Bild #42

Branko Zebec

»Wie lange noch, Trainer?«, fragte einer seiner HSV-Spieler atemlos. Doch der Trainer döste da im Gras, spielte mit den Kieselsteinen, die sich in seiner Hand befanden. Dass seine Spieler seit mittlerweile 45 Minuten ihre Runden drehten und ziemlich erschöpft schienen, war dem jugoslawischen Trainer völlig egal. »Ihr lauft solange, bis ich keine Kieselsteine mehr habe«, antwortete Branko Zebec. Dann griff er erneut in einen Steinhaufen und füllte seine Hand erneut. Mit Anekdoten wie diesen festigte Zebec seinen Ruf als »Menschenschinder«. Und das war noch einer der freundlicheren Ausdrücke, die regelmäßig hinter dem Rücken des Jugoslawen fielen. Kevin Keegan, seinerzeit Englands Hero in den Diensten des HSV, grenzten diese Trainingsmethoden an Kriegsverbrechen. So ging er eines Tages zu HSV-Manager Günter Netzter und bettelte: »Günter, ich will hier weg. Unter diesem Mann halte ich es nicht mehr aus.« Dass Zebec gern auf den Tischen tanzte, dass die Batterie von leeren Wodka-Flaschen in seiner Trainer-Kabine in Ochsenzoll gewaltige Ausmaße annahm, dass Masseur Hermann Rieger des Nachts im Trainingslager oft als Gesprächspartner an der Theke herhalten musste - alles wurde akzeptiert, weil Zebec den HSV wieder in die Spur setzte und 1979 den ersten Meistertitel seit 19 Jahren in die Hansestadt holte. Doch seine Alkoholkrankheit raubte im letztlich auch den letzten Funken Würde. Als er schließlich beim Bundesligaspiel gegen Dortmund betrunken auf der Bank einschlief, war er auch in Hamburg nicht mehr haltbar.

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