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Spannende Ereignislosigkeit

Text: Christoph Seyfert  Bild: Imago

Spannende Ereignislosigkeit

Sollten innerhalb des kleinen und des großen Finales in der regulären Spielzeit kein Tor mehr geschossen werden, wären wir bei nur 2,20 Toren pro Begegnung und damit bei einem hundertstel Tor weniger als 1990. Ein einziger Treffer allerdings, würde den Wert aber schon auf 2,22 anheben. Wie golden waren doch die früheren Tage! 1954 bei der glorreichen WM wurden gar 5,38 Tore pro Spiel geschossen. Das Ungarische Team alleine steuerte 5,4 Tore pro Partie hinzu. Unvorstellbar! Wir erinnern uns: In der Vorrunde deklassierte Titelfavorit Ungarn das deutsche Team mit 8:3 – ein Ergebnis, wie es heute noch nicht mal gegen Fußballzwerge denkbar ist, denn die erzielen keine drei Tore. 1950 gab es dann noch mal 4,0 Buden zu bestaunen.

Wieso, nur wieso schießt man heute nicht mehr so viele Tore wie in den guten alten Zeiten? Die Gründe liegen alleine in der Taktik, bzw. im Spielsystem. Fußball ist ein Sport, der sich aus Rugby entwickelt hat. Beim Rugby gibt es eigentlich nur Stürmer. Wenn Kinder Fußball spielen, stürmen alle dahin, wo der Ball ist, also ganz ähnlich wie beim Rugby. So hat’s bei Fußball dann auch angefangen. Kein Wunder also, dass immer viele Tore fielen – auf beiden Seiten. Deswegen irrlichterte die taktische Ausrichtung solange vor sich hin, bis ein System gefunden wurde, das sowohl ausreichend offensiv, als auch ausreichen defensiv war. Das klingt doch immerhin nach soliden 4-2 Ergebnissen? Ja, fast.

Ausreichend defensiv und ausreichend offensiv ist ein System, wenn es dem Team ermöglicht, immer ein Tor mehr zu erzielen, als der Gegner. Ein 1:0 ist allemal ein ausreichendes Ergebnis. Die Teams belauern sich so lange, bis der Gegner einen Fehler macht. Dann hauen sie ein Ding rein und stehen anschließend hinten sehr kompakt und tun nur noch wenig nach vorne. Am Eindrucksvollsten ist das beim FC Chelsea zu sehen. Nicht schön, aber effektiv. Mit nur einem Stürmer spielt auch der FC Barcelona. Die englische Nationalmannschaft hat bei dieser WM versucht, es dem Londoner Club gleichzutun. Dabei haben sie allerdings aus den Augen verloren, doch eben mindestens ein Tor zu schießen. Das Ergebnis ist bekannt, England scheitert wie immer im Elfmeterschießen.

Zwei Mannschaften haben das viel besser hingekriegt, als das ewig vom Pech verfolgte Team von der Insel: Italien und Frankreich. Natürlich wird es auch im Finale keine Tore hageln. Das erlaubt weder die hervorragende Abwehr der Franzosen noch die der Italiener. Aber: man kann sich auch an der Defensiven ergötzen. Wer gestern Lilian Thuram die Bälle hat erkämpfen sehen, der konnte nicht anders, als in grenzenlose Bewunderung zu verfallen. Wir sollten also nicht von einem Negativrekord sprechen und davon, dass ein solcher drohe, auch wenn diese Meldung mit den besagen Formulierungen zu Beginn herumspielt. Bewundern wir Zidane, bewundern wir Pirlo, wie sie versuchen, die eigentlich unkaputtbare gegnerische Abwehr zu zerbrechen – mit Intelligenz und Kreativität. Bleiben wir dabei: Das WM-Finale 2006 Frankreich – Italien: 1:0 oder 0:1.




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