinen Zweifel.

Um in Zukunft weitere Eklats zu vermeiden, ließ die FIFA zuletzt schon zwei Systeme der Torlinientechnik testen. Das "Hawk-Eye" sowie das Magnetfeld am Tor ("GoalRef"). Die Europäische Fußball-Union (UEFA) bevorzugt indes den Einsatz von zwei Torrichtern und testet seit 2009 diese zusätzlichen Unparteiischen.

Die sogenannte Hawk-Eye-Technik wird seit Jahren beim Tennis eingesetzt, außerdem beim Cricket. Das System arbeitet mit Kameras, die um das Spielfeld herum positioniert sind und die Spielsituation erfassen. Der Schiedsrichter wird etwa durch eine Vibration informiert. Allerdings würde die Meldung nur an den Schiedsrichter erfolgen und wäre im Unterschied zum Tennis nicht für das Publikum bestimmt.

Der sogenannte "Chip im Ball" wird seit drei Jahren von Experten des Fraunhofer-Instituts für Integrierte Schaltungen (IIS) in Erlangen entwickelt. Die Technik mit dem Namen GoalRef arbeitet ähnlich wie der Diebstahlschutz im Kaufhaus. Das System basiert auf einem Magnetfeld am Tor. Passiert der Ball, in den eine Sendeeinheit integriert wird, die Torlinie, wird dem Schiedsrichter ein Funksignal auf dessen Uhr übermittelt. Es wurde unter anderem bei Spielen der dänischen Superliga getestet.

Die Entscheidung des IFAB über die Technik ist nicht bindend für die einzelnen Verbände. Jedes Land kann selbst entscheiden, ob es die neuen Hilfsmöglichkeiten einsetzt. getestet werden soll das ausgewählte System bei der Klub-WM im Dezember in Japan, spätestens aber beim Konföderationen-Cup im Sommer 2013 in Brasilien. Blatter hofft, dass bei der WM 2014 in Brasilien die Technik dann erstmals Entscheidungen treffen kann.

EM | 15.06.2012

Ukraine verliert Gewitter-Spiel gegen Frankreich

Die Ukraine hat das für 58 Minuten unterbrochene Gewitter-Spiel in der Gruppe D in Donezk gegen Frankreich mit 0:2 (0:0) verloren und muss um den Einzug ins Viertelfinale bangen.

Donezk - Gewitter, Unterbrechung - und dann machte Frankreich die Ukraine nass. Während der EM-Gastgeber beim "Regentanz" in Donezk den vorzeitigen Einzug ins Viertelfinale verpasste, haben Les Bleus durch ihren ersten Sieg bei einem Turnier seit der WM 2006 die Chance auf den Einzug in die K.o.-Runde gewahrt. Die Equipe Tricolore übernahm durch das 2:0 (0:0) zunächst die Tabellenführung in der Gruppe D. Die Ukraine erlag nach dem 2:1 gegen Schweden zum EM-Auftakt wieder mal dem "Fluch von Donezk" - und dort muss sie auch ihr "Finale" gegen England spielen.

Nach dem Wiederbeginn des zweiten Vorrundenspiels, das in der 5. Minute wegen eines schweren Gewitters für 58 Minuten unterbrochen worden war, wurden die 48.000 Zuschauer in der Donbass-Arena mit einem sehr unterhaltsamen Spiel für ihre Widerstandskraft belohnt. Tore sahen sie zwar zunächst nicht - in der zweiten Halbzeit jedoch nutzten die klar überlegenen Franzosen um den starken Franck Ribéry endlich ihre guten Chancen: Zunächst erlöste Jeremy Menez (53.) die Blauen, dann legte Yohan Cabaye (56.) nach.

Für die Ukrainer um den diesmal glücklosen Andrej Schewtschenko war die Niederlage ein Stimmungstöter, die Franzosen haben die angespannte Lage in der Heimat und rund um die Mannschaft dagegen erst einmal beruhigt. Nach dem 1:1 zum EM-Auftakt gegen England hatte es erste Unruhe gegeben, doch gegen die Ukrainer spielte Frankreich mit neuer Leidenschaft und mehr Fortune. Cabaye hätte sogar auf 3:0 erhöhen können, traf aber nur den Pfosten (65.).

