Vor der Frauen-WM 2011
Blatter: »Zukunft des Fußballs ist weiblich.«
Text: sid
Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist bei der Frauen-Weltmeisterschaft 2011 (26. Juni bis 17. Juli) in einem Punkt nur der "Handlanger" des Weltverbands. Die FIFA benutzt seinen größten und am besten organisierten nationalen Verband, um den Frauenfußball weltweit entscheidend voranzubringen.
Eine perfekt durchgeführte Endrunde mit vollen Stadien und tollen Spielen soll die Vision von FIFA-Präsident Joseph S. Blatter endlich Wirklichkeit werden lassen. "Die Zukunft des Fußballs ist weiblich", hatte Blatter vor der Vergabe der Titelkämpfe im Herbst 2007 proklamiert. Da kam die Bewerbung Deutschlands gerade recht. Nach der perfekt inszenierten Männer-WM 2006 war den Verantwortlichen des Weltverbands klar, dass nur eine Endrunde in Deutschland den weltweiten Durchbruch für den Frauenfußball bringen kann.
Nirgendwo auf der Welt sind die Fußballerinnen bereits so weit wie in Deutschland. Die Nationalmannschaft sorgt für volle Stadien und Top-Einschaltquoten. An der DFB-Spitze steht mit Theo Zwanziger ein bekennender Fan des Frauenfußballs. Die Top-Spielerinnen sind Profis, die Klubs werden unter der Anleitung des Verbands immer besser geführt. Die Nachwuchsarbeit des DFB ist weltweit einzigartig, die Zahlen im Mädchenfußball boomen.
Das alles hätte die FIFA gerne weltweit. Deshalb soll das deutsche Beispiel Schule machen. Und wo könnte die deutsche Vorreiterrolle besser ins internationale Schaufenster gestellt werden, als bei einer WM? Die deutschen WM-Macher im Organisationskomitee (OK) wissen um das Anliegen des Weltverbands und nehmen ihre Rolle als Frauenfußball-Missionare an.
"Wir haben die einmalige Chance, den Frauenfußball weiter voranzubringen. Ich bin davon überzeugt, dass von Deutschland 2011 eine große Signalwirkung ausgeht. Es wird genau die Initialzündung sein, die die FIFA sich von diesem Turnier erhofft - und zwar weltweit", erklärte OK-Präsidentin Steffi Jones und liegt mit ihrer Zuversicht exakt auf der Wellenlänge des Weltverbands.
Die Ex-Nationalspielerin musste in diese Vorreiterrolle aber nicht gedrängt werden. "Ich empfand mich ja schon vor meiner Berufung zur OK-Chefin zusammen mit etlichen anderen als eine Art Pionierin. Daher empfinde ich wirklich große Freude und bin auch ein wenig stolz, dass wir inzwischen so weit sind", sagte Jones, die mit dem Erreichten aber noch nicht zufrieden ist: "Der Frauenfußball ist längst noch nicht am Ziel."
Nicht zuletzt deshalb ist Jones seit Monaten weltweit unterwegs, um für den Frauenfußball zu werben. Ab Dezember wandelt die 37-Jährige sogar auf den Spuren von Franz Beckenbauer und wird allen WM-Teilnehmern einen Besuch abstatten.
Doch die WM soll nicht nur internationale Fortschritte bringen. Während die anderen Länder nach und nach an das deutsche Niveau herangeführt werden soll, streben die Deutschen selbst nach einer weiteren Professionalisierung. Zu diesem Zweck werden die Nationalspielerinnen um Galionsfigur Birgit Prinz immer mehr ins Rampenlicht geschoben. Obwohl Prinz nicht unbedingt die Öffentlichkeit liebt, ist sich auch die Rekordnationalspielerin ihrer Verantwortung bewusst: "Wir wollen unseren Teil leisten, um die Begeisterung für unser Spiel weiter anzufachen."




