Europa League
Traum von »deutschem Viertelfinale« möglich
Text: sid
Zwei Remis und ein Sieg ergeben jede Menge Hoffnung: Nach den Achtelfinal-Hinspielen der Europa League kann die Fußball-Bundesliga davon träumen, erstmals seit zwölf Jahren wieder mit drei Klubs im Viertelfinale eines internationalen Wettbewerbs vertreten zu sein. Werder Bremen hatte beim 1:1 beim FC Valencia das Glück auf seiner Seite, der Hamburger SV beim 3:1-Sieg gegen den RSC Anderlecht Ruud van Nistelrooy in seinen Reihen.
Nur beim VfL Wolfsburg mochte man sich trotz des 1:1 bei Rubin Kasan nicht so recht freuen. Der Reisestress verhagelte die Stimmung. Die Mischung aus 6000 Flugkilometern und nur 42 Stunden Pause bis zum Ligaspiel am Samstag bei Borussia Mönchengladbach stieß den Verantwortlichen des deutschen Meisters übel auf. `Es wird sehr schwer werden, ordentlich zu regenerieren´, klagte Trainer Lorenz-Günther Köstner auf dem langen Rückweg nach Deutschland. Um keine Zeit zu verschwenden jettete der VfL am Freitag aus dem fernen Tatarstan direkt nach Düsseldorf.
Wolfsburgs Manager Dieter Hoeneß hatte schon im Vorfeld der Begegnung mit der DFL über eine Ausnahmeregelung verhandelt und dabei offensichtlich auf Granit gebissen. `In einer solchen Situation halte ich eine Sondermaßnahme für gerechtfertigt´, sagte der 57-Jährige. Die Crux: Bei noch drei deutschen Teams im Wettbewerb muss jede Mannschaft einmal den ungeliebten Donnerstag-Samstag-Rhythmus auf sich nehmen. So konnte einzig der Treffer von Zvjezdan Misimovic die Stimmung ein wenig aufhellen.
Probleme mit schlechter Laune kannte man beim HSV dank der Treffsicherheit van Nistelrooys hingegen nicht. Der niederländische Superstar rackerte bei seinem Startelf-Debüt über 90 Minuten und sorgte für das zwischenzeitliche 2:0. `Wir haben uns mit Ruud Durchschlagskraft erhofft und ich denke, dass hat sehr gut funktioniert´, meinte Hamburgs Trainer Bruno Labbadia nach dem starken Auftritt seines Angreifers. Joris Mathijsen und David Jarolim besorgten die weiteren HSV-Treffer. Das Gegentor von Jonathan Legear fiel da gar nicht mehr so ins Gewicht.
Da war der Ärger der Bremer über Valencias Ausgleich schon größer. Emotional zerrissen kehrten die Spieler am Freitag an die Weser zurück. `Wir hätten in Überzahl ein zweites Tor schießen müssen, dann hätten wir in der letzten halben Stunde Ruhe gehabt´, sagte Torhüter Tim Wiese, der in der Schlussphase gleich mehrfach das Remis für den deutschen Pokalsieger festhielt. Doch statt die personelle Unterlegenheit des Gegners zu nutzen - Valencias Ever Banega sah in der 55. Minute nach einer Tätlichkeit gegen Marko Marin die Rote Karte - kassierten die Bremer nur 120 Sekunden später durch Juan Manuel Mata den Ausgleich und mussten bis zum Schluss vor einem weiteren Gegentreffer zittern.
`Da hat sich wieder dieses Phänomen gezeigt, dass bei einer Mannschaft in Überzahl plötzlich weniger gelaufen wird. Nicht Valencia hat nach dem Platzverweis die Ordnung verloren, sondern wir´, kritisierte Werder-Geschäftsführer Klaus Allofs. Glück für die Hanseaten, dass sie lange von einem zweifelhaften Foulelfmeter in der 24. Minute zehren konnten, den Kapitän Torsten Frings eiskalt verwandelte. Am kommenden Donnerstag stehen für die Bundesligisten die Achtelfinal-Rückspiele an. Bei erfolgreichem Verlauf würden es die drei norddeutschen Klubs Bayern München, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund gleichtun. Das Trio hatte es 1998 bis ins Viertelfinale der Champions League geschafft. Seither konnte die Bundesliga in der Breite nicht mehr derart überzeugen.
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