Köln gegen St. Pauli
Soldo braucht den Befreiungsschlag
Text: sid
Keine Punkte, wenig Lobby, viel Druck: Trainer Zvonimir Soldo steht beim Fußball-Bundesligisten 1. FC Köln schon vor dem dritten Spieltag mächtig unter Zugzwang.
"Ich weiß, dass ich von Ergebnissen abhängig bin. Aber das geht jedem Trainer so. Ich kann mit dem Druck umgehen", sagte Soldo vor dem Heimspiel gegen Aufsteiger FC St. Pauli am Sonntag (17.30 Uhr/Sky und Liga total! live) betont gelassen. Doch könnte eine weitere Niederlage schon das Ende der Ära Soldo bedeuten. "Es ist fraglos ein wichtiges Match, aber auf keinen Fall ein Endspiel", sagte Soldo. Nach einer höchst durchwachsenen Debütsaison weht dem kroatischen Coach schon in der Anfangsphase der neuen Spielzeit wieder heftiger Gegenwind ins Gesicht. 1:3 zum Heimauftakt gegen Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern, 2:4 nach zum Teil haarsträubenden Fehlern bei Werder Bremen - bereits im dritten Jahr in Folge fuhren die Kölner an den ersten beiden Bundesliga-Spieltagen keinen Sieg ein. Im Vorjahr gelang der erste Dreier erst im sechsten Anlauf.
Nun warten nach dem Heimspiel gegen St. Pauli die schweren Auswärtsauftritte beim FC Bayern und in Mainz - dementsprechend nervös reagiert das Umfeld auf den neuerlichen Fehlstart. Soldo sucht derweil nach Rückhalt, traf sich noch am Donnerstag samt der Spieler Martin Lanig und Stephan Salger zum Austausch mit Fanvertretern, bat um Geduld und Unterstützung. Die Vereinsspitze stärkt Soldo zumindest nach außen hin noch den Rücken. "Es gibt keine Trainerdiskussion", sagte Manager Michael Meier im Kölner Express. Auch Präsident Wolfgang Overath bekräftigte vor dem Spiel gegen St. Pauli: "Es geht nicht um den Trainer, sondern darum, dass wir drei Punkte holen wollen." Doch beide wissen nach Jahrzehnten im Bundesliga-Geschäft nur zu gut, dass die Luft für Soldo nach der zweiten Saisonpleite gegen einen Aufsteiger sehr dünn würde.
Die Kritiker werfen dem als introvertiert und zurückhaltend geltenden Coach vor, zu wenig zu tun, um der Krise entgegenzusteuern. Soldo könne die Mannschaft um schwierige Charaktere wie Milivoje Novakovic, Petit oder auch Nationalstürmer Lukas Podolski nicht ausreichend motivieren. Der frühere Mittelfeldstratege Soldo will davon nichts wissen. "Wenn man einen Spieler ständig motivieren muss, hat er den falschen Beruf. Das ständige Gerede von fehlender Motivation ist nur ein Alibi", sagte der Kroate im kicker. Gedankenspiele hinsichtlich einer Systemänderung nach sieben Gegentoren in zwei Spielen wischte Soldo beiseite: "Das System ist unwichtig. Wir müssen gegen St. Pauli das Spiel machen." Wahrscheinlich ist dennoch, das Köln gegen die Hamburger die Absicherung mit zwei defensiven Mittelfeldspielern (Petit, Adam Matuschyk) sucht.
Hoffnungsträger für Soldo ist zudem einer, der seit seiner Rückkehr nach Köln allzu oft enttäuschte: Lukas Podolski, der am Dienstag beim 6:1 gegen Aserbaidschan vor heimischem Publikum ein glänzendes Länderspiel ablieferte. "Schon in den ersten Liga-Spielen hat mir Lukas gefallen, das hat er nun im Nationalteam bestätigt. Ich erwartete von ihm ein gutes Spiel", sagte Soldo, schränkte aber ein: "Aserbaidschan ist nicht St. Pauli. In der Bundesliga gibt es keine schwachen Gegner." Nachholbedarf hätte Podolski sicherlich: Mit nur drei Treffern in den 29 Spielen seiner zweiten Kölner Amtszeit hat der Stürmer durchaus seinen Anteil daran, dass es sicherere Arbeitsplätze gibt als Soldos.