Gute Chancen hatte es schon vor der Halbzeit gegeben. Frankreich hatte mehr vom Spiel, Ribéry war sehr auffällig, doch in Strafraumnähe war die Equipe Tricolore zunächst harmlos - wie schon gegen England. Und dann auch glücklos. Menez auf Vorlage von Ribéry (26.), Samir Nasri (29.) und Philippe Mexès (39.). verfehlten aus bester Position das Tor knapp oder scheiterten an Torhüter Andrej Pjatow.

Die Ukraine, zunächst frenetisch angefeuert, lauerte auf Konter - und war hin und wieder selbst dem Führungstreffer nahe. In der 25. Minute strich ein Flachschuss von Andrej Jarmolenko knapp am Tor vorbei, Schwetschenko scheiterte am glänzend reagierenden Hugo Lloris (34.). Doch nach dem zweiten Treffer der Franzosen war die Hoffnung dahin, den "Fluch von Donezk" noch zu besiegen: Auch im sechsten Versuch gelang den Ukrainern kein Sieg in der Stadt in der Westukraine. Gegen Frankreich sind sie ebenfalls weiter sieglos.

Höhere Gewalt hatte kurz nach Spielbeginn um 19.00 Uhr Ortszeit für ein Novum in der EM-Geschichte gesorgt. 4:17 Minuten nach dem Anpfiff blies der niederländische Schiedsrichter Björn Kuipers aus den Niederlanden kräftig in seine Pfeife - und unterbrach die Begegnung wegen eines heftigen Gewitters am nachtschwarzen Himmel über der Donbass-Arena. Die Spieler verschwanden in den Kabinen, die Zuschauer flüchteten von den Tribünen, über die Wassermassen in Sturzbächen flossen.

Als es um zwei Minuten nach 20.00 Uhr Ortszeit schließlich weiterging, war das Spielfeld trotz des beinahe einstündigen Wolkenbruchs erstaunlicherweise perfekt bespielbar. Pfützen, wie einst bei der legendären Wasserschlacht zwischen Deutschland und Polen in Frankfurt bei der WM 1974, waren nicht zu sehen, der Ball rollte ungehindert. Zuvor hatten Platzwarte die deutlich sichtbaren Lachen unter anderem mit einem staubsaugerähnlichen Gerät verschwinden lassen.

Und die Franzosen kamen in der zweiten Halbzeit immer besser in Schwung. Menez schloss auf Vorlage des eifrigen Karim Benzema den ersten guten Angriff ab, Cabaye nutzte einen weiteren Blackout in der Hintermannschaft der Ukrainer mit einem Flachschuss zum zweiten Treffer. Die Franzosen sind nun seit 23 Spielen unbesiegt.

EM | 15.06.2012

Löw: Jux mit Balljunge war eine "Konserve"

Joachim Löws Spaß mit einem Balljungen sorgte beim 2:1 über die Niederlande für Aufsehen. Allerdings war alles nur eine Aufzeichnung, die in die Live-Weltbilder geschnitten worden.

Charkow/Danzig - Wiederholungen im deutschen Fernsehen haben eine lange Tradition, aber selbst bei der Fußball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine ist nicht alles live, was angeblich live gesendet wird. Diese Erfahrung musste Bundestrainer Joachim Löw nach dem 2:1-Sieg im ukrainischen Charkow am Mittwoch gegen die Niederlande machen. Da sorgte sein Spaß mit einem ukrainischen Balljungen für Aufsehen. Allerdings war alles nur eine Aufzeichnung und in die Live-Weltbilder des Spiels geschnitten worden.

Der Bundestrainer war scheinbar in der 22. Minute an der Seitenlinie auf einen ukrainischen Balljungen zugegangen und hatte diesem den Ball aus dem Arm gespitzelt. Als der Junge etwas verdutzt guckte, gab es einen freundschaftlichen Klaps von Löw auf die Schulter und den Ball per Hacke zurück. Anschließend konzentrierte sich der DFB-Coach wieder auf das Spiel und durfte später die Führung durch Mario Gomez bejubeln. Soweit der Eindruck des TV-Zuschauers.

"War das nicht vor dem Spiel?", fragte Löw nach dem Spiel im ZDF-Interview ein wenig irritiert, als er mit der Szene konfrontiert wurde. In der Tat war die Szene vor dem Anpfiff aufgezeichnet worden. "Wir wussten das nicht, sind auch nicht informiert worden, es betraf nicht nur uns, sondern alle Fernsehanstalten, die dabei waren. Das ist vollkommen unüblich, wir sind da in einer intensiven Diskussion mit der UEFA", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz.

Auch bei der ARD ist man alles andere als zufrieden. "Natürlich wäre für uns jede Form von Zensur oder Manipulation nicht tragbar. Gerade deshalb haben wir gegenüber der UEFA sehr deutlich gemacht, dass das deutsche Publikum erwartet, dass live drin ist, wenn live drauf steht. Live ist live und muss live bleiben", sagte WDR-Chefredakteur Fernsehen und ARD-EM-Teamchef Jörg Schönenborn.

ZDF-Chefredakteur Peter Frey ergänzte: "Wir haben bei der UEFA moniert, dass tatsächlich der Anschein erweckt wurde, es handele sich um Live-Bilder. Das entspricht nicht unseren journalistischen Standards. Wir erwarten von der UEFA, dass sie uns künftig darauf hinweist, ob sie während einer Live-Übertragung aufgezeichnetes Material verwendet."

Das Video mit dem Löw-Spaß war sofort ein Renner im Internet. Zahlreiche Facebook-Nutzer posteten den YouTube-Mitschnitt auf ihrer Seite.

International | 12.06.2012

Moniz bei Meister Salzburg zurückgetreten

Ricardo Moniz hat bei Red Bull Salzburg überraschend seinen Rücktritt erklärt. Die Gründe für die Demission sind unklar, offenbar hat es aber klubinterne Streitigkeiten gegeben.

Salzburg - Trainer Ricardo Moniz hat beim österreichischen Fußballmeister Red Bull Salzburg überraschend seinen Rücktritt erklärt. Der 47-Jährige, der als Interimscoach 2010 beim Bundesligisten Hamburger SV tätig war, hatte den Klub zum ersten Double von Meisterschaft und Pokalsieg geführt. Die Gründe für die Demission sind unklar, offenbar hat es aber klubinterne Streitigkeiten gegeben.

Moniz hatte in Salzburg noch einen Vertrag bis 30. Juni 2013. Der Niederländer war seit dem 8. April 2011 als Nachfolger des jetzigen Schalker Trainers Huub Stevens Chefcoach der Salzburger gewesen.

EM | 10.06.2012

14 Festnahmen nach Ausschreitungen in Posen

Die polnische Polizei hat bei Ausschreitungen in der Nacht vor dem EM-Spiel zwischen Irland und Kroatien in Posen 14 Fußball-Fans festgenommen.

Posen - Die polnische Polizei hat bei Ausschreitungen in der Nacht vor dem EM-Spiel zwischen Irland und Kroatien in Posen 14 Fußball-Fans festgenommen. Gegen ein Uhr hatten sich mehrere Randalierer auf dem zentralen Platz der Stadt eine Schlägerei geliefert, dabei flogen Flaschen und Stühle. Nach Polizeiangaben wurden zehn Polen, drei Iren und ein Kroate festgenommen. Noch ist unklar, wie es zu den Ausschreitungen gekommen war. Irland und Polen trafen am Sonntagabend im zweiten Spiel der Gruppe C aufeinander.

EM | 09.06.2012

Spanischer Fan ermordet aufgefunden

Ein seit fast einem Monat vermisster Fußball-Fan aus Spanien ist am Samstag in der Ukraine ermordet aufgefunden worden. Die Polizei hat bereits drei Tatverdächtige festgenommen.

Makejewka - Ein seit fast einem Monat vermisster Fußball-Fan aus Spanien ist am Samstag in der Ukraine ermordet aufgefunden worden. Der 46-Jährige, der vor der EM-Endrunde bereits Urlaub im Land des Co-Gastgebers gemacht hatte, war von Hotelangestellten in Makejewka in der Nähe des EM-Spielorts Donezk als vermisst gemeldet worden. Die Polizei hat bereits drei Tatverdächtige festgenommen.

Titelverteidiger Spanien steigt am Sonntag in Danzig (18.00 Uhr/ZDF) mit dem Spiel der letzten beiden Weltmeister gegen Italien in das Turnier ein.

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